Prävention oder Schadensbegrenzung? Womit lassen sich drohende soziale Konflikte, die der Klimawandel verursacht, besser bewältigen? Während des Denkwettstreits «Challenge the Best» am 17. Mai 2010 diskutierten 40 Studierende aus 22 Ländern mit Wirtschaftsnobelpreisträger Professor Eric Maskin (2007) und Chemienobelpreisträger Professor Richard R. Ernst (1991) unterschiedliche Handlungsansätze. Mit Ulrich Bremi, Dr. Hans R. Herren und Sir Brian Hoskins suchten sie nach Lösungen für die sozialen Folgen des Klimawandels. Organisiert wurde der Dialog von der Studentenschaft der Universität St.Gallen (HSG). «Wie können wir die Anpassungsfähigkeit der Menschen an die Folgen des Klimawandels erhöhen, Schäden von der Gesellschaft abwenden und soziale, politische und wirtschaftliche Chancen des Klimawandels nutzen?» Mit dieser Frage konfrontierten die Studierenden die geladenen Geistesgrössen beim Denkwettstreit «Challenge the Best». Verwandte Themen| { Armutsfallen vermeiden , 08.04.10 } | | { Klimaschutz kann nicht warten, 21.12.09 } | | { Ein Ziel, aber noch kein Weg, 21.12.09 } | | { Es braucht echte Verpflichtungen, 01.12.09 } | | { Für eine grüne Wirtschaft, 18.11.09 } | | { Für einen Dritten Weg, 16.11.09 } | | { Jeder Beitrag zählt, 16.11.09 } | | { Kriegerisches Klima?, 04.11.09 } | | { 50 Tage zur Rettung der Welt, 18.10.09 } | | { Neue Kriterien veröffentlicht, 22.07.09 } | | { Fairen Konsum gezielt fördern, 30.06.09 } | | { Firmen sollen Frieden fördern, 17.06.09 } | | { Gute Praktiken wiederbeleben, 17.06.09 } | | { Verantwortung mit Profit, 02.06.09 } |
Prävention oder Schadensbegrenzung Nobelpreisträger und Klimaexperten nahmen unterschiedliche Positionen ein. Während
Ulrich Bremi, ehemaliger Wirtschaftsführer und Präsident des Schweizer Nationalrats (1990/91) den Ausgangsgedanken als ganzheitlich und konstruktiv lobte, kritisierte Chemienobelpreisträger Richard R. Ernst den Ansatz als egozentrisch: «Der potentielle wirtschaftliche Nutzen des Klimawandels sollte keinesfalls im Zentrum der Debatte stehen», sagte er während der Eröffnung der Veranstaltung. Von den Folgen des Klimawandels solle als letztes wirtschaftlich profitiert werden. Stattdessen müsse man alles daran setzen, Treibhauseffekt und Emissionen zu minimieren. Problemen des Klimawandels könne man nur mit Erziehung zu nachhaltigem Verhalten, Restriktionen und einer starken Weltgemeinschaft effizient begegnen. Gerade Wirtschaftsuniversitäten müssten diese Ethik vermitteln, so der Chemienobelpreisträger. Er appelierte an das verantwortungsvolle Handeln jedes Einzelnen. «Accountability statt nur Accounting» zu verinnerlichen, sei erste Pflicht für Lehrende und Studierende an Business Schools. Initiative «Challenge the Best» «Challenge the Best» wird von der Studentenschaft der Universität St. Gallen organisiert. Vorsitzender der Veranstaltung ist Botschafter Walter Fust. Das studentische Organisationsteam wird durch einen Beirat, bestehend aus HSG-Professoren und HSG Alumni Geschäftsführer, Alexander Burtscher, unterstützt. www.challengethebest.org Klimaverträge für einen fairen Ausgleich Für eine globale Lösung trat Ökonom Eric Maskin ein: «Nur mit starken internationalen Verträgen können wir den Folgen des Klimawandels Herr werden», sagte er. «Was wir brauchen, ist ein fairer und effizienter Ausgleich zwischen armen und wohlhabenden Ländern bei der Reduktion von Emissionen», betonte Eric Maskin in seiner Rede. Bei der öffentlichen
Abschlussdebatte stellte der Wirtschaftsnobelpreisträger sein Modell vor, das diesen Ausgleich ermöglicht. «Arme Länder sollten zu geringeren Reduktionen verpflichtet werden als reiche Nationen. Sie sind schliesslich nur dank des Ausstosses von Emissionen zu ihrem Wohlstand gekommen», sagte der Wirtschaftsnobelpreisträger. Klimawandel im späten 21. Jahrhundert Dass die Umweltveränderungen zweifelsohne einen grossen Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung haben werden, betonte Klimaforscher Sir Brian Hoskins, Direktor des Grantham Institute for Climate Change in London. «Es gibt keinen «sicheren Klimawandel» oder eine Grenze zwischen sicheren und die Gesellschaft gefährdenden Umwelteinflüssen», sagte er. Die globale Erwärmung um weitere 1,2 Grad und die Erhöhung des Meeresspiegels um 20 cm werde die Kluft zwischen armen und reichen Gesellschaften noch vertiefen. Ressourcen wie Wasser und Energie würden künftig noch stärker umkämpft sein. Ulrich Bremi betonte: «Wir müssen unsere Entscheidungs- und Umsetzungskraft stärken, um im Fall von Katastrophen nicht wieder unsere eigenen Subsysteme zu schützen, sondern global zu handeln.» Ergebnisse mit Nachhaltigkeit «Am eindrücklichsten waren die außergewöhnlichen Workshops – acht Studierende diskutierten mit einem Nobelpreisträger» sagte die studentische Teilnehmerin Masa Matejic von der Universität der Künste Berlin über das Besondere der Veranstaltung. «Im nächsten Jahr wird die Studentenschaft den Denkwettstreit zwischen den Generationen fortsetzen», sagte Lars Repp, Vorsitzender des Organisationskomitees. Weitere Informationen: Universität St. Gallen Marius Hasenböhler, Medienverantwortlicher Telefon: +41 (0)71 224 37 11 Email:
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt, Du musst JavaScript aktivieren, damit Du sie sehen kannst.
Bilder: Frontseite: Gruppenfoto der Teilnehmer. Textseite: Podiumsdiskussion Gäste (v.l.n.r.): Dr. Hans R. Herren, Ulrich Bremi, Wirtschaftsnobelpreisträger (2007) Professor Eric Maskin, Nadine Dereza, Sir Brian Hoskins, Chemienobelpreisträger (1991) Professor Richard R. Ernst (Universität St.Gallen (HSG)/ Hannes Thalmann).
|