Nordische Atomrenaissance

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Geschrieben von: Thomas Hug, Oslo 23.04.10
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Finnland setzt weiter auf Atomkraft, gleich zwei neue Kernkraftwerke will die finnische Regierung errichten lassen. Ein neuer Reaktor ist bereits im Bau. Begründet wird die Entscheidung mit dem Klimaschutz.

„Dieser Beschluss schützt das Klima ersetzt bedeutende Einsparungen". Dies sagte der finnische Regierungschef Matti Vahanen, als er am Mittwochabend den Beschluss bekannt gab, Finnland werde zwei neue Kernkraftwerke bauen.

Viel Strom für Energiefresser

Der Entscheid für zwei weitere Atomkraftwerke wurde jedoch nicht nur aus klimapolitischen Gründen getroffen. Finnland sei ein energieintensives Land, die Industrie brauche viel Energie und im Speziellen Elektrizität, sagte Industrieminister Mauri Pekkarinen auf der gleichen Pressekonferenz. Die in Finnland wichtige Holz- und Papierindustrie ist ein Beispiel für solche Energieschlucker.


Während Regierungschef Vahanen den Kernkraftwerkbeschluss präsentierte, demonstrierte in der Hauptstadt Helsinki gleichzeitig die Umweltorganisation Greenpeace dagegen. Finnland werde durch die neuen Kernkraftwerke weltweit zu einem der grössten Exporteure von Kernabfall, wirft die Umweltorganisation der Regierung vor. Zudem seien neue Atomkraftwerke Hindernisse auf dem Weg in eine Zukunft mit nachhaltiger Energieproduktion, sagte eine Sprecherin der Organisation.

Neues Atomkraftwerk schon im Bau

Der Beschluss der finnischen Regierung muss noch vom Parlament abgesegnet werden. Bei der gegenwärtigen Zusammensetzung dort wird jedoch eine problemlose Zustimmung erwartet. Auch wenn die Grünen, die in Matti Vahanens Regierung eingebunden sind, gegen neue Kernkraftwerke sind.
Finnland ist neben Frankreich das einzige Land in Europa, das nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl neue Kernkraftwerke zu bauen begonnen hat. Zu den vier bisherigen Reaktoren soll in Olkiluoto ein fünfter kommen. Der ist seit 2005 im Bau.
Der Bau dieses Reaktors wird von Kosten- und Zeitüberschreitungen geprägt. Das neue Kernkraftwerk von Olkiluoto hätte eigentlich schon 2009 ans Netz gehen sollen, wird nun aber wohl nicht vor 2012 in Betrieb genommen werden können.

Auch Schweden setzt auf Atomkraft

Die Aufträge für die beiden neuen Kernkraftwerke gehen an private Firmen Teollisuuden Voima und Fennovoima. Im Nachbarland Schweden betrachtet man die Baupläne von Fennovoima mit etwas Argwohn, weil die neuen Atommeiler entweder in Simo oder in Pyhäjoki gebaut werden sollen. Beide Standorte liegen nahe an der schwedischen Grenze.
Dabei ist Schweden mit 10 Reaktoren in drei Kernkraftwerken neben Finnland das einzige andere nordischen Land, mit einer eigenen Atomenergieproduktion. Und das, obwohl Schweden in einer Volksabstimmung 1980 eigentlich den Ausstieg aus der Kernkraft beschlossen hatte.
Mehr noch: Auch in Schweden sieht die Kernkraft einer Renaissance entgegen: Im März hat die schwedische Regierung dem Parlament einen Gesetzentwurf übergeben. Danach soll der Volksabstimmungsbeschluss von 1980 aufgehoben werden und es sollen dann bis zu 10 neue Kernreaktoren gebaut werden.

 

Bild: Reaktorgebäude des neuen europäischen Druckwasserreaktors EPR in Olkiluoto, Finnland in Bau. (Bild: TVO/Hannu Huovila/Kernenergie.ch)

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