Als Expo-02-Leiterin weiss Nelly Wenger, welche Schweizer Kombination die Welt zum Staunen bringt: Zuverlässigkeit und Kreativität. Und als Präsidentin der neuen Osec-Exportplattform für Architektur, Ingenieurwesen und Design will mit diesem Wissen dem Export auf die Sprünge helfen. Yvonne von Hunnius: Weshalb engagieren Sie sich an der Spitze der Architektur-/Ingenieurwesen-/Design-Plattform? Nelly Wenger: Ich selbst bin EPFL-Bauingenieurin und mitten im Feld des Designs, Ingenieur- und Architekturwesens verankert. Ausserdem bin ich davon überzeugt, dass der Schritt, die Exportplattform zu lancieren, sinnvoll und hilfreich ist. Das Potential in der Schweiz ist gross – diese Bereiche stellen allein im Dienstleistungsbereich 90.000 Arbeitsplätze. Und bei dieser Berechnung ist noch nicht das produzierende Gewerbe inkludiert. Yvonne von Hunnius: Welches Image gilt es zu pflegen? Nelly Wenger: Nicht zuletzt im Rahmen meiner Arbeit bei der Expo 02 habe ich feststellen können, dass die Schweiz hier ein sehr gutes Image hat, hinter dem ausgezeichnetes Knowhow steht. Bei der Expo waren beispielsweise ausländische Besucher überrascht und begeistert von den Schweizer Fähigkeit, Kreativität und Zuverlässigkeit zusammenzubringen. Es gibt Menschen, die hochstehende, kreative und wegweisende Ideen haben, welche hundertprozentig funktionieren. Während alle Welt bei der Schweiz immer als Erstes an Seriosität denkt, vergessen manche, wie viel Kreativität im Land steckt. Bei der Expo konnten wir das zeigen. Yvonne von Hunnius: Mit 19 Prozent ist die Exportquote der Branche noch extrem gering – woran liegt das? Nelly Wenger: Das hat verschiedene Gründe: Zum einen ist die Branche sehr zersplittert, denn viele der Unternehmen sind klein bis mittelgross und haben nicht genügend freie Ressourcen, um sich um den Export zu kümmern. Mit der Plattform wollen wir den Unternehmen branchenspezifische Exportinformationen zur Verfügung stellen und den Aussenauftritt schlagkräftiger machen. Zum anderen existieren noch viele rechtliche Hürden, bei denen wir unterstützen wollen. So mangelt es noch an der gegenseitigen Anerkennung von Abschlüssen oder es ist vielerorts notwendig, dass vor Ort ein kooperierendes Partnerbüro gefunden werden muss. Verwandte Themen| { Cleantech-Export für die Zukunft, 01.04.10 } | | { Cleantech-Unternehmen vernetzen, 24.11.09 } | | { Holz-Pionier baut hoch hinaus, 23.11.09 } | | { Die Pioniere wollen wachsen, 22.11.09 } | | { Nachhaltig erfolgreich am Golf, 17.11.09 } | | { Cleantech-Flieger hebt ab, 20.10.09 } | | { Nicht nur für Gutmenschen, 05.10.09 } | | { Die Schweiz hat einen Vorsprung, 28.08.09 } | | { Schweizer Leuchtturm am Golf, 04.08.09 } | | { Der Staat verschenkt grünes Geld, 19.06.09 } | | { Der Königsweg der Sanierung, 08.06.09 } |
Yvonne von Hunnius: Haben andere Branchen nicht mit denselben Hürden zu kämpfen? Nelly Wenger: Nicht unbedingt. Betrachten Sie das produzierende Gewerbe, in dem ein Produkt in der Schweiz hergestellt und dann exportiert wird. Bei Architektur-, Ingenieurwesen und Design hingegen geht es um Dienstleistungen, die sich auf zum Teil grosse Projekte vor Ort beziehen. Da muss auf sehr unterschiedliche nationale Regelungen geachtet werden. Das ist sehr viel komplexer als bei einem Produkt, das in einer Kiste verschickt werden kann. Hier wollen wir den Mitgliedern aktiv Unterstützung geben. Letztlich geht es gerade hier um kulturelle Unterschiede. Über den Geschmack bei einem Hausentwurf lässt sich eher darüber streiten, ob er in das regionale Ensemble passt, als über den Geschmack einer ausnahmsweise anders schmeckenden Schokolade. Yvonne von Hunnius: Und wie sehen die finanziellen Hürden aus? Nelly Wenger: Ebenso spezifisch. Hier muss angesprochen werden, dass es keine Exportgarantie gibt. Exportieren Sie eine Maschine und Sie werden nicht bezahlt, dann existiert eine rechtliche Grundlage für den Lieferanten. Nicht so in unserem Feld. Wir werden uns jede Hürde einzeln anschauen und versuchen, Lösungen anzubieten. Die lokale Expertise ist hierbei prioritär. Und da spielen die Experten der Osec in den unterschiedlichen Weltregionen eine wichtige Rolle. Denn wir müssen versuchen, die richtigen Partner und die besten Bedingungen zu finden. Nochmals: Dienstleistungen zu exportieren ist einfach komplizierter, als das bei anderen Produkten der Fall ist. Yvonne von Hunnius: Doch dass der spezielle Schweizer Faible für Design nicht im Ausland stärker erkannt wird, erstaunt dennoch… Nelly Wenger: Das Design-Image ist nicht unbekannt – doch wir müssen es besser verkaufen. Und das hängt auch sehr stark an Personen, die sich vor Ort bewegen. Wenn wir uns im Zuge der Informationssammlung und der gemeinsamen Präsentation nach aussen im Rahmen der Plattform jetzt zusammentun, dann kostet das die Einzelpersonen weniger Ressourcen. Yvonne von Hunnius: Welche Leuchtturmprojekte hat man abgesehen vom „Swiss Village“ in Abu Dhabis Ökostadt Masdar noch im Visier? Nelly Wenger: Masdar ist eher einer unserer vielen Kooperationspunkte mit der Cleantech-Exportplattform. Wir suchen ein eigenes Leuchtturmprojekt, denn bei Masdar denkt man bezüglich der Architektur fast ausschliesslich an den Architekten Norman Foster. Wir sind gerade im Begriff, die Optionen zu sichten. Yvonne von Hunnius: Welche Weltregionen sind besonders interessant? Nelly Wenger: Natürlich schauen wir zunächst auf die nahe gelegenen europäischen Länder. Dann aber auch auf die nordischen Staaten. Singapur ist in Asien, das generell interessant ist, ein wichtiger Ankerpunkt. China ist ebenso im Fokus. Und letztlich versuchen wir auch, den US-Markt weiter zu bearbeiten. Yvonne von Hunnius: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit gerade im Schweizer Feld des Architektur-, Ingenieurs- und Designwesen? Nelly Wenger: Eine grosse, versteht sich – ob bei einem komplexen Tunnelbau oder bei Produktdesign. Doch das ist in der Ebene, in der sich die Schweizer Akteure bewegen, selbstverständlich und grundlegend: Hier geht es fast ausschliesslich um den Premiummarkt. Und hier ist es heutzutage undenkbar, nachhaltige, grüne Aspekte nicht miteinzubeziehen. Das ist kein zusätzlicher Produktvorteil mehr, sondern ist selbstverständlicher Bestandteil. Das hat die Schweiz früh verstanden, denn gerade umweltfreundliche Architektur ist in der Schweiz ein gewichtiges Feld. Zur Person: Nelly Wenger hat an der ETH Luzern Bauingenieurswesen studiert und ist aus der Position der Direktorin des Raumplanungsamts des Kantons Waadt 1999 zur Leiterin der Expo.02 und somit „Madame Expo“ ernannt. Anschliessend war sie als Generaldirektorin bei Nestlé Schweiz und als VR-Präsidentin der „World Architecture Summit AG“ in Zürich tätig. Bild: Yvonne von Hunnius
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