Energieeffienz ist ein wichtiger Baustein der zukünftigen Energieversorgung, sagt Norbert Verweyen. RWE bietet deshalb Produkte an, mit denen Energie gespart werden kann. Langfristig muss die Energieversorgung auf erneuerbare Quellen umgestellt werden.
Steffen Klatt: Die erneuerbaren Energien sind in aller Munde. Welche Rolle werden sie spielen? Norbert Verweyen: Da die fossilen Energien irgendwann zu Ende gehen werden, werden die erneuerbaren Energien in der langfristigen Zukunft das kommende Energie-System werden. Zurzeit diskutieren wir aber nicht so sehr über die langfristige Zukunft, sondern über die nächsten 20 oder 30 Jahre. Auch in diesem Zeitraum werden die erneuerbaren Energien eine wichtige Rolle spielen. Die erneuerbaren Energien sind aber in der zukünftigen Gestaltung der Energieversorgung nur ein Baustein. Dazu gehört aus meiner Sicht ebenso die Energieeffizienz. Und das hat ja erst einmal mit den erneuerbaren Energien nichts zu tun. Verwandte Themen| { Mehr gallische Dörfer nötig, 08.03.10 } | | { Netze müssen intelligent werden, 10.02.10 } | | { Den Wind und die Sonne zähmen, 22.01.10 } | | { Die Netze werden intelligent, 20.01.10 } | | { Das Netz als Speicher, 05.01.10 } | | { Erneuerbare brauchen Speicher, 30.11.09 } | | { Der Traum vom Super-Stromnetz, 15.10.09 } | | { Solarbranche spürt den Frühling, 23.09.09 } | | { Ab 2015 geht der Wind ab, 21.09.09 } | | { Erneuerbare brauchen Google, 22.06.09 } | | { Der Energiemix der Zukunft, 08.06.09 } |
Steffen Klatt: Welche erneuerbaren Energien können in den nächsten 20 bis 30 Jahren einen bedeutenden Beitrag in Mitteleuropa leisten? Norbert Verweyen: Da ist zum einem die Windenergie. Hier wird ja massiv in On- und Off-Shore-Anlagen investiert. Und dann ist da noch die Biomasse. Sie hat den Vorteil, dass sie das ganze Verfügbarkeitsproblem reduziert. In wie weit die Geothermie einen wichtigen Beitrag liefern wird, kann ich zurzeit nicht sagen. Die Presse berichtete sehr ausführlich über Problemfälle mit kleineren Erdbeben. Ob die öffentliche Wahrnehmung der Geothermie sich davon erholen wird, kann ich schwer einschätzen. Ein wichtiger Baustein ist auch die Wasserkraft, deren Potenzial in Deutschland jedoch weitgehend genutzt wird. Steffen Klatt: Wie kann man einen so grossen Energie-Mix verwalten? Norbert Verweyen: Während bislang Stromnetze mit zentraler Stromerzeugung dominierten, geht der Trend hin zu dezentraleren Erzeugungsanlagen. Sicherlich führt dies zu einer wesentlich komplexeren Struktur, primär im Bereich der Lastenregelung und der Aufrechterhaltung der Netzstabilität. Hier sollen intelligente Stromnetze, auch Smart Grid genannt, Abhilfe schaffen. Und dann gibt es da ja noch das Zusatzproblem in Deutschland, das zum Beispiel Energie aus Wind im Norden produziert wird, aber ein grosser Teil dieser Energie im Süden verbraucht wird. Ist das nur ein vorübergehendes Problem? Das glaube ich nicht. Zurzeit wird die Windenergie an den Küsten weiter ausgebaut. Es gibt zwar Entlastung durch die Biomasse. Aber es wird das generelle Problem nicht lösen. Wir entwickeln uns hin zu einer Struktur, die immer mehr Transport erfordert als dies zu den «guten alten Zeiten» noch der Fall war. Den meisten Bürgern ist das gar nicht bewusst. Früher musste der Strom einen Weg von durchschnittlich 50 Kilometern zurücklegen. Das wird sich drastisch ändern. Und darauf müssen wir mit dem Ausbau der Netze reagieren. Steffen Klatt: Was braucht das Netz? Norbert Verweyen: Da möchte ich Bezug nehmen auf die Dena-Studie. Die Studie sagt, dass das bereits bestehende Netz ausgebaut werden muss. Steffen Klatt: Mit welchen Investitionen rechnen Sie in diese Infrastruktur? Kann man das überhaupt beziffern? Norbert Verweyen: Die Dena-Studie hat die Investitionen mit einem zweistelligen Milliarden Euro Betrag beziffert. Auf jeden Fall werden wir in der Zukunft immer mehr dezentrale Erzeugung haben und auch hier werden wir Herausforderungen haben. So gibt es in Süddeutschland einen Regionalversorger, bei dem die Spitzenlasten – wenn die Sonne scheint – grösser sind, als das was im Netz verbraucht wird. Das hat eine andere Qualität als beim Windstrom. Hier wird der Strom schon direkt in höhere Spannungsebenen eingespeist. Photovoltaik speist dagegen in die Niederspannungsebene ein. Bildlich gesprochen brauchen wir nicht Versorgungsnetze sondern Entsorgungsnetze. Und hier kommen wieder die intelligenten Netze ins Spiel. Steffen Klatt: Kann das Netz denn auch einen Speicherfunktion haben? Norbert Verweyen: Beim Strom nein. Beim Gas ist das ja anders. Da nutzt man ja die Rohre auch als Speicher. Aber wir hoffen, dass wir über verschiedene Technologien – unter anderem mit Elektroautos – zusätzliche Speicher schaffen. Darüber hinaus brauchen wir eine undogmatische Diskussion über mögliche Speicher. Beim Beispiel Nachtspeicher-Heizungen gibt es in der Politik eine klare ablehnende Haltung. Wenn man aber bei den Erneuerbare Energien einen Überschuss hat, kann man durchaus darüber nachdenken, ob die überschüssige erneuerbare Energie, die sonst nicht genutzt werden könnte, nicht doch zu Heizzwecken eingesetzt werden kann. Ich glaube, dass langfristig die Nachtspeicher-Heizung neu bewertet werden könnte. Steffen Klatt: Die Erzeugung der Energie ist die eine Sache. Aber was ist mit der Energieeffizienz? Norbert Verweyen: Wir glauben, dass Energieeffizienz ein ganz wichtiges Thema ist. Unsere Kunden wollen nicht Kilowattstunden kaufen, sondern letztendlich Energiedienstleistung. Der Schritt von der wirtschaftlichen Bereitstellung einer Energiedienstleistung hin zur Optimierung und damit u.a. zur auch Reduzierung der Energiemengen ist nicht so weit. Dazu kommt, dass uns ein wenig Energie verbrauchender Kunde, der bei uns bleibt, lieber ist als ein viel verbrauchender Kunde, der zu einem anderen Anbieter wechselt. Kurz: weniger ist mehr als nichts. Steffen Klatt: Sie entwickeln sich also von einem Energieerzeuger hin zu einem Dienstleister, der ein Gesamtpaket Energie anbietet? Norbert Verweyen: Ja, das kann man so formulieren. Steffen Klatt: Macht sich dadurch die RWE als Energieanbieter nicht überflüssig? Norbert Verweyen: Nein, ich glaube nicht. Denn wir werden immer Energie brauchen. Die Frage ist, wieviel Energie wir brauchen und wie wir die Energie erzeugen und einsetzen. Ein energieloses Leben ist nicht vorstellbar. Steffen Klatt: Was setzt RWE um, um die Energieeffizienz zu steigern? Norbert Verweyen: Wir haben eine Reihe von Aktivitäten. Ich möchte hier unsere drei Hauptproduktlinien ansprechen. Zum einen die Elektromobilität und die Hausautomatisierung Smart Home. Und dann ist da noch die Energieberatung. Dort haben wir seit dem 1. September letzten Jahres die Plattform www.energiewelt.de ins Leben gerufen. Wir beraten unsere Kunden nicht nur, sondern wir gehen auch gleich in die Analyse hinein. Dabei ist nicht nur der Verbrauch von Kilowattstunden wichtig, sondern auch Wohnfläche, Anzahl der Bewohner und Zustand der Wohnung. Aufgrund dieser Schnellanalyse geben wir dann bewußt nur wenige Empfehlungen, die zu diesem speziellen Fall passen. Entscheidend und meines Erachtens einzigartig ist dann der dritte Schritt. Wenn wir beispielsweise eine neue Heizung empfehlen, dann gehen wir auch hin und zeigen wie man diese Heizung finanzieren kann. Im letzten Teil des dritten Schritts empfehlen wir dann auch die Handwerker, die das spezielle Wissen für die fachgerechte Umsetzung mitbringen. Steffen Klatt: Wie wird das Angebot angenommen? Norbert Verweyen: Sehr gut. In den Spitzenzeiten haben wir auf der Plattform zigtausend Besucher am Tag. Steffen Klatt: Sie haben Elektromobilität erwähnt. Was macht RWE in diesem Bereich? Norbert Verweyen: Wir bauen vor allem in Ballungsräumen Infrastruktur für Elektromobilität auf. Und wir kümmern uns auch um die Markteinführung und Weiterentwicklung der Elektromobilität. Unter anderen haben wir auch ein Programm, in dem wir unseren Kunden umgerüstete Fahrzeuge anbieten. Lassen Sie mich noch kurz etwas zum dritten Punkt sagen. Neben Elektromobilität und Energieberatung haben wir noch das Thema der Hausautomatisierung. In diesem Bereich werden wir unseren Kunden – egal ob Hauseigentümer oder Mieter – das Produkt Smart Home anbieten, die ihnen erlauben, bei gleichzeitigem Komfortzugewinn den Energieverbrauch, also Strom und Wärme, zu reduzieren. Die Hausautomatisierungsanlage kann beispielsweise so eingestellt werden, dass wenn man das Fenster zum Lüften öffnet, der Heizkörper im Raum automatisch runter gefahren wird. Dies ist nur ein Beispiel für weitere Möglichkeiten der Energieeffizienz. Unser Produkt verbindet vor allem die Energieeffizienz mit Komfort. Zur Person: Norbert Verweyen, Jahrgang 1959, ist seit Juli 2009 Geschäftsführer der RWE Effizienz GmbH. Bis dahin war er in der RWE Supply&Trading, zuletzt als Leiter Market Design, tätig. Nach Studium des Maschinenbaus und der Betriebswirtschaftslehre begann es seine Wirtschaftslaufbahn 1990 bei VEBA.
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