Diejenigen Branchen, die in der Krise besonders viele Federn lassen mussten, bekommen bald wieder Flügel. Dessen sind Experten von der Credit Suisse und des Aussenhandelsförderers Osec überzeugt. Helfen sollen hier auch neue Exportplattformen der Osec. Eine davon ist die Cleantech-Plattform.
Woher soll der Aufschwung kommen, wenn nicht vom Export? Und genau der zieht wieder an. Der neu lancierte KMU-Exportbarometer des Schweizer Aussenwirtschaftsförderers Osec hat die guten Nachrichten schwarz auf weiss: Die Branchen, die am meisten Federn lassen mussten, setzen gerade wieder zum Abflug an. Osec-Chef Daniel Küng präsentierte am Mittwoch die Zahlen: „Gerade die gebeutelten Branchen Maschinenbau und Elektrotechnik erwarten nach Verlusten von bis zu 30 Prozent wieder steigende Exporte.“ Neue Exportplattformen sollen zudem dafür sorgen, dass den KMU wieder neue Flügel wachsen. In den Bereichen Cleantech, Medizintechnologie sowie Architektur, Engineering und Design stellt der Bund 25 Millionen Franken für diese unterstützenden Netzwerke zur Verfügung. Der Osec obliegt deren Organisation. Drei mal hohes WachstumspotentialGerade in diesen drei Bereichen sehen die Experten besondere Stärken der Schweizer Wirtschaft und aussergewöhnliches Exportpotential. Bei Architektur, Engeneering und Design und auch Medizintechnologie waren im letzten Jahrzehnt Wachstumsraten von zehn Prozent keine Seltenheit. Und im Cleantech-Bereich rechnen Analysten mit einer Verdopplung des Marktvolumens. Man setzt somit auf die Speerspitze der Schweizer Wirtschaft, die als Motor fungieren soll. Deshalb hat sich die Osec auch klingende Namen als jeweilige Präsidenten ins Boot geholt. Für die Exportplattform „Cleantech Switzerland“ ist der ehemalige CEO von OC Oerlikon, Uwe Krüger, verantwortlich. Für die Exportplattform „Architektur/Engineering/Design" wurde die Expo-Schweiz- und ehemalige Nestlé Schweiz-Leiterin Nelly Wenger gewonnen. Für die „Medtech Switzerland“ hat Erwin Locher das Amt des Präsidenten übernommen, der als Praktiker bei Unternehmen wie Synthes tätig war. Bei diesen Projekten sieht der Bund sich lediglich als Impulsgeber. Man will mit den neuen Initiativen den bereits bestehenden Verbandsstrukturen keineswegs Konkurrenz machen, sagt der stellvertretende Direktor des Seco, Eric Scheidegger. So werden die Exportplattformen als Vereine der Verbände organisiert. Am besten sichtbar wird das anhand „Cleantech Switzerland“. Präsident Uwe Krüger: „Wir wollen schnell Erfolge verbuchen und so pragmatisch wie möglich bereits bestehende Netzwerke nutzen. Da freut es mich, wie viel beispielsweise der junge Verband swisscleantech in der Schweiz bewegt und man arbeitet zusammen.“ Grosse Gedanken, konkrete UmsetzungDie konkrete Förderung ist einfach und transparent aufgebaut: In den Exportländern will man besonders mit den bereits existierenden Expertennetzwerken der Osec kooperieren. Vor Ort analysieren sie, was im speziellen Markt gefragt ist und wer die besten Partner sein könnten. Dann geht es um eine Zusammenführung von Angebot und Nachfrage. Denn, wie Osec-Leiter Küng betont, in der Schweiz würden Antworten auf viele Fragen, die sich Akteure im Ausland stellen, längst gelebt. Made in Switzerland steht somit für Funktionalität und Wagemut gleichzeitig. Darin zumindest sieht Nelly Wenger die Vorteile von hiesigen Anbietern: „Gerade bei Bauvorhaben zählt der grosse Gedanke ebenso wie die Durchführbarkeit und genau das beherrscht die Schweiz perfekt.“ Wirtschaftslaune verbessert sichDass die Schweizer KMU auf wirtschaftliche Impulse aus dem Ausland erfolgreich reagieren, zeigt der Exportbarometer der Credit Suisse und der neue Osec-KMU-Exportindikator. Laut dem Chefökonomen der Credit Suisse, Martin Neff, hellt sich die Nachfragesituation aus dem Ausland wieder langsam auf. Gerade der Maschinenbau und Bereich der Präzisionsinstrumente sind wieder gefragt. Und das spüren auch die Unternehmen. Um deren Stimmung präziser einzufangen, wird die Osec ab diesem Frühjahr alle drei Monate 200 Unternehmen zu ihrer Einschätzung des vergangenen und folgenden Quartals befragen. Im Moment erwarten 69 Prozent der Befragten einen Exportzuwachs. Verantwortlich hierfür machen sie zum einen die verbesserte Konjunktur, aber auch Produktinnovationen und verstärktes Marketing. Den stärksten Zuwachs erwarten hierbei KMU aus den Sektoren Elektrotechnik, Maschinenbau und Präzisionsindustrie. Alle drei Branchen finden sich in einer der Exportplattformen wieder und können so ihren Erwartungen nachhelfen. Bild: Osec-Chef Daniel Küng stellt die Exportplattformen vor. Neben ihm Uwe Krüger, Nelly Wenger und Erwin Locher (von links). (Yvonne von Hunnius)
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