Expo-Verkehr auf der Überholspur

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Geschrieben von: Lucas Kurz, Hongkong 03.05.10
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Schanghai, Maglev, TransrapidSchanghai - Die Weltausstellung in Schanghai erwartet bis Ende Oktober 70 Millionen Besucher. Den Verkehrsinfarkt wollen die Organisatoren durch eines der modernsten Nahverkehrsnetze der Welt verhindern. Das U-Bahn-Netz der 20-Millionen-Metropole kommt auf 420 Kilometer. Auch die Magnetschwebebahn vom Flughafen Pudong gehört dazu.

Das Verkehrsnetz von Schanghai ächzt unter der Last der 20 Millionen Stadteinwohner und gleicht schon jetzt einem panischen Bienenstock. Ab Mai kommen rund 70 Millionen Besucher der Weltausstellung hinzu. Manchen Bewohnern wie Wei Chen, die vor Ort bei einem deutschen Automobilzulieferer arbeitet, wird angesichts dessen mulmig: „Wir haben noch so viele Verkehrsbaustellen. Ich frage mich, ob das alles pünktlich fertig wird.” Auch die Taxifahrer haben grosse Bedenken – immerhin beobachten sie das Gewühl schon seit mehreren Jahren. Doch letztlich ist man überzeugt, dass Wunder wiederholbar sind: „Immerhin stehen wir im Wettbewerb mit Peking – die haben mit der Olympiade ja auch alles rechtzeitig fertig gekriegt” sagt Li Xing, der seit 15 Jahren im VW Santana durchs alltägliche Schanghaier Chaos steuert.

Ex-Bürgermeister hinter Gittern

Seit Schanghai die Ausschreibung des International Expositions Bureau (IEB) im Dezember 2002 gewonnen hat, hat sich im Stadtbild schon allerhand getan. Dies, obwohl der Initiator der grossen Infrastruktur-Pläne zur Expo-Vorbereitung mittlerweile zu 18 Jahren Haft verurteilt wurde: Bürgermeister und Parteichef Schanghais, Chen Liangyu, ist 2008 wegen Veruntreuung von Rentenfondsgeldern dingfest gemacht worden. 

Doch dessen ungeachtet lief das Projekt des massiven Ausbaus des Nahverkehrs an, wodurch das EXPO-Motto „Better City, Better Life” - Bessere Städte, besseres Leben - in die Realität umgesetzt werden sollte. Mittlerweile sind auf 420 Kilometern Schienen zwölf U-Bahnlinien in Betrieb, die dreizehnte – in China keine Unglückszahl – soll zum Start der EXPO noch in Betrieb genommen werden. Den Rekord von 5.6 Millionen Fahrgästen am Tag vom 2. April wird man wohl während der EXPO brechen. Mit 264 Stationen zählt Schanghai Metro zu den modernsten und am schnellsten wachsenden Nahverkehrssystemen der Welt. Das ist auch nötig, denn mit dem eigenen Auto sollen und können die Besucher nicht zur EXPO fahren, Parkplätze sind jedenfalls nicht geplant.

Mit 350 Stundenkilometern zur Expo

Das Technologie-Vorzeigeprojekt Shanghai Maglev, der Magnetschwebebahn, die in Europa als Transrapid bekannt ist, wird ebenso an den Nahverkehr angegliedert. Eine Direktverbindung zur EXPO wurde allerdings 2007 nach Anwohnerprotesten und dem Skandal um den Projektvordenker Chen Liangyu auf unbestimmt vertagt. Dennoch lässt es sich mit 431 Stundenkilometern vom Flughafen Pudong komfortabel zur Longyang Station sausen. Für die Flughäfen Pudong und Hongqiao baute man die Kapazität auf insgesamt hundert Millionen Passagiere pro Jahr aus und fügte beiden neue Terminals und Landebahnen hinzu. Auch die Bahn kam nicht zu kurz: Auf dem Hochgeschwindigkeitsnetz von derzeit 6500 Kilometern Länge dürften Schanghai auch einige Millionen EXPO-Besucher mit bis zu 350 Stundenkilometern entgegen schwebt.

Wettstreit mit Peking

Noch haben die Bauarbeiter in Ruhe vor dem Sturm arbeiten. Und die Maskottchen der Expo fallen im Stadtbild noch auf: Haibao, zu deutsch Schatz des Meeres, ist ein blaues freundliches Männchen, das ein bisschen an Colgate-Werbung der 80er Jahre erinnert. Es steht zur Einstimmung schon jetzt fast an jeder Strassenecke. Gelegentlich multipliziert sich Haibao auch und taucht als Tanzformation in Fernsehshows auf. Dem chinesischen Nachwuchs bringt das Maskottchen die EXPO in Cartoonform nahe, auch wenn sich der blaue Held und seine Freunde manchmal etwas veranstaltungsfern ausserirdischen Bösewichten entgegenstellen.

Jeder bekommt Expo-Ticket

Doch nicht die Angst vor Fremden, sondern eine neue Freude an der Offenheit bestimmt die Atmosphäre. Die Projektmanagerin Wei Chen sieht die Entwicklung positiv: „Vor zehn Jahren noch war es für die meisten Chinesen ein ferner Traum, ein anderes Land zu besuchen und mit Ausländern in Kontakt zu kommen. Heute empfängt Schanghai Millionen Besucher – das macht uns stolz.“ An Freiwilligen zur Unterstützung der EXPO mangelt es zumindest nicht, schon seit einem Jahr wird rekrutiert. 170.000 auch ausländische Helfer bewerben die Weltausstellung, weisen den richtigen Weg im Verkehrsdschungel, sorgen als Ordner für Sicherheit.

Den Bewohnern der Metropole sollen die Unannehmlichkeiten durch ein Nahverkehrs- und EXPO-Ticket versüsst werden. Wei Chen hält dies allerdings für gewieftes Marketing: „Wir Chinesen gehen selten allein auf so eine Veranstaltung – klar, dass die ganze Familie und die Grosseltern gemeinsam gehen werden.”

 

Bild: Die Magnetschwebebahn Maglev verbindet den Flughafen Pudong mit Schanghai. Damit steht der deutsche Transrapid erstmals im Praxistest (www.transrapid.de)

 

 

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