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Sponsoren der Klimaleugner

Geschrieben von: Anita Merkt, Greenpeace Zürich 01.04.10
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In einem neuen Report dokumentiert Greenpeace, wie in den vergangenen Jahren ein amerikanisches Öl- und Chemieunternehmen - die Firma Koch Industries - eine Verleumdungsmaschinerie finanziert hat, um Klimawissenschaftler zu diskreditieren.   

Die Firma Koch Industries ist kaum bekannt. Dabei ist sie eines der grössten Privatunternehmen in den USA  mit Tochtergesellschaften in über 60 Ländern – auch in der Schweiz. Die Firma stellt keine Konsumgüter her, die den Namen Koch tragen, verkauft keine Aktien an der Börse und hat als Privatunternehmen viel weniger Offenlegungspflichten als ein öffentlich gehandeltes Unternehmen.

In den USA ist Koch Industries weit abseits der öffentlichen Aufmerksamkeit zur finanziellen Drehscheibe der Klimawissenschafts-Leugner und der Opposition gegen saubere Energie geworden. Privat und unsichtbar unterstützen Koch Industries heute zusammen mit ExxonMobil, dem American Petroleum Institute und anderen Spenden-Organisationen und Akteuren den Kampf gegen eine fortschrittliche Energie- und Klimapolitik in den USA. Koch hat in den letzten Jahren sogar mehr Geld in diese Auseinandersetzung gesteckt als ExxonMobil: Waren es zwischen 2005 und 2008 bei ExxonMobil $9,1 Mio, so steckten die von Koch Industries kontrollierten Stiftungen den Organisationen der Klimawandel-Leugner $24,9 Mio zu.

Das Koch’sche Netz von Lobbyisten, ehemaligen Managern und Organisationen hat ein Desinformationssystem etabliert, das von den durch Koch finanzierten Gruppen gespiesen und versorgt wird. Die Propaganda wird immer wieder kopiert, neu verpackt und als vielfaches Echo durch das von Koch finanzierte Netz von politischen Organisationen und Denkfabriken geschleust. Der vorliegende Bericht dokumentiert, dass von Koch-Stiftungen finanzierte Organisationen in den USA bereits mehrmals konzertierte Propaganda-Angriffe auf die Klimawissenschaft und deren Vertreter, auf grüne Jobs, erneuerbare Energien und Fortschritte in der Klimapolitik gestartet haben.

Recherchen über Koch

Der  Bericht konzentriert sich auf die Aktivitäten von Koch Industries und deren Tochtergesellschaften, sowie auf die von Familie und Firma kontrollierten Stiftungen. Diese finanzieren Organisationen, die ungenaue oder irreführende Informationen über Klimawissenschaft und saubere Energiestrategien verbreiten. Weiter enthält der Bericht Nachforschungen zum Unternehmen und den Brüdern Koch. Diesen gehört das Unternehmen und sie kontrollieren die politischen Spenden. Die Koch-Brüder figurieren beide auf der Liste der zehn reichsten Personen in den USA. Ebenfalls im Bericht zu finden sind neu recherchierte Finanzierungsverbindungen zwischen den Koch’schen Stiftungen und einer Vielzahl von konservativen Organisationen und Think Tanks, sowie eine Dokumentation zu den Aktivitäten der von Koch finanzierten Gruppen und zum Koch’schen Vermächtnis von Klimawandel-Leugnung und Obstruktion gegen die US-Umweltpolitik.

Der Bericht enthält zudem folgende Fallstudien:

•    Echokammer KlimaGate – mindestens 20 von Koch finanzierte Organisationen haben die als ‘KlimaGate’ bekannt gewordene Geschichte vom angeblichen Fehlverhalten von Klimaforschern verschiedentlich neu in Umlauf gebracht, wiederholt darauf verwiesen und sind gar selbst in der Geschichte als Sprecher aufgetreten. Die Information zur Geschichte entstammt einem Bündel von e-mails, die im November 2009 von der Universität von East Anglia gestohlen wurden. Für die besagten Organisationen sind die e-mails der Beweis für eine Verschwörung von Wissenschaftern und sie ziehen den wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel ernsthaft in Zweifel.

•    Junk Science für  Eisbären – 2007 erschien  im Journal of Ecological Complexity ein ‘Junk Science’ Artikel über Eisbären und Klimafolgen in der Arktis. Darin wurde behauptet, dass Eisbären durch den Klimawandel nicht gefährdet seien. Der Autor des Artikels bestätigte, dass er Forschungsbeiträge von ExxonMobil, dem American Petroleum Institute und der Charles G. Koch Foundation erhalten habe. Der Artikel wurde in der Zeitschrift als Meinungsartikel und nicht als neuer wissenschaftlicher Forschungsbericht veröffentlicht. Er war nicht von Kollegen begutachtet worden und wurde von führenden Eisbär- und Arktisforschern kritisiert, die dem Autor vorwarfen, er bringe “keine neuen Forschungsergebnisse” und ziehe unzulässige Schlüsse. Trotzdem veröffentlichten mehrere von Koch und ExxonMobil finanzierte Gruppen die Schlussfolgerungen des Artikels  auf ihren Internetseiten und in anderen Medien. Weitere von Koch finanzierte Organisationen und Industriegruppen drohten damit, die US-Regierung zu verklagen, weil sie die Eisbären in die Liste der gefährdeten Tiere aufgenommen hatte.

Abseits vom Scheinwerferlicht

Während Jahren war es ExxonMobil, die sowohl in der Öffentlichkeit wie auch hinter den Kulissen die Stimme der Klimawandel-Leugner in der US-amerikanischen Debatte zum Klimawandel dominierte. Doch nach einem Jahrzehnt rufschädigender öffentlicher Enthüllungen und unter dem Druck von wissenschaftlichen Organisationen, Aktionären und Senatoren verfolgt ExxonMobil heute unter einem neuen CEO eine neue PR-Strategie und hat ihre öffentlichen Stellungnahmen zum Klimawandel gemässigt. Auf der Website von ExxonMobil heisst es:   “Wir haben unsere Beiträge an verschiedene Public Policy Forschungsgruppen eingestellt, deren Position zum Klimawandel von der wichtigen Diskussion ablenkte, wie die Welt die für das Wirtschaftswachstum erforderliche Energie auf ökologisch verantwortliche Art sichern wird.”

Trotz dieser öffentlichen Stellungnahme und einer Kürzung der finanziellen Unterstützung an verschiedene prominente Klimaleugner-Organisationen unterstützt ExxonMobil weiterhin Dutzende von Organisationen der Klimaleugner-Bewegung mit Millionen von Dollars an jährlichen Spenden.

Punkto finanzieller Unterstützung von Klimaleugner-Organisationen haben Koch Industries ExxonMobil mittlerweile weit hinter sich gelassen ohne dabei öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Als ExxonMobils stiller Partner bei der Finanzierung der Klimaleugner-Maschinerie wenden Koch Industries manchmal ähnliche und manchmal aggressivere Methoden an.

Grosse Unbekannte mit Einfluss über weit verzweigtes Netz

Koch Industries, mit Hauptsitz in Kansas, ist ein von Erdöl und chemischen Beteiligungen dominierter Konzern mit einem Jahresumsatz von rund $100 Milliarden, mit Betrieben in fast 60 Ländern und 70’000 Angestellten. Die meisten von Kochs Aktivitäten, mit Ausnahme einiger Markenartikel wie DemakUP® Baumwoll-Pads und Lotus® Toilettenpapier, hergestellt von der Koch Tochter Georgia-Pacific Corporation, sind für die Öffentlichkeit nicht sichtbar. Koch galt in den letzten Jahren jeweils als grösstes oder zweitgrösstes Privatunternehmen in den USA und belegt im Moment den zweiten Platz hinter Cargill. Zwei Brüder, Charles und David Koch, besitzen je 42 Prozent des Unternehmens.

Ein grosser Teil des Einflusses von Koch Industries verläuft über drei Stiftungen in den USA, die ebenfalls von den beiden Brüdern kontrolliert werden. Der vorliegende Bericht dokumentiert rund 40 Klimaleugner-Gruppen und oppositionelle Organisationen, die in den letzten Jahren von Koch-Stiftungen Zuschüsse erhalten haben. Ein Ausschnitt aus der Empfängerliste:


•    Über $5 Mio an Americans for Prosperity Foundation (AFP) für deren landesweite “Hot Air Tour”,  einer Kampagne zur Verbeitung von Desinformation über die Klimawissenschaft und zur Bekämpfung von sauberer Energie und Klimagesetzgebung.

•    Über $1 Mio an die Heritage Foundation, seit jeher eine treibende Kraft bei der Desinformation im Klima- und Umweltbereich.

•    Über $1 Mio an das Cato Institute, welches die wissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels bestreitet, die Begründung für den Handlungsbedarf im Klimabereich hinterfragt und sich sehr aktiv an der Verbreitung der ‘KlimaGate’ Geschichte beteiligte.  

•    $800,000 an das Manhattan Institute, das Bjorn Lomborg in den letzten zwei Jahren gleich zweimal bei sich begrüsst hat. Lomborg ist ein prominenter Wortführer der Klimawandel-Leugner, der mit Vorliebe die politischen Massnahmen gegen den Klimawandel in Frage stellt und bekämpft.

•    $365,000 an die Foundation for Research on Economics and the Environment (FREE), die sich gegen das Ergreifen von Massnahmen gegen den Klimawandel ausspricht, weil der Klimawandel unvermeidbar und teuer zu bekämpfen sei.

•    $360,000 an das Pacific Research Institute for Public Policy (PRIPP), das An Inconvenient Truth…or Convenient Fiction  finanzierte und unterstützte. Dieser Film ficht die Wissenschaft zur Erklärung des Klimawandels an und versteht sich als Gegenargument zum Dokumentarfilm des ehemaligen Vizepräsidenten Al Gore. PRIPP drohte, auch die US-Regierung vor Gericht zu ziehen, weil sie die Eisbären auf die Liste der gefährdeten Arten gesetzt hatte.

•    $325,000 an die Tax Foundation, welche eine irreführende Studie zu den Kosten der vorgesehenen US-Klimagesetzgebung herausgab.


Ein vollständige Sicht auf die Koch-Spenden ist nicht möglich, da weder einzelne Mitglieder der Familie Koch noch die Führungskräfte des Konzerns oder die Firma selbst je alle direkten Zuschüsse an Organisationen umfassend offengelegt haben.

Öffentlich einsehbar sind hingegen die Zuschüsse durch das politische Aktionskomittee (PAC) von Koch: Seit Beginn des amerikanischen Wahlzyklus von 2006 hat das PAC von Koch in den USA mehr Geld an Kandidaten auf Bundesebene  gespendet als irgendein anderes PAC der Öl-und Gas-Industrie. In diesem Zeitraum spendeten Koch Industries und deren Manager $2,51 Mio. Im Vergleich dazu die Beträge der nächst grösseren Spender: Exxon ($1,71 Mio), Valero ($1,68 Mio), und Chevron ($1,22 Mio).

Koch Führungskräfte und deren Familien üben in den USA auch auf anderen Wegen politischen Einfluss aus, so u.a. durch indirekte Lobbyarbeit auf Bundesebene und durch Wahlkampfbeiträge. Spenden von Koch Industries, Koch Angestellten und Koch Familienmitgliedern:


•    Von 2006 bis 2009 $37,9 Mio für Direktlobbying zu Öl- und Energiefragen (übertroffen nur von ExxonMobil mit $87,8 Mio. und Chevron mit $50 Mio.)

•    seit dem Wahlzyklus von 2006 $5,74 Mio an PAC-Geldern für Kandidaten, Komittees und Kampagnen

•    seit dem amerikanischen Wahlzyklus von 2006 mindestens $270’800 an Komittees von politischen Parteien auf Bundesebene

Indem sie via Stiftungen die Hauptakteure der Klimaskeptiker-Szene in den USA alimentieren und mit grossen Lobby-Budgets, PAC-Spenden und direkten Kampagnenbeiträgen Einfluss nehmen, gehören Koch Industries und die Brüder Koch zu den grössten Verhinderern einer fortschrittlichen Klima- und Energiepolitik in den USA.

 

Weitere Informationen:
Greenpeace Schweiz
Anita Merkt (Communications Manager Energy & Climate)
Telefon: +41 44 447 41 88
Email: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt, Du musst JavaScript aktivieren, damit Du sie sehen kannst.

 

Bild: Verleumdungs-Maschinerie (Greenpeace)

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