Wasser als Umweltsünder

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Geschrieben von: Jonas Pepper, Dubai 29.04.10
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Rund um den Persischen Golf sind so viele Wasserentsalzungsanlagen auf so engem Raum in Betrieb wie nirgendwo sonst auf der Welt. Die Produktion von Trink- aus Meerwasser verbraucht Unmengen Energie. Die Rückstände vergiften das Meer.

Eigentlich sollte Masdar ein Vorbild in Sachen Umweltverträglichkeit werden. Die Ökostadt bei Abu Dhabi will nicht nur kohlendioxidfrei werden, sondern auch den ökologischen Fußabdruck so weit als möglich verringern. Doch schon bei der Wasserversorgung hapert es. Eigentlich wollte Masdar auf das Grundwasser zurückgreifen. Nun wurde festgestellt, dass das Wasser unter der Stadt sogar salziger ist als das des Golfs. Daher lässt es sich nicht mit den vorgesehenen Methoden in Trinkwasser umwandeln. Masdar wird aber laut Ameena al Kulaib, Chefin der Wasserabteilung Masdars etwa 12 000 Kubikmeter Wasser pro Tag benötigen. Nun wird nach Alternativen gesucht. In jedem Fall wird es sehr energieintensiv werden. „Wasser verbraucht die meiste Energie.“

Giftig und zu warm

Masdar steht mit seinen Problemen nicht allein. Überall am Golf wächst die Sorge um die Folgen der Meerwasserentsalzung. Denn wegen des ständigen Bevölkerungszuwachs steigt auch die Anzahl der Entsalzungsanlagen. Heute gibt es 120 Anlagen am Golf – mehr Anlagen auf so kleiner Fläche als irgendwo sonst in der Welt. Sie entsalzen pro Tag über 12 Millionen Kubikmeter Meerwasser. Damit könnten 4800 olympische Schwimmbecken gefüllt werden. Die Lauge wird meist wieder zurück in den Golf gepumpt - ein Binnenmeer, das nur halb so groß ist wie die Ostsee und nur ein Drittel ihres Volumens hat. Mit der Lauge kommen täglich 24 Tonnen Chlor ins Meer, 65 Tonnen Entkalkungsmittel und 300 Kilogramm Kupfer. Laut Sabine Lattemann, Biologin an der Universität Oldenburg, lassen die Anlagen Sekunde über 1000 Kubikmeter chemische Abwässer in das Meer fließen.
Außerdem sind die Abwässer um durchschnittlich 10 Grad wärmer als das Wasser im Golf. Forscher vermuten, dass das vermehrte Aufkommen der roten Flut – also der Algenblüte – in den Gewässern um die Anlagen mit der Temperaturerhöhung zusammenhängt. Mohammad Dawood, Leiter der Wasserressourcen Management- und Entwicklungsagentur (EAD) von Abu Dhabi, befürchtet, dass „Organismen und Korallenriffe nahe der Küste betroffen sind und absterben“.

Saudi-Arabien forscht mit IBM

Saudi-Arabien als größter Meerwasserentsalzer der Welt geht nun voran. Um die Entsalzungsanlagen ökologischer und ökonomischer zu betreiben, begannen das saudi-arabische Forschungs- und Entwicklungszentrum King Abdulaziz City for Science and Technology (KACST) und IBM im Februar 2008 eine Forschungspartnerschaft. Ziel ist, eine Entsalzungsanlage in Al Khafji – einer Stadt in der neutralen Zone zwischen Kuwait und Saudi-Arabien 10 Kilometer südlich des Golfs – zu errichten, die eine Produktionskapazität von 30 000 Kubikmetern pro Tag für 100 000 Menschen haben soll. Diese Anlage wird mit ultrahoch konzentrierten Solarzellen ausgestatten werden. Zusätzliche Nanomembrane sollen sowohl Salz als auch potenzielle Schadstoffe aus dem Wasser filtern und dabei weniger Energie verbrauchen als andere Entsalzungsmethoden.

Das soll auch weniger kosten. Zurzeit kosten die gängigen Verfahren von 0,50 bis 1,30 Euro (0,72 bis 1,86 Franken) pro Kubikmeter Wasser. Aufgrund der erwarteten Effizienz der Nanomembranen wird eine enorme Kostensenkung angenommen. „Dies wird wahrlich helfen, einen grüneren Planeten zu schaffen“, meint Takreem El-Tohamy, Regionalmanager der IBM für den Mittleren Osten und Nordafrika. „Gerade in Saudi-Arabien ist sauberes Wasser eine Mangelware“. Die Vize-Präsidentin von IBM Big Green Innovations, Sharon Nunes, ist sich sicher, dass durch die Zusammenarbeit Technologien entstehen werden, „die in ganz Saudi-Arabien und der ganzen Welt eingesetzt werden können.“

Wasserverbrauch senken

Masdar wiederum setzt auf Erdwärme, um Trinkwasser herzustellen. Schon im September teilten Masdars Wissenschaftler mit, dass sie mittels der Hitze von 5000 Meter tiefen geothermalen Quellen das Salzwasser vorheizen könnten. Der Wasserdampf lagert sich dann als Kondensat ab und kann, einmal zurück an der Oberfläche, in einem mit Hilfe der Energie der Erdwärme angetriebenen Kühlsystem in salzfreies und sauberes Wasser destilliert werden. Laut Jay Witherspoon, Projektleiter des Beratungsunternehmens CH2M Hill, können diese heißen Quellen die Stadt auch mit zusätzlicher Energie zu versorgen. Allerdings hat man bis jetzt nur bis zu 2500 Metern in die Tiefe gebohrt und ist noch nicht auf eine Quelle gestoßen, die die benötigten 100 bis 120 Grad Celsius aufwies. Sechs solcher heißen Quellen würden reichen, um Masdars Bedarf zu decken.

Noch wichtiger als die saubere Produktion von Trinkwasser ist es, den Wasserverbrauch zu verringern. Heute haben die Vereinigten Arabischen Emirate mit 550 Liter pro Tag den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch der Welt. Durch Niedrigdruckwasserleitungen, Wiederaufbereitung von Abwässern und Aufklärungsprogramme soll er in Masdar auf 105 Liter gesenkt werden.

 

Bild: Entsalzungsanlage, die unter Beteiligung von ABB errichtet wurde (ABB).

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