Der Klimamarkt wächst

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Geschrieben von: Richard Brunhart, Vaduz 12.05.10
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Das schwache Ergebnis der Klimakonferenz in Kopenhagen hat bestenfalls den internationalen Bemühungen zum Klimaschutz einen Dämpfer verpasst. Trotzdem passiert einiges – auf regionaler Ebene, auf privater Basis und in Unternehmen.

"Kopenhagen war ein Rückschlag, wenn man die Etablierung global wirkender Marktmechanismen, wie etwa den weltweiten Emissionshandel, erhofft hatte", hielt Regierungschef Klaus Tschütscher, Stiftungsratspräsident der Life Klimastiftung, am Montag am dritten öffentlichen Anlass der Stiftung fest. Doch obwohl der Prozess auf Ebene der Vereinten Nationen ins Stocken geraten sei, entwickle sich der Markt weiter. Beispielsweise gebe es in den USA, China und Indien Bestrebungen, Emissionshandelssysteme ähnlich jenem in der Europäischen Union einzurichten. "In Zukunft wird die regionale und überregionale Klimapolitik an Bedeutung gewinnen und mehr und mehr Einfluss auf die globale Marktwirtschaft nehmen", ist Tschütscher überzeugt.

Es tut sich etwas …

Obwohl das Thema Klimawandel in einer öffentlichen Diskussion angesichts der Finanz-, Wirtschafts- und Schuldenkrise an Gewicht verloren hat, bleibt der Klimaschutz ein wichtiger Faktor bei Entscheidungen. Daniel Kerbach, Teamleiter Sustainable Equity bei der LGT Capital Management Ltd., führte in seinem Referat aus, dass über 500 Milliarden Dollar der insgesamt 3000 Milliarden Dollar, die die Staaten in die Ankurbelung der Wirtschaft investiert hatten, in Klimaschutzprojekten eingesetzt werden.

Für Unternehmen bleibt nachhaltiges Wirtschaften ebenfalls interessant – auch wenn sich die Vertreter aus der Wirtschaft auf dem abschliessenden Podium zurückhaltend zeigten. Kundenwünsche geniessen nach wie vor hohe Priorität, auch wenn die Kunden sich wenig beeindruckt von Produkten zeigen, die Nachhaltigkeitskriterien entsprechen. Peter Cavada, Leiter Corporate Health, Safety & Evironment bei der Hilti Aktiengesellschaft, erklärte, die Hilti sehe grosse Chancen für die Zukunft. 50 Prozent der gesamten CO2-Emissionen würden im Zusammenhang mit der Bauindustrie anfallen. Es böten sich neue Geschäftschancen, beispielsweise für Befestigungstechnik in der Solarindustrie. Und auch im eigenen Betrieb hat Hilti einige Projekte zum Klimaschutz umgesetzt.

Wie auch Staaten verfolgen manche Unternehmen die Strategie, nicht (nur) im eigenen Betrieb Klimagasemissionen zu reduzieren. Renat Heuberger, Direktor der Southpole Carbon Asset Management Ltd., hob hervor, dass vermehrt Private und Firmen aus Eigeninitiative Klimagasemissionen kompensieren wollen – beispielsweise bei Flügen. "Es wird immer mehr zum Mainstream", so Heuberger. Besonders der Reputationsgewinn wird als positiver Effekt gesehen.

… aber vielleicht nicht genug

Die Entwicklungen und Anstrengungen sind zwar im Sinne des Klimaschutzes zu begrüssen. Doch ob die von Industrieländern formulierten Zwischenziele bis 2020 ausreichen, um das Hauptziel – die Klimaerwärmung bei durchschnittlich 2 Grad Celsius zu stoppen – ist fraglich. Nick Beglinger, Präsident der swisscleantech Association, widersprach in der abschliessenden Podiumsdiskussion diesem Glauben. Es müssten beispielsweise in der Schweiz die Klimagasemissionen nicht um 20 sondern um 40 Prozent verglichen mit 1990 gesenkt werden.

Obwohl Felix Näscher, Leiter der liechtensteinischen Verhandlungsdelegation an der Klimakonferenz in Kopenhagen, in seinem Referat einige "Hausaufgaben" für Liechtenstein ausmachte – beispielsweise sollten insbesondere in den Bereichen Energie und Verkehr langfristig Weichen gestellt werden mit der Option minus 80 Prozent Klimagasemissionen bis 2050 –, sprach er sich gegen einen "Alleingang" Liechtensteins aus. Eine 30-prozentige Emissionsreduktion alleine in einem kleinen Raum mache keinen Sinn.

Klima bleibt im Fokus

Doch Näscher erwartet, dass sich auch auf internationaler Ebene wieder mehr bewegt. "Kopenhagen hat die neue Weltordnung sichtbar gemacht", sagte er. Als Grundlage für erfolgreichere Verhandlungen brauche es Glaubwürdigkeit. Dazu seien rasch Mittel aus den Industrieländern nötig, die ihrer historischen Verantwortung gerecht werden müssten. Eine "Schnell-Start-Finanzierung" für Entwicklungsländer bilde den Schlüssel für Vertrauen und weitere Verhandlungen.

Mit einem neuen Abkommen werden aber auch nichtstaatliche Institutionen nicht aus ihrer Verantwortung gezogen, hielt Adolf E. Real, Stiftungsratsvizepräsident der Life Klimastiftung fest: "Es ist unsere Aufgabe, Aufklärungsarbeit zu leisten und nachzuweisen, dass auch nachhaltige Investments sehr gute Renditen bringen", erklärte er mit Blick auf die Banken.

 

Bild: Die Teilnehmer des Podiums (von rechts) Adolf Real, Nick Beglinger, Renat Heuberger, Klaus Tschütscher, Felix Näscher, Daniel Kerbach, Peter Cavada, Steffen Klatt (zvg).

 

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