Um Nachfrage für die französischen Autobauer zu schaffen haben an den Staat gebundene Firmen 50.000 Elektroautos bestellt. Auch an der Infrastruktur mit ausreichenden Ladestationen wird gearbeitet.
Frankreich will Elektro- und Hybridautos auf die Überholspur bringen und europäischer Vorreiter bei der Entwicklung von Elektromobilität werden. Bis 2020 sollen auf den französischen Strassen zwei Millionen emissionsfreie Gefährte unterwegs sein, im Jahr 2025 sogar vier Millionen. Dieses Ziel hat sich die französische Regierung mit einem „Langzeitplan" gesteckt.
Staat geht mit gutem Beispiel voran
Eine Gruppe aus etwa 20 staatlichen und privaten Firmen hat nun eine erste Grossbestellung von 50.000 Elektroautos aufgegeben. Indem der Staat künftig Einrichtungen wie die Post, den Energiekonzern EdF, Air France oder Städte und Gemeinden mit den umweltfreundlichen Wägen ausstattet, wird er selbst zum Grssßabnehmer. Das solle die notwendige Nachfrage für die französischen Autohersteller schaffen, um die Elektroauto-Produktion auf industrieller Basis aufzunehmen, sagte Umweltminister Jean-Louis Borloo. Renault und PSA Peugeot Citroën ihrerseits haben sich verpflichtet, in den kommenden beiden Jahren 60.000 Elektroautos auf den Markt zu bringen. Auf Automessen haben sie erste Modelle vorgestellt, weitere werden derzeit entwickelt. Verwandte Themen| { Stammtisch unter Strom, 12.04.10 } | | { Daimler macht ernst mit E-Autos, 03.03.10 } | | { Autohersteller sind elektrisiert, 05.02.10 } | | { E-Autos schaden, 03.02.10 } | | { Aufbruch zur Autorevolution, 08.11.09 } | | { Autos unter Strom, 13.10.09 } | | { Die Aufholjagd beginnt, 07.09.09 } | | { Autos sterben nicht, 13.08.09 } | | { Aufschwung bleibt im Stau stecken, 22.07.09 } | | { Autozulieferer werden nachhaltig, 12.05.09 } |
Zwölf Pilotregionen geplant
In zwölf Pilotregionen, darunter die Ballungsräume der Städte Paris, Bordeaux und Straßburg, werden ausserdem öffentliche Netze mit Ladestationen aufgebaut. Bis zum Jahr 2015 soll es knapp eine Million solcher Stationen im ganzen Land geben, bis 2020 sogar 4,4 Millionen. Die Gesamtkosten dieser Investitionen werden auf vier Milliarden Euro geschätzt. 90 Prozent der Stationen werden in Privatgebäuden und Unternehmen untergebracht und sollen länderübergreifend kompatibel sein. Eine entsprechende Infrastruktur und eine Recycling-Möglichkeit der Batterien sind laut Regierung Voraussetzungen für den Erfolg des Projektes. Ein Teil der „grossen Staatsanleihe" von 35 Milliarden Euro wird ausserdem in Finanzhilfen für die Industrie, Unterstützung von Forschung und Entwicklung in Infrastruktur, Batterien und Mobilitätskonzepte gesteckt. So beteiligt sich der Staat mit 125 Millionen Euro am Bau eines neuen Batteriewerks in Flins, das ab 2011 jährlich 50.000 Batterien herstellen soll.
Traum von der Vorreiterrolle
„Wir sind die Ersten und am besten Organisierten in der Europäischen Union, wir sind sogar die Lokomotive und ziehen alle anderen mit", rühmt Industrieminister Christian Estrosi die französischen Initiativen als entscheidenden Beitrag für das Ziel, die CO2-Emissionen des Landes bis 2050 im Vergleich zu 1990 um drei Viertel zu senken. Ähnlich ehrgeizig ist derzeit die spanische Regierung, die mit einem Anreizprogramm von 590 Millionen Euro den Verkauf umweltfreundlicher Elektroautos fördern will. Bis zum Jahr 2014 sollen 250.000 Elektroautos verkauft werden, kündigte Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero an.
Paris soll bleifrei werden
Im Kampf gegen den Klimawandel hat Frankreich vor zwei Jahren ein Bonus-Malus-System eingeführt. Beim Kauf eines Neuwagens mit geringem CO2-Verbrauch winkt ein „Öko-Bonus" ab 100 Euro. 5000 Euro gibt es für den Kauf eines Elektro- oder Hybridautos, das weniger als 60 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstösst. Bei Spritfressern mit über 160 Gramm CO2 pro Kilometer wird ein Malus von 200 bis 2600 Euro fällig. Laut französischem Automobilverband ist der CO2-Ausstoss durch Autos in keinem anderen europäischen Staat geringer.
Diesen Erfolg will das Auto-Leihsystem „Autolib'" stützen, an dem derzeit in der französischen Hauptstadt gefeilt wird: Ab kommendem Jahr sollen 3000 Elektroautos in Paris und Umgebung stationiert werden. Zwar ist noch umstritten, ob ausreichend Nachfrage für die umweltfreundlichen Leihautos besteht, doch Bürgermeister Bertrand Delanoë scheint entschlossen, auf diesem Weg aus Paris eine beispielhaft CO2-arme Metropole machen zu wollen - die sie noch längst nicht ist.
Bild: Das kleinste Modell unter den Renault Elektro-Studien ist der Twizy Z.E. Concept (www.renault.com).
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