Die norwegische Erdölgesellschaft Statoil will ihre ausgebeuteten Ölfelder zu Lagerstätten für komprimierte Treibhausgase machen. Die Nordsee könnte so zum Endlager für Kohlendioxid aus ganz Europa werden. Und Statoil könnte gut damit verdienen.
Wenn die staatliche norwegische Erdölgesellschaft Statoil den Meeresboden des norwegischen Kontinentalsockels unter die Lupe nimmt, geht es normalerweise darum, neue Erdöl- Erdgasvorkommen zu orten. Ganz anders aber die Untersuchungen, die Statoil in den vergangenen Jahren durchgeführt hat: Dieses Mal ging es nicht darum wertvolle Ressourcen, sondern mögliche Lager für die Entsorgung des schädlichen Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) zu finden.
Alte Ölfelder bieten sich an
Dazu hat Statoil Erdölfelder, die bald einmal aus der Produktion gehen werden, aber auch neue Gebiet untersucht. Es wurden dabei bestehendes geotechnisches Datenmaterial durchgegangen, und ebenfalls neue seismische Untersuchungen durchgeführt. Das untersuchte Gebiet umfasste im Grossen und Ganzen die Nordsee, damit also das „südliche“ Gebiet des norwegischen Kontinentalsockels.
Die Kunst ist es dabei, ein Reservoirgestein, wie beispielsweise porösen Sandstein für die Lagerung zu finden. Über diesem „CO2-Lagerungsraum“ muss sich gleichzeitig aber auch ein undurchdringbares Gestein zur „Versiegelung“ befinden. Das gelagerte CO2 darf nicht wieder an die Oberfläche dringen können.
Wirtschaftlich interessant ab 10 Millionen Tonnen
Statoil wurde bei der Suche fündig. Wie viele solche Kombinationen und damit geeignete CO2-Lager Statoil gefunden hat, will die Gesellschaft aber nicht veröffentlichen. Damit die CO2-Lagerung geschäftlich interessant wird, müsse man eine Menge zwischen 10 und 20 Millionen Tonnen jährlich lagern können, sagt Kai Bjarne Lima, CO2-Direkteur bei Statoil, zur Zeitung „Aftenposten“. Er fügt hinzu, trotz dem grossen Interesse in Europa für die CO2-Lagerung seien lohnende Lagerungs- und Transportlösungen wohl nicht vor 2018/2020 möglich. Bis dahin und zur möglichen Eröffnung der ersten Lager müssten öffentliche Subventionen den Weg für die Klimagaslagerung im Meeresboden ebnen.
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Robin Kaass, Staatssekretär im norwegischen Erdöl- und Energiedepartement, schliesst das nicht aus. Die Regierung brauche bereits grosse Summen für den Fang und die Lagerung von CO2 und sei willig, diese Investierungen weiterzuführen.
Kunden für ein mögliches norwegisches CO2-Lager in der Nordsee könnten Kraftwerke und Industrieanlagen aus ganz Europa sein. CO2 kann in flüssiger Form in Pipelines und in Schiffen zu den CO2-Speichern in der Nordsee transportiert werden.
Statoil kein CO2-Neuling
Norwegens Erdölgesellschaft Statoil trägt selber durch die Produktion auf ihren Erdöl- und Erdgasplattformen und durch die verkauften Produkte zum CO2-Ausstoss bei.
Statoil ist aber eine der wenigen Erdölgesellschaften, die auch bereits über Erfahrung mit der Lagerung von CO2 im Meeresboden verfügt. Seit 1996 pumpt die Gesellschaft von der Plattform des Erdöl- und Erdgasfelds Sleipner zurück in den Meeresboden. Bisher wurden rund 10 Millionen Tonnen CO2 im so genannten Utsira-Gestein im Meeresboden in rund 800 Metern Tiefe deponiert.
Auch bei der Statoil Flüssiggasfabrik (LNG) auf Melkoya bei Hammerfest in Nordnorwegen geht das CO2 vom Verflüssigungsprozess durch eine separate Pipeline wieder zurück in den Meeresboden.
Deponie teurer, Auffangen noch teurer
Einen Eindruck davon, wie selbst die umweltgerechte Lagerung von CO2 nicht ohne Klimagasentwicklung geht, erhält man auf Statoils „Sleipner“-Plattform. Zwei riesige Turbinen, wie sie auch in einem Jumbojet angewendet werden, produzieren dort nötige Energie, um das ungewünschte CO2 wieder unter den Meeresboden zu pressen. Energie- und kostenintensiv ist es ebenfalls, CO2 vom Rauchgas von Fabriken und Kraftwerken zu separieren. Dieser Teil des CSS-Prozesses (für Carbon Capture and Storage, Kohlendioxid-Abscheidung und -Lagerung) verursacht zwischen 60 und 80 Prozent der Kosten.
Das Erdölland Norwegen ist auch in diesem Bereich in der Forschung aktiv. In Trondheim hat die Technische Universität kürzlich mit Forschungsmitteln der Europäischen Union ein Grosslabor für die Erforschung des CO2-Auffangens in Betrieb genommen. Damit etabliert sich Trondheim als europäisches Forschungszentrum in diesem Bereich.
Eine CO2-Abscheidung ist auf der Industrieanlage vom Mongstad geplant. Hier soll ein Gaskraftwerk mit einer CO2-Separierungsanlage gebaut werden. Dieses mehrfach hinausgeschobene Industrie- und Forschungsprojekt hat der norwegische Regierungschef Jens Stoltenberg gar als „Norwegens Mondlandung“ bezeichnet.
Bild: Die norwegische Erdölgesellschaft Statoil will ihre ausgebeuteten Ölfelder zu Lagerstätten für komprimierte Treibhausgase machen. Hier die Bohrinsel Sleipner von Statoil in der Nordsee (Kjetil Alsvik / Statoil).
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