Grünes Wettrennen am Golf

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Geschrieben von: Steffen Klatt 17.03.10
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Eigentlich ist es gut, dass Masdar eine Denkpause nimmt. Aber die Ökostadt bei Abu Dhabi muss aufpassen, dass sie nicht von anderen überholt wird. Insbesondere Katar holt auf. Mit deutscher Hilfe.

Als Nachhaltigkeit.org Anfang März berichtete, dass Masdar eine Denkpause nimmt und zwei wichtige Manager das Unternehmen verlassen hätten, wurde der Artikel zwar fleissig angeklickt, aber es blieb ansonsten ruhig. Als eine Woche später der Europressedienst in Bonn den Artikel aufgriff, da ging plötzlich ein Rauschen durch den deutschen Blätterwald: Masdar stehe vor dem Scheitern, so der Tenor. Es war eine gewisse Schadenfreude dabei: Der Überflieger am Golf ist in der Wirklichkeit angekommen.

Das ist wohl auch so, und das ist eine gute Nachricht. Denn lange hat Masdar von der Phantasie gelebt, die es in den Köpfen der Menschen angeregt hat - also von Computeranimationen Foster and Partners. Eine Stadt, so modern wie keine andere - so wurde Masdar verkauft, eine Stadt der Zukunft. Erst allmählich wurde sichtbar, dass diese Zukunft vor technische Herausforderungen stellt, die ersteinmal gelöst werden wollen. Masdar versuchte sich entsprechend anzupassen. Im Zuge des Quasi-Bankrotts des von Abu Dhabi alimentierten Nachbaremirats Dubai wurde klar, dass auch am Golf Geld nicht vom Himmel fällt. Die Denkpause, in der jetzt über die langfristige Finanzierbarkeit Masdars nachgedacht werden soll, ist eine Folge davon. Eine gesunde Folge. Denn die finanzielle Machbarkeit ist die Grundlage jedes wirtschaftlichen Tuns. Normalerweise wird darüber vor dem ersten Spatenstich nachgedacht und nicht in dem Jahr, in dem die ersten Gebäude fertiggestellt werden. Aber besser jetzt als nie.

Die technischen Herausforderungen Masdars können bewältigt werden. Die finanziellen wohl auch. Wenn das Emirat Abu Dhabi Masdar fertigstellen will - und es sagt, dass es dies tun will -, dann wird das eines Tages auch geschehen.

Wann dieser eine Tag kommen wird, ist eine offene Frage. Aber eine wichtige. Denn Masdar will mehr sein als nur eine kohlendioxidfreie Stadt in der Wüste. Es will ein Zentrum erneuerbarer Energien von globaler Ausstrahlung werden. Doch wenn Masdar zu spät fertiggestellt wird, braucht es ein solches Zentrum womöglich nicht mehr. Andere Länder, Regionen, Städte mögen ihm bis dahin zuvor gekommen sein.

Zum Beispiel Katar. Das Emirat ein paar Dutzend Kilometer weiter westlich hat im November mit der Deutschen Bahn ein Unternehmen gegründet, um ein Schienennetz quer durch das Land zu legen. Das wäre eine Premiere auf dieser Seite des Golfs. In den Vereinigten Arabischen Emiraten etwa gibt es bisher nur eine Metro - und auch die nur mit Ach und Krach. Im Februar erklärten SolarWorld und Katar, gemeinsam das Rohmaterial für die Herstellung von Solarmodulen herstellen zu wollen. Im März ist eine Delegation Volkswagens in Katar - nach Porsche und Niedersachsen der drittgrösste Aktionär des Wolfsburger Autobauers -, um über eine Zusammenarbeit bei der Forschung zu sprechen, insbesondere der Energiespeicherung.

Das sind alles weniger spektakuläre Vorhaben als der Bau einer Ökostadt. Aber sie sind in ihrer Wirkung mindestens ebenso nachhaltig.

Auffällig ist, dass Katar in jedem der drei Fälle mit deutschen Unternehmen zusammenspannt. Deutschland ist eine Grossmacht der erneuerbaren Energien wie auch nachhaltigen Verkehrs. Abu Dhabi dagegen hat sich zunächst instinktiv an der angelsächsischen Welt orientiert, der einstigen Kolonialmacht Grossbritannien und der Schutzmacht USA. Doch beide sind zumindest bisher höchstens Grossmächte grüner Rhetorik, aber nicht nachhaltigen Handelns. Während Abu Dhabi sich im Glanz grüner Reden von Prinz Charles und anderer Royals gesonnt hat, holte Katar deutsche Ingenieure und Manager.

Abu Dhabi hat sich den Luxus geleistet, im Wettrennen um den Sitz der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien den provisorischen Sitz Bonn auszustechen und gleichzeitig eine praktisch unbekannte Beamte eines französischen Ministeriums zu deren ersten Chefin zu machen, obwohl der - deutsche - Vater und Vorkämpfer der Idee zur Verfügung stand. Katar hat sich diesen Luxus, Deutschland gleich zweimal zu verprellen, nicht geleistet. Es ist kein Wunder, dass die schlechte Presse Masdars derzeit aus Deutschland kommt.

Masdar kann es trotzdem noch schaffen, eine Vorzeigestadt zu werden. Und es kann dabei durchaus auf mitteleuropäische Kompetenzen zurückgreifen - die Fraunhofer Gesellschaft, BASF, aber auch das Swiss Village sind im Boot. Aber Masdar muss ein wenig vorsichtiger werden in der Art, wie es mit seinen Freunden umgeht: Es sind Partner, keine Bittsteller.

Die grösste Herausforderung Masdars beginnt dann, wenn alles gebaut ist: Eine Ansammlung von Gebäuden auf dem neuesten Stand der Energieeffizienz - am Golf bereits eine grosse Herausforderung - macht noch keine Stadt aus. Eine Stadt ohne Autos, Abfall und Kohlendioxid allein macht auch noch keine Nachhaltigkeit. Masdar muss mit Leben erfüllt werden. Es wird nur dann ein Zentrum mit globaler Ausstrahlung, wenn gute Leute an den Golf kommen, möglichst die besten. Und dazu braucht es mehr als neueste Technik und hohe Löhne.

 

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