Gletscherschwund trotz Schnee

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Geschrieben von: Redaktion 07.04.10
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Bern - Im Winter 2008/2009 hat es in der Schweiz teilweise intensiv geschneit. Der überdurchschnittlich warme Sommer 2009 hat die Schneemassen gleich wieder weggeschmolzen und auch die Eisvolumen reduziert. Damit hält der Trend zum Volumenverlust der Schweizer Gletscher weiter an. Im Permafrostbereich setzt sich die Erwärmung fort. Das berichtet die Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (Scnat).

Der Winter 2008/2009 sei früh gestartet, heisst es in der Scnat-Medienmitteilung. Bereits Ende Oktober 2008 sei es an einzelnen Stationen zu Rekordwerten gekommen. Die zeitigen Schneefälle und unterdurchschnittliche Lufttemperaturen bis Ende März hätten dazu beigetragen, dass unterhalb von 2000 Metern Seehöhe die Schneedecke lange liegen geblieben sei und für diesen Bereich hinsichtlich Dauer und Höhe der Schneedecke vom schneereichsten Winter seit 20 Jahren gesprochen werden könne. Oberhalb von 2000 Metern habe die Schneehöhe im April auf der Alpennordseite höchstens den durchschnittlichen Werten entsprochen, während auf der Alpensüdseite häufige Südstaulagen und grosse Frühlingsschneefälle zu stark überdurchschnittlichen Schneehöhen beigetragen hätten.

Dies habe dazu geführt, dass die im südalpinen Bereich liegenden Wallis-Gletscher Findelen und Gries im vergangenen Jahr relativ wenig Masse verloren haben, schreibt Scnat. Der Ghiacciaio del Basòdino im Tessin habe sogar leicht an Masse zugelegt.

Stark überdurchschnittliche Temperaturen haben gemäss der Auswertung von Scnat bereits im vergangenen im April für eine intensive Schneeschmelze gesorgt. Der Sommer sei der fünftwärmste seit Beginn der Messungen von MeteoSchweiz vor 145 Jahren gewesen. Auf Grund des überdurchschnittlich warmen Sommers seien die grossen Schneemassen vor allem auf der Alpennordseite bis August wieder weggeschmolzen. Zudem seien frühe Winterniederschläge am Ende der Schmelzperiode ausgeblieben. Daher seien bei den beobachteten Gletschern auf der Alpennordseite wie etwa Silvretta-Gletscher in Graubünden oder Pizolgletscher im Kanton St. Gallen deutliche Massenverluste zu verzeichnen. Von den 92 ausgewerteten Messungen an den Gletscherzungen befänden sich 84 im Rückzug, zwei seien geringfügig vorgestossen und sechs seien unverändert geblieben. Ausserordentlich grosse Rückzüge habe es am Riedgletscher im Wallis (Rückzug um 500 Meter) und Rossbodengletscher ebenfalls im Wallis (Rückzug rund 1500 Meter) gegeben.

"Auch die Temperaturverhältnisse im Permafrost werden im Vergleich zu den vorhergehenden Jahren für das hydrologische Jahr 2008/2009 als sehr warm eingestuft", schreibt die Scnat weiter. Die dicke Schneedecke im Winter habe den Untergrund vor kalten Wintertemperaturen isoliert und der überdurchschnittlich warme und lange Sommer hat zusätzlich zu einer Erwärmung im Untergrund geführt. Die Temperaturmessungen in den oberen Metern der beobachteten Bohrlöcher, geoelektrische Widerstandsmessungen in der Nähe dieser Bohrlöcher und die erfassten Kriechbewegungen gefrorener Schuttkörper (Blockgletscher) zeigten ähnliche Befunde: eine leichte Zunahme der Permafrosttemperaturen, eine Zunahme des Wassergehaltes im Untergrund, stellenweise deutlich grössere Auftautiefen sowie überdurchschnittliche Geschwindigkeiten der Blockgletscher im Vergleich der letzten fünf Jahre.

Die Kryosphären-Beobachtung in der Schweiz umfasst die drei Bereiche Gletscher, Schnee und Permafrost. Die Schneemessungen werden vom Bundesamt für Meteorologie und Kimatologie MeteoSchweiz und vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) durchgeführt und beinhalten rund 150 Messstationen. (ug)

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