Energiesparen bringt Fortschritt

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Geschrieben von: Yvonne von Hunnius 07.04.10
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Bei Gebäuden kann mitunter am effizientesten Energie gespart werden. Laut BFE-Direktor Walter Steinmann geben Massnahmen in diesem Bereich auch starke Impulse für die gesamte Schweizer Wirtschaft. Schweizer Pioniergeist bei Cleantech stünde schon an der Weltspitze. 

Yvonne von Hunnius: Wie kann man am effizientesten in grossem Massstab Energie sparen?

Walter Steinmann: Für uns stehen die Bereiche Gebäude und Individualverkehr im Zentrum. Beispielsweise sollte es bereits in den nächsten zehn Jahren gelingen, dass neue Gebäude standardmässig mehr Energie produzieren als konsumieren. Solche Plusenergiehäuser sind die Zukunft. 

Yvonne von Hunnius: Das bezieht sich auf Neubauten – doch wie kann der Gebäudebestand umgestaltet werden?

Walter Steinmann: Heute wird pro Jahr nur ein Prozent des Gebäudebestands renoviert. Diese Rate wollen wir zumindest verdoppeln. Energetische Sanierungen lohnen sich künftig nicht nur wegen den ständig steigenden Öl- und Gaspreisen, sondern auch weil Hausbesitzer in den nächsten zehn Jahren dank dem „Gebäudeprogramm“ auf staatliche Unterstützung zählen können. Das Programm wird von den Kantonen gemanaged; sie nehmen die Gesuche entgegen und entscheiden über die Vergabe der Unterstützungsbeiträge. Diese erfolgt übrigens in der ganzen Schweiz nach den gleichen Kriterien. Der finanzielle Zustupf beträgt je nach Projekt zwischen 10 und 20 Prozent der Investitionskosten. Zusätzlich stellen einige Kantone auch Fördergelder für Heizungen und Kühlungen auf Basis von erneuerbaren Energien zur Verfügung. Alle nötigen Informationen gibt’s auf www.dasgebaeudeprogramm.ch.

Yvonne von Hunnius: Das Schweizer Minergielabel spielt hierbei eine grosse Rolle – sollte es verpflichtend werden?

 Walter Steinmann: Ein Energieverbrauch pro Quadratmeter entsprechend dem Niveau des bisherigen Minergie-Standards, ist heute in den meisten kantonalen Energiegesetzen mehr oder weniger Pflicht. Neue Gebäude müssen demnach bereits sehr energieeffizient gebaut werden auch ohne Minergie-Label. Inzwischen erhöht aber Minergie seine Messlatte und setzt für sein Label künftig noch deutlich kleinere Energieverbräuche voraus. So garantiert das Label Mietern, Bankern, Investoren, dass ein Gebäude nach dem allerneuesten Stand der Technik gebaut worden ist. Und der Markt gibt dieser Strategie recht: Minergie-zertifizierte Objekte haben einen höhere Akzeptanz bei Banken und auf dem Immobilienmarkt.

Yvonne von Hunnius: Welche wirtschaftlichen Impulse könnte dieser Prozess insgesamt geben?

Walter Steinmann: Momentan findet ein Umbau zu einer nachhaltigen Wirtschaft statt und das gibt neue Arbeitsplätze in bestimmten Sektoren. Das hat auch einen Ruck an den Technischen Hochschulen und in der Forschung zur Folge. Vor zehn Jahren gab es in einzelnen Energie-Fachrichtungen 15 Studenten, heute über 90 – da ist ein Wandel im Gang.

Yvonne von Hunnius: Und was bedeutet der Wandel konkret für die Wirtschaft?

Walter Steinmann: Das Bundesamt für Energie hat bei McKinsey & Company eine Studie in Auftrag gegeben, die das untersucht hat. Bis zum Jahr 2020 werden durch energiepolitische Massnahmen zugunsten der Energieeffizienz und der erneuerbaren Energien in der Schweiz netto mehr als 11.000 Arbeitsplätze entstehen. Zudem stellt die Studie heraus, dass wir die Chance haben, in gewissen Technologien zu Marktführern zu werden. Ich bin überzeugt, dass wir hier dank dem Schweizer Pioniergeist mit neuen Produkten und Dienstleistungen rechnen können.

Yvonne von Hunnius: In welchen Bereichen sehen Sie eine direkte Chance auf Marktführerschaft?

Walter Steinmann: Bei der Photovoltaik sind wir mit an der Weltspitze. Es gibt interessante Zulieferer für die Windkraftbranche und sehr gut aufgestellt ist die Schweizer Wirtschaft bei den Wärmepumpen. In verschiedenen Bereichen der Biomasse haben wir entscheidende Erfahrungen gesammelt, die auch in anderen Ländern von grossem Nutzen sein können. Ich denke da zum Beispiel an die Holzvergasung, wofür es Interessenten auch aus China gibt.

Yvonne von Hunnius: Was tut der Bund abgesehen vom Gebäudeprogramm, um diesen Prozess zu fördern?

Walter Steinmann: Wir versuchen, mit allen anderen involvierten Ämtern eine massgeschneiderte Unterstützung zu bieten. Wir haben die Möglichkeit, Forschung und Technologietransfer zu unterstützen sowie Hilfe zu leisten, wenn es darum geht, Cleantech „made in Switzerland“ international zu vermarkten. Wir bündeln unsere Kräfte, wir vermeiden Doppelspurigkeit und wollen gemeinsam auftreten, um der Schweiz in diesem Zukunftsbereich ein Profil zu geben.

Yvonne von Hunnius: In bezug auf Alternative Energien ist die Schweiz immer noch auf niedrigem Niveau – ist das nicht ein entscheidender Nachteil?

Walter Steinmann: Im Vergleich zu anderen Ländern hatten wir in diesem Bereich lange Jahre wenig staatliche Förderung. Heute sind wir jedoch mit der kostendeckenden Einspeisevergütung und der Teilzweckbindung der CO2-Abgabe, die neben dem Gebäudeprogramm auch die kantonalen Förderprogramme für erneuerbare Energien alimentiert, auf einem guten Weg. Was wir jetzt noch brauchen, sind mehr Mittel im Bereich der Forschung und des Technologietransfers. Dazu braucht es eine Bündelung des Wissens und der Ressourcen in nationalen Kompetenzzentren und Forschungsprogrammen.

Yvonne von Hunnius: Sie hatten andernorts betont, Schweizer Konsumenten seien sehr sensibel in bezug auf nachhaltige Produkte, auch wenn sie teurer sind – doch wie stark kann man darauf setzen?

Walter Steinmann: Schweizerinnen und Schweizer sind naturverbunden und grundsätzlich ein wenig grün – das sieht man daran, dass entsprechende „grüne“ Produkte von Grossverteilern und Detailhandel jeweils sehr gut angenommen werden. Zudem wissen die Schweizerinnen und Schweizer, dass nur mit einer intakten Natur auch der Tourismus floriert und dadurch Mehrwert für alle generiert werden kann.

Yvonne von Hunnius: Wieviel Energie könnte insgesamt in der Schweiz eingespart werden?

Walter Steinmann: Wenn wir den momentanen Weg konsequent weitergehen, können wir bis 2035 mindestens ein Drittel unseres heutigen Energieverbrauchs einsparen. Wir haben die Chance dazu, wir müssen sie nur ergreifen.


Zur Person:
Walter Steinmann ist Direktor des Bundesamtes für Energie (BFE).

Bild: BFE

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