Chancen für Mexiko minimal

Drucken
E-Mail
Geschrieben von: André Anwar, Stockholm 18.03.10
Bookmark and Share
Stichworte:           

Schwedens Umweltminister Andreas Carlgren sieht schwarz für den Klimagipfel in Mexiko. Die Hauptschuld gibt er dem Widerstand Chinas und der USA. Ohne diese beiden Staaten sei ein wirksames Klimaschutzabkommen nicht möglich.

Der bürgerliche schwedische Umweltminister Andreas Carlgren kennt sich mit gescheiterten Klimaverhandlungen aus. Schliesslich war er Verhandlungsleiter der EU beim gescheiterten Klimagipfel in Kopenhagen. Und nun stutzt er die Hoffnungen für den kommenden Gipfel, der in Mexiko stattfinden wird: „Die Chancen sind minimal, in Mexiko ein bindendes Klimaabkommen zu erreichen“, sagt er am Mittwoch. Die Schuld sieht er dafür in China und den USA: „Das Dilemma ist, dass allen voran China, aber teils auch die USA schwer zu bewegen sind. China ist inzwischen das Land mit der höchsten Steigerungsrate beim Schadstoffausstoss weltweit. Dennoch ist man nicht zu Massnahmen bereit. Das Problem bei den USA ist, dass kein Klimagesetz ratifiziert wird, obwohl Obama so ambitioniert ist“, erläuterte er im Gespräch. Umweltminister Carlgrens „Zentrumspartei“ gilt in Schweden als die grüne Kraft der Regierung. Im Herbst finden Parlamentswahlen statt und der Wahlkampf, für den ein knapper Ausgang erwartet wird, ist in vollem Gange.

Abkommen ohne die Grossen sinnlos

Carlgrens pessimistische Einschätzung soll jedoch nicht Schweden, sondern die Welt wachrütteln. Denn ein Aufweichen der Ambitionen kommt für den Umweltminister nicht in Frage: Man müsse grössere Anforderungen neben China auch an Indien, Brasilien und Südafrika stellen. Sich darauf zu versteifen, unter allen Umständen ein bindendes Abkommen zu schnüren, sei nicht sinnvoll, wenn die grossen Akteure nicht im Boot seien, sagt er. „China mit über einer Milliarde Einwohnern wird in einigen Jahren mehr Schadstoffausstoss pro Einwohner produzieren als unser Schweden mit neun Millionen Einwohnern. Ohne China macht ein Abkommen wegen der enormen Bedeutung des Landes keinen Sinn und wäre nur kosmetischen Charakters“, warnt Carlgren.

Verhandlungsblockade nicht zu brechen

Doch wie hartnäckig chinesische Vertreter bei ihrer Position bleiben, hat er am eigenen Leibe miterlebt: „Ich saß in Kopenhagen am Verhandlungstisch direkt gegenüber den Amerikanern und Chinesen. Ich erinnere mich, wie wir den größtmöglichen Druck auf China ausübten. Aber sie blockten mit Unterstützung von Venezuela, Bolivien und dem Sudan dennoch alles ab. Wir dürfen die Klimafrage nicht mit viel zu schlechten Lösungen abbuchen. Es geht darum, wie wir die Emissionen weltweit senken. Da müssen diese Länder im Vorfeld in den Fokus.“, sagt Carlgren. Die USA und China könne man auch schwerlich einzeln ins Boot holen, sondern nur zusammen.

EU muss voranschreiten

Auch, wenn alle anderen sich sträubten, solle die Europäische Union jedoch unabhängig vom Ausgang in Mexiko vorangehen. Schweden werde bei den anstehenden Verhandlungen dafür kämpfen, dass die EU sich bis 2020 das Ziel setzt, die CO2-Emissionen um 30 Prozent zu verringern. Die EU werde in jedem Fall die Umstellung in eine ökologische Wirtschaft anführen, betont er. Doch Carlgren betont auch, dass das übergeordnete Problem eines fehlenden Abkommens nicht dadurch gelöst werden könne, dass europäische Grabenkämpfe um Klimazielprozentsätze gewonnen würden.

Auch Hedegaard pessimistisch

Carlgren ist mit seiner Einschätzung nicht allein: Auch die dänische EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard teilte vor kurzem mit, eine Einigung in Mexiko sei „ wenig wahrscheinlich“. Nach dem EU-Umweltministertreffen am Montag in Brüssel schlug auch die deutsche Bundesregierung verhaltene Töne an. Ein verbindliches Abkommen auszuhandeln sei „sehr ambitioniert", sagte die Parlamentarische Umwelt-Staatssekretärin Katherina Reiche (CDU) laut AFP.
Unterdessen rief der nächste Klimagipfelgastgeber, Mexikos Umweltminister Juan Quesada die Industriestaaten auf, endlich die versprochenen Anschubgelder für die Entwicklungsländer zu leisten. Die armen Länder warteten auf ein „klares Signal“, sagte er. Die EU hatte finanzielle Hilfe zur Anpassung an die bereits schmerzlich spürbaren Klimaveränderungen mit jährlich 2,4 Milliarden Euro (3 Milliarden Franken) ab 2010 bis 2012 zugesagt. Bislang folgenlos.

 

Bild: Andreas Carlgren gehört der Zentrumspartei an und ist seit dem 6. Oktober 2006 schwedischer Umweltminister (Victor Brott/www.sweden.gov.se).

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

 

Cleantech.ch

cleantech_ch

SCA_LOGO_RGB_marginal
mit swisscleantech ins neue Energiezeitalter

Meistgelesene Artikel

    Abonnieren Sie noch heute Ihren persönlichen Newsletter.
    Noch grössere Aktualität erhalten Sie mit unserem RSS-Feed.

    Kalender

    Der Veranstaltungskalender wird vorbereitet.

    {Zum Kalender}

    Magazin Cleantech Switzerland

    Magazin Cleantech Switzerland 2011-1

    Gründungssponsoren