Berlin - Mit der Gründung einer „nationalen Plattform Elektromobilität“ will die deutsche Regierung die Autoindustrie im Rennen um die neue Antriebsform an die Spitze bringen. Deutschland soll zum „Leitmarkt für Elektromobilität“ werden. Doch eine Kaufprämie für Stromautos wird es nicht geben.
Das Geburtsland des Automobils soll auch zum Leitmarkt für das Stromauto werden. Um ihre Entschlossenheit zu unterstreichen, verwies die deutsche Kanzlerin Angela Merkel beim Gipfel zur E-Mobilität am gestrigen Montag im Bundeskanzleramt in Berlin auf den Erfindergeist der Vorväter. Da Deutschland die besten und ersten Autos im 20. Jahrhundert gebaut habe, sei es wichtig, „dass wir im 21. Jahrhundert die Nation sind, die die intelligentesten und umweltfreundlichsten Autos bauen kann“, sagte die Kanzlerin beim Treffen mit den wichtigsten Autobosse der Bundesrepublik und des Chefs der Zulieferer. Fast 150 Fachleute sollen in den sieben Arbeitsgruppen der Nationalen Plattform Elektromobilität ausloten, was von der Entwicklung über die Infrastruktur bis hin zum Marketing dafür getan werden muss, dass bei heute 45 Millionen zugelassenen Fahrzeugen in Deutschland im Jahr 2020 eine Million Elektroautos über die Straßen der Bundesrepublik rollen - und zwar möglichst aus heimischer Produktion. Keine direkte Kaufprämie Die Spitzen der deutschen Autoindustrie waren mit der Forderung nach staatlicher Subventionierung des Kaufes von Elektrofahrzeugen zum Gipfel nach Berlin gekommen. So hatte der Branchenverband VDA eine staatliche Kaufprämie nach dem Vorbild anderer Staaten verlangt. „Schließlich entscheidet der Kunde, ob das Elektroauto gekauft wird. Da muss auch der Preis stimmen“, lautete die Begründung von VDA-Präsident Matthias Wissmann angesichts der immens teuren Wagen mit Stromantrieb. Verwandte Themen| { Vollgas bei Elektromobilität, 21.04.10 } | | { Stromträume auf chinesisch, 10.03.10 } | | { Daimler macht ernst mit E-Autos, 03.03.10 } | | { Das Kraftwerk kommt ins Auto, 26.02.10 } | | { Autohersteller sind elektrisiert, 05.02.10 } | | { Stromkonkurrenz für Zweitakter, 03.02.10 } | | { Ampeln für Stromautos auf Grün, 27.01.10 } | | { Die Steckdose lernt fahren, 21.01.10 } | | { Aufbruch zur Autorevolution, 08.11.09 } | | { Autobauer haben Nachholbedarf, 30.10.09 } | | { Autos unter Strom, 13.10.09 } | | { Die Aufholjagd beginnt, 07.09.09 } | | { Wasserstoff treibt Auto der Zukunft, 21.08.09 } | | { Berlin fährt auf E-Mobil ab, 20.08.09 } | | { Mit Strom aus der Krise , 12.08.09 } | | { Die Zukunft kommt allmählich, 20.05.09 } | | { Öko-Nutzen umstritten, 12.05.09 } | | { Nackte Autokaiser, 07.05.09 } |
Die Autobosse nahmen die klare Ablehnung dieser Forderung durch die deutsche Kanzlerin allerdings klaglos hin. Der Grund dafür dürfte in den Worten des deutschen Verkehrsministers Peter Ramsauer zu finden sein: „Ich kann doch keine Prämie für ein Auto ausloben, das noch gar nicht auf dem Markt ist. Aus deutscher Sicht würde das derzeit ohnehin eher ausländischen Herstellern nutzen.“Herausforderung für ZuliefererDie Vertreter der Zulieferindustrie zeigten sich förmlich erleichtert, dass das Kabinett in Berlin finanzielle Mittel vor allem die Forschung und Entwicklung fließen lassen will. Hersteller von Teilen für Verbrennungsmotoren oder Spezialisten für Auspuff- und Katalysatorentechnik stehen vor gewaltigen Herausforderungen für ihr gesamtes Geschäftsmodell, wenn künftig zunehmend „Stromer“ über Deutschlands Straßen surren. „Wir begrüßen, dass die Bundesregierung das Thema offensiv angeht und durch ein Förderprogramm die Forschung und Entwicklung in den Einzeldisziplinen der Elektromobilität vorantreibt“, sagte Hans-Joachim Esch, Generalbevollmächtigter Forschung und Technologie beim Motorkolbenshersteller Kolbenschmidt Pierburg der Düsseldorfer Wirtschaftszeitung Handelsblatt. Aber auch die deutschen Automobilhersteller selbst müssen sich sputen. Am Rande des Berliner Gipfels war zu erfahren, dass die deutschen Automobilunternehmen in den kommenden drei bis vier Jahren in die Entwicklung alternativer Antriebe investieren wollen. Branchenkenner bezweifeln allerdings, ob sie aus eigener Kraft die Konkurrenz aus China, Frankreich, Japan und den USA beim Elektroantrieb überholen können. Zusammenarbeit lautet demnach das Gebot der Stunde. Stromversorgung ausgeklammertUm den Eindruck nicht zu verderben, man ziehe an einem Strang, wurde ein wichtiges Thema in Berlin ausgeklammert. Alle sind sich einig, dass Elektromobilität dem Klimaschutz nur nützt, wenn dafür ein Strom Erneuerbarer Energien aus der Steckdose quillt. Heikler ist schon der Standpunkt, auch Atomkraft müsse dafür weiter zur Verfügung stehen. Die deutsche Regierung solle sparsame Autos fördern, nicht aber Elektromobilität, hatten Umweltverbände schon in der Woche vor dem Gipfel verlangt. Elektromobilität bringe dem Klimaschutz nichts. Die geplante Förderung von Stromautos laufe auf eine Subventionierung der Automobilindustrie hinaus. Bild: REGIERUNGonline/Gebhardt
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