Die deutsche Bundeskanzlerin tourt mit einer Wirtschaftsdelegation durch die Golfregion. Die Ökostadt Masdar gehörte zu ihren ersten Stationen. Die öl- und gasreichen Staaten am Golf wollen sich aus der Abhängigkeit von Energieexporten lösen. Beim Aufbau neuer Industrien setzen sie verstärkt auf deutsche Technologien. Angela Merkel ist keine Ausnahme. Wenn heutzutage hohe Staatsgäste in die Vereinigten Arabischen Emirate kommen, dann besuchen sie Masdar. Wo heute noch Baustelle und vor allem viel gelber Wüstensand ist, soll in den nächsten zehn Jahren die erste kohlendioxidneutrale, autofreie und abfallfreie Stadt entstehen. Masdar werde eine grosse Rolle bei der Schaffung praktischer und wissenschaftlicher Lösungen für alternative und erneuerbare Energien spielen, mit denen die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern verringert werden könne, sagte die Bundeskanzlerin. Deutsche Unternehmen seien bereit, mit Masdar zusammenzuarbeiten und Partnerschaften einzugehen. Verwandte Themen| { Masdar speckt ab, 22.03.10 } | | { Auch Katar gibt sich grün, 11.03.10 } | | { Masdar nimmt eine Denkpause, 04.03.10 } | | { Masdar verzögert sich, 06.01.10 } | | { Desertec hat Durst, 11.12.09 } | | { Klimawandel als Chance nutzen, 07.12.09 } | | { Wüste soll Masdar kühlen, 27.10.09 } | | { Masdar baut die Zukunft, 28.09.09 } | | { Masdar ist auf Kurs, 15.09.09 } | | { Abu Dhabi greift nach der Sonne, 17.08.09 } | | { Politik und Wirtschaft gefordert, 17.08.09 } | | { Mit Masdar an die Spitze, 04.08.09 } | | { Nachhaltigkeit in den Chefetagen, 19.07.09 } | | { Bonn macht Platz für Masdar, 29.06.09 } | | { Erneuerbare suchen Sitz, 22.06.09 } | | { Gute Praktiken wiederbeleben, 17.06.09 } | | { Masdar will an die Weltspitze, 04.06.09 } |
Milliardenaufträge unter Dach und Fach Doch Masdar, für das die Regierung des Emirats Abu Dhabi mit Investitionen von 22 Milliarden Dollar (18 Milliarden Euro/26 Milliarden Franken) rechnet, ist nicht das einzige Projekt, an dem sich deutsche Unternehmen beteiligen wollen. So hat der Chef der Linde Gruppe, Wolfgang Reitzle, eine Vereinbarung mit der Abu Dhabi Polymers unterzeichnet, welche den Bau eines Äthan-Crackers. Dabei geht es um Investitionen von 1,1 Milliarden Dollar. Wintershall-Chef Rainer Seele unterzeichnete eine Absichtserklärung mit ADNOC, der Ölgesellschaft des Emirats, über die Zusammenarbeit bei der Entwicklung der Öl- und Gasproduktion. Philipp Bayat, Geschäftsführer der Bauer Kompressoren, konnte einen Vertrag über den Bau von Tankstellen mit ADNOC unterzeichnen. Deutsche Unternehmen konnten sich auch Millionenaufträge für den Bau von Transformatorstationen sichern. Doch die Zusammenarbeit reicht auch in den Bildungsbereich hinein: Die Technische Hochschule Wildau wird gemeinsam mit der Hochschule für Technologie in Abu Dhabi eine Deutsche Logistikschule in Abu Dhabi errichten. Siemens wird am Bau eines Innovationscampus der Hochschule für Technologie mitarbeiten. Dessen Chef Peter Löscher unterzeichnete während des Merkelbesuchs eine entsprechende Vereinbarung. Deutschland bei Bildung und Forschung Vorbild Schon heute sind 800 deutsche Unternehmen in den Vereinigten Arabischen Emiraten tätig. Zu ihnen gehört auch Ferrostaal. Der Essener Industriedienstleister gehört zu 70 Prozent der International Petroleum Investment Company und damit dem Emirat Abu Dhabi. Dank Mit Anlagen in den Emiraten und anderen sonnenreichen Ländern will es seine Umsätze im Solargeschäft in den nächsten vier Jahren verdoppeln. 2009 betrug der Umsatz in diesem Bereich 340 Millionen Euro, vor allem dank seiner Tätigkeit als Generalauftragnehmer für das spanische Solarkraftwerk Andasol 3. Nun gab Ferrostaal eine Partnerschaft mit eSolar bekannt. Die kalifornische Firma baut Anlagen für Solarkraftwerke. Die Regierung von Abu Dhabi setzt auch weiterhin auf die Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen. „Deutschland ist eines der meisten entwickelten Länder“, sagte Kronprinz Mohammed Zayed al Nahyan. „Wir können von Deutschlands Erfahrung in der höheren Bildung, Berufsausbildung und in der Forschung profitieren.“ Er verwies vor allem auf die deutschen Stärken bei den sauberen Technologien und den erneuerbaren Energien. Bedarf an erneuerbaren Energien Aus der Sicht von Christian Koch haben alle Golfstaaten ein Interesse daran, deutsche Unternehmen stärker in die Region zu ziehen. „Deutschlands rasche Entwicklung der erneuerbaren Energien wie Wind, Sonne und Biomasse kann allen Staaten des Golfkooperationsrates zugute kommen“, schrieb der Direktor für Internationale Studien im Golfforschungszentrum in Dubai im Vorfeld des Merkel-Besuches. „Der Energiebedarf in den Golfstaaten wächst.“ Koch wies auch darauf hin, dass Deutschland sich vor einem Jahr freiwillig aus dem Rennen um den Sitz der neuen Internationalen Agentur für erneuerbare Energien verabschiedet hat. Die Agentur soll nun ihren Hauptsitz in Masdar haben. Auch andere Golfstaaten sind interessiert Die Vereinigten Arabischen Emirate sind nur die erste Station der Merkel-Reise gewesen. Sie besucht ausserdem Saudi-Arabien, das Schwergewicht am Golf, Katar und Bahrain. Gerade Katar setzt auf eine Zusammenarbeit mit Deutschland. Im Frühjahr vereinbarte das Emirat mit Solarworld den Bau einer Fabrik für die Produktion von kristallinem Silizium. Im November schloss es eine Vereinbarung mit der Deutschen Bahn, die den Bau eines nationalen Schienennetzes für den Güter- und Personenverkehr vorsieht. Auch die anderen Golfstaaten wollen ihr bisher dünnes Schienennetz massiv ausbauen. Katar ist auch Grossaktionär von Volkswagen, während der Staatsfonds Aabar aus Abu Dhabi grösster Aktionär von Daimler ist. Die Golfstaaten haben begonnen, an die Zeit nach dem Öl zu denken. Während sie in den 70er und 80er Jahren ihre Petrodollars in westlichen Unternehmen angelegt hatten, bauen sie nun damit eine eigene Industrie auf. Trotz der starken Sympathien in der Region für das angelsächsische Wirtschaftsmodell schauen die Länder der Region nun verstärkt auf die Länder, die ihnen modernste Technologien liefern können. Und dazu gehört gerade auch Deutschland. Nicht umsonst ist dies bereits der zweite Besuch der Kanzlerin in der Region nach einer ersten Visite 2007. Bild: Jürgen Haepp von Fosters Architecture erläutert Merkel das Modell der weltweit ersten Co2-freien Stadt Masdar-City. Diese soll sich bis 2020 komplett durch erneuerbare Energien versorgen (REGIERUNGonline/Bergmann).
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