Die global tätige Executive-Search-Unternehmung Egon Zehnder International mit Sitz in Zürich ist unter anderem auch auf der Suche nach Führungskräften für nichtstaatliche Organisationen (NGO) und Stiftungen. Und Berater Peter Flückiger weiss, dass dieses Feld für Spitzenleute sehr attraktiv ist. Yvonne von Hunnius: Was braucht eine NGO oder Stiftung eher – Rechenkünstler oder Gutmenschen? Peter Flückiger: Moderne Organisationen brauchen Führungskräfte, die sich mit den ideellen Zielen identifizieren können und gleichzeitig betriebswirtschaftlich top sind. Einige Entitäten haben schon immer Wert auf diese Balance gelegt, doch viele haben in den letzten Jahren die Erkenntnis gewonnen, dass beides nur Hand in Hand geht. Yvonne von Hunnius: Finden Sie Mitarbeiter, die beides vereinen? Peter Flückiger: Das Interesse ist sogar sehr gross und das ist tatsächlich eine gute Nachricht. Nicht nur Manager am Ende ihrer beruflichen Laufbahn, sondern viele Topkräfte zwischen 35 und 50, die in der Privatwirtschaft eine steile Karriere gemacht haben, wollen einen grösseren gesellschaftlichen Beitrag leisten, ihre Erfahrung einbringen und umsteigen. Auch wenn sie Abstriche in Kauf nehmen müssen. Verwandte Themen| { Die Krake von der Wall Street, 26.04.10 } | | { Auf die Stärken besinnen, 18.03.10 } | | { Grüne Banker sind gefragt, 10.02.10 } | | { Verantwortung tragen, 08.02.10 } | | { Gestalten statt gestaltet werden, 08.12.09 } | | { Not macht erfinderisch , 22.10.09 } | | { Banker als Herdentiere, 17.09.09 } | | { Kampf um das gute Gewissen, 27.08.09 } | | { Gute Praktiken wiederbeleben, 17.06.09 } | | { Verantwortung mit Profit, 02.06.09 } |
Yvonne von Hunnius: Wo sehen Sie die Gründe hierfür? Peter Flückiger: In vielen Fällen erhoffen sich die Topkräfte, dass die neue Aufgabe stärker mit dem eigenen Wertesystem vereinbar ist. Sicher steht das auch in Zusammenhang mit einem Generationenwechsel und einer verstärkten Sensibilisierung für Fragen, die von NGO oder Stiftungen aufgegriffen werden. Die neue Generation sieht keinen Widerspruch in betriebswirtschaftlicher Qualität und der Erreichung von gesellschaftlichen oder ökologischen Zielen. Und moderne NGOs schätzen auch die Erfahrung aus der Privatwirtschaft. Yvonne von Hunnius: Welche Kompetenzen sind hier gefragt? Peter Flückiger: Wir arbeiten stark mit internationalen Organisationen zusammen, die grossen Wert auf internationale Erfahrung legen. Interessant ist, dass letztlich die grundlegenden Führungskompetenzen zählen: Teamorientierte Mitarbeiterführung, strategische Kompetenzen, Zusammenarbeitsfähigkeit mit diversen Interessensgruppen und natürlich eine Identifikation mit den Zielen. Denn jede Organisation muss wie ein gutes Unternehmen funktionieren. Nur, dass am Ende des Tages nicht primär die betriebswirtschaftliche Wertschöpfung im Vordergrund ist, sondern gemeinschaftlich gesetzte Ziele eine mindestens gleichbedeutende Rolle spielen. Yvonne von Hunnius: Und was müssen die Führungskräfte in Organisationen heute verstärkt leisten? Peter Flückiger: Ein grösserer Wettbewerb um öffentliche Aufmerksamkeit und um Gelder bringt mit sich, dass eine strenge Kostenkontrolle auch im Sinne der Transparenz vorhanden sein muss. Zudem wird die strategische Ausrichtung einer Organisation immer wichtiger. Und die professionelle Führung der Organisationsmitglieder wird selbstverständlich immer einen zentralen Stellenwert geniessen. Yvonne von Hunnius: NGO-Stellen ziehen normalerweise besonders weibliche Bewerber an – wie sieht das in der Führungsetage aus? Peter Flückiger: Es kann kein frappierender Unterschied zu Führungsstellen in der Privatwirtschaft ausgemacht werden. Die Anforderungen sind sehr hoch, was beinhaltet, dass es auch hier prinzipiell schwer ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen – für eine Mutter aber auch für einen Vater. Eine erfolgreiche professionelle Organisation braucht vollen Einsatz und deshalb auch meist eine Arbeitswoche, die allenfalls auch die 50 Stunden übersteigt. Zur Person: Peter Flückiger ist Berater bei Egon Zehnder International Zürich und hier ebenso Mitglied der „Global Sustainability Practice Group". Egon Zehnder International ist eine global führende Personalberatung mit Präsenz in 37 Ländern und sämtlichen Branchen.
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