Island ist das vulkanisch aktivste Land der Welt und zeigt diese „Stärke" dieser Tage deutlich: Der Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull nimmt an Intensität zu. Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit für einen Ausbruch des Nachbarvulkans Katla. Es kann noch schlimmer werden „Historisch gesehen sind Ausbrüche des Vulkans von Eyjafjallajökull fast immer von Ausbrüchen des Nachbarvulkan Katla gefolgt worden", sagt Rikke Pedersen dieser Zeitung. Die Geophysikerin ist Chefin des nordischen Zentrums für Vulkanologie auf Island. Mindestens drei Mal sei das so verlaufen, beim letzen grossen Ausbruch des Eyjafjallajökull von 1821 bis 1823 ebenfalls. Man wisse von diesem Ereignis wenig, doch viel deute darauf hin, dass damals Eyjafjallajökull-Ausbruch ähnlich wie verlief, wie jetzt: In „pulsartigen Wellen" mit Phasen von mehr und weniger Aktivität. 1823 folgte schliesslich dann Katla mit einem Ausbruch. Katla ist noch mächtiger Den letzten grossen Ausbruch hatte Katla 1918, was unter anderem zu einer Gas- und Aschenwolke von 14 Kilometer Höhe führte. „ Das Risiko bei einen Ausbruch des Katla ist viel grösser, denn dieser Vulkan hat eine viel grössere Magmakammer als Eyjafjallajökull und liegt zudem unter dem Gletscher Myrdalsjökull, der um einiges grösser ist als der Eyjafjallajökull-Gletscher", meint Vulkanexpertin Pedersen. Damit ist das Potential für eine lokale Katastrophe mit Überschwemmungen und einer geografisch weiträumigen Einfluss durch eine Gas- und Aschenwolke weitaus grösser als beim Eyjafjallajökull-Ausbruch.
Sowohl Eyjafjallajökull als auch Katla liegen unter Gletschern. Bei Ausbrüchen solcher Vulkane strömen riesige Wassermengen in die Magmaeruption, die festen Gesteinspartikel werden einer Gas- und Dampfwolke in die Höhe geschleudert. Guter Nährboden für Vulkane Was in ganz Europa nahezu den ganzen Flugverkehr stoppt, hat auf Island einen Hauch von Normalität. Denn Vulkane und vulkanisch Aktivität hat das Leben auf Island seit jeher geprägt. Ohne vulkanische Aktivität gäbe es Island gar nicht, die Insel ist alleine durch vulkanische Aktivität entstanden, sagt Pedersen. Hier träfen gleich zwei „vulkanförderliche" Phänomene zusammen. Zum einen gibt es Ansammlungen von heissem Gestein mit der richtigen Temperatur in Tiefen von 300 bis 600 Kilometern. Zum Anderen liegt Island auf dem mittelatlantischen Rücken, wo die beiden europäische und die amerikanischen Kontinentalplatten voneinander weg driften. Das schafft die nötigen Risse in der Erdkruste, das aufgestaute Magma kann so leicht ausbrechen und einen Vulkan formen.
Auf Island gibt es ganze 30 aktive Vulkansysteme, die mindestens 150 Mal seit der Besiedlung der 103 000 Quadratkilometer grossen Inseln im 9 Jahrhundert ausgebrochen sind.
Zuletzt entstand im Herbst 1963 durch einen unterseeischen Vulkanausbruch bei den Westmänner-Inseln innerhalb weniger Tage die neue Insel Surtsey. Nur zehn Jahre später öffnete sich der Krater bei der Hauptinsel Heimaey. Die Insel musste evakuiert werden und der halbe Ort wurde unter Lava und Asche begraben. Kälterer Sommer möglich Vulkanausbrüche können dramatischen Einfluss auf das Wetter weltweit haben. Das zeigte 1815 der Vulkan Tambora und 1883 der Krakatau, beide im heutigen Indonesien. Der Pinatubo auf den Philippinen deckte 1991 riesige Gebiete des südasiatischen Raumes mit weisser Asche zu. Laut dem norwegischen Geologen und Vulkanologen Hans Amundsen sind die gegenwärtigen Ausbrüche auf Island bisher weit von den Dimension solcher Ausbrüche entfernt. Sie dürften auch keine so dramatische Folgen auf das Wetter oder gar das Klima haben. Dauerten die Ausbrüche aber lange genug an und würde genügend Schwefeloxid und andere Partikel in den Atmosphäre gelangen, könne ein kälterer Sommer dennoch nicht ganz ausgeschlossen werden, sagte Amundsen in einem Interview mit dem norwegischen Sender NRK. Viel hängt dabei auch vom Katla ab. Doch es gibt Hoffnung: Ob und wann ein Vulkan ausbricht, können auch Experten nicht genau voraussagen. Sie können lediglich feststellen, ob die Vorrausetzungen für einen Ausbruch gegeben sind. Bekannte Vulkane Europas Agua de Pau, Azoren, Portugal, zuletzt 1564 Ätna, Sizilien, Italien, zuletzt 2008 Grimsvötn, Island, zuletzt 2004 Hekla, Island, zuletzt 2000 Katla, Island, grosse Eruption zuletzt 1918 Krafla, Island, zuletzt 1984 Vesuv, Italien, einziger aktiver Vulkan auf dem europäischen Festland, zuletzt 1944 Santorin, Griechenland, zuletzt 1928 Teide, Kanarische Inseln, Spanien, zuletzt 1909 Bild: Der Vulkan Eyjafjalla hat den europäischen Flugverkehr lahmgelegt (Screenshot: youtube).
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