Cleantech-Export für die Zukunft

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Geschrieben von: Steffen Klatt, St. Gallen 01.04.10
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Die Förderung von Cleantech kommt der ganzen Wirtschaft zugute, sagt Ursula Renold, Direktorin des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie. Die Schweiz profitiert dabei von ihrer Mischung von Forschung, angewandter Forschung und Berufsbildung. Um innovativen Produkten zum Durchbruch zu verhelfen, braucht es aber auch eine Zusammenarbeit mit starken Partnern auf anderen Märkten. Im Blick stehen dabei gerade auch die Vereinigten Staaten, Mitte April Reiseziel einer Delegation der Schweizer Cleantech-Wirtschaft.

Steffen Klatt: Schweizer Cleantech kommt in die Vereinigten Staaten. Was hat sie zu bieten?

Ursula Renold: Die Schweiz ist Weltspitze, was das Innovationspotential und die Forschungslandschaft betrifft. Das wurde kürzlich wieder vom European Innovation Scoreboard bestätigt. Wir haben eine geschickte Kombination von guten Forschern und qualifizierten Fachkräften und Unternehmern, die Innovationen zum Durchbruch bringen können. Die Schweiz ist zu klein, um das allein auf dem eigenen Binnenmarkt zu tun. Aber wir haben ein Potential, von dem auch andere Länder profitieren können.

Steffen Klatt: Heisst dies, dass die Schweiz nicht nur Produkte und Dienstleistungen verkaufen will, sondern auch Partner sucht?

Ursula Renold: Natürlich. Wir haben viele Lösungen für die Probleme der Zukunft, aber wir brauchen Partner, um diese Lösungen umzusetzen. Das versuchen wir auch im Rahmen der Cleantech-Initiative des Bundes voranzutreiben. Dazu gehört eine Exportplattform, die von der Osec (offizieller Aussenwirtschaftsförderer der Schweiz, stk) in diesem Frühjahr lanciert wird.

Gerade im Cleantech-Bereich ist es wichtig, weltweit zusammenzuarbeiten. Klima-und Umweltprobleme betreffen den ganzen Planeten. Da braucht es potente Absatzmärkte, auf denen gute Technologien und Dienstleistungen erfolgreich verkauft werden können. Wenn die Schweiz mit ihren innovativen Unternehmen und mit ihren präzisen Technologien vorn dabei ist, dann können wir dazu einen wichtigen Beitrag leisten.

Steffen Klatt: Der Bund erarbeitet unter Ihrer Führung einen Masterplan Cleantech. Was ist das Ziel?

Ursula Renold: Wir wollen uns besser positionieren in Hinblick auf das Wachstumspotential, das in diesem Bereich vorhanden ist. Wir wollen insbesondere die vielfältige Wissenschaftslandschaft  stärker sichtbar machen. Man soll besser und schneller sehen, welche Kompetenzen in der Schweiz vorhanden sind und wie sie abgeholt werden können. Wir wollen aber auch intelligente Regulationen vorantreiben, welche zu mehr Wertschöpfung beitragen.

Steffen Klatt: Die Schweiz hat ähnlich wie die Vereinigten Staaten keine Tradition direkter Industrieförderung. Welche Mittel hat der Bund zur Verfügung, um Cleantech zu fördern?

Ursula Renold: Die Schweiz hat den Vorteil, relativ überschaubar zu sein. Bei uns ist die Dialogfähigkeit gut ausgeprägt. Wir haben eine sehr korporative Wirtschaft, die in Verbänden und Organisationen zusammengefasst ist, mit denen wir in Kontakt treten können. So können wir die Probleme finden, die wir lösen müssen.

Die Schweiz macht keine Industriepolitik, das ist richtig. Die Wirtschaft weiss selber, wie sie das richtige Produkt herstellen muss, das auf dem Markt eine Chance hat. Dagegen unterstützt die Schweiz stark die Forschung, auch die angewandte Forschung. Die Hochschullandschaft in der Schweiz ist sehr gut aufgestellt und produziert die Erkenntnisse, die es braucht, um Innovationen voranzutreiben.

Steffen Klatt: Ihr Bundesamt ist für die Berufsbildung und die Fachhochschulen (Universities of Applied Sciences) verantwortlich. Welche Rolle spielen diese beiden Bereiche für die Förderung von Cleantech?

Ursula Renold: Sie spielen aus unserer Sicht eine zentrale Rolle. Andere Länder haben oft nur Universitäten. Trotz hohen Anteils von Universitätsabsolventen erreichen sie nicht die gleiche Wettbewerbsfähigkeit und das gleiche Innovationspotential.

Das Erfolgsrezept der Schweiz ist es, dass sie den skills-and-grade-mix wie kein anderes Land ausschöpft: Um eine Innovation auf den Markt zu bringen, braucht es mehr als gute Forscher an den Hochschulen. Es braucht zur Umsetzung von hochstehenden Produkten auch die gut ausgebildeten Handwerker, die qualifizierten Facharbeiter und kompetenten Leute im Dienstleistungsbereich. Der Mix der Schweiz ist einzigartig: Viele junge Leute gehen in die Berufsbildung. Diejenigen jungen Leute, die mit einer Berufsausbildung und einem Fachhochschulabschluss in den Arbeitsmarkt gehen, haben eine hohe Bildungsrendite und sind am wenigsten von Arbeitslosigkeit bedroht.

Unser duales System, die Kombination einer guten theoretischen Ausbildung und berufspraktischer Erfahrung stärkt den Standort Schweiz. Das gilt gerade auch für den Bereich Cleantech. Denn dort müssen oft bestehende Lösungen neu kombiniert werden. Praxiserprobte Menschen können das. Ich denke dabei an Gebäudesanierungen und an die Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz. Da liegt ein grosses Potential.

Steffen Klatt: Hat die Schweiz genug qualifizierte Berufsleute und Ingenieure, um eine aktive Rolle im Cleantech-Bereich zu spielen?

Ursula Renold: Die Schweiz läuft wie andere Länder auch in einen Wettbewerb um Talente hinein. In ganz vielen Branchen werden wir einen Mangel an Fachkräften haben. Die Schweizer werden älter, die Zahl der jungen Leute geht zurück. In einem Hochtechnologieland wie in der Schweiz ist das im Aufschwung immer wieder zu spüren.

Die Cleantechwirtschaft steht vor einer noch grösseren Herausforderung, weil sie Kompetenzen in Mathematik, Naturwissenschaft und Technik braucht. Das interessiert derzeit nicht genug junge Leute.

Steffen Klatt: Was bringt die Förderung von Cleantech dem Rest der Schweizer Wirtschaft?

Ursula Renold: Bei Cleantech geht es um saubere Technologien. Und die durchdringen die gesamte Gesellschaft. Das ist ähnlich wie bei den Informations- und Kommunikationstechnologien: Auch die sind heute überall drin.
Alle Produkte in Konsum, Bauen, Wohnen, Mobilität – die meisten Teile der Schweizer Wirtschaft – werden von Cleantech durchdrungen. Das bedeutet auch viel Potential für die Schweizer Wirtschaft, insbesondere für das Gewerbe.

Steffen Klatt: Die gesamte Wirtschaft profitiert also von der Förderung von Cleantech?

Ursula Renold: Davon gehen wir aus, ja. Dabei wird mit hohen Wachstumsraten gerechnet. Es geht dabei nicht nur um neueste Technologien, sondern auch um Wissen und Weiterbildung. Das versuchen wir mit unserem Masterplan zu koordinieren.

 

Zur Person:
Ursula Renold ist Direktorin des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie (BBT). Sie leitet die Steuergruppe Cleantech aus Vertretern mehrerer Bundesämter (BAFU, BEF, SECO und BBT), die bis Ende 2010 einen Masterplan Cleantech ausarbeitet.

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