Erfolgreich wachsen mit Sonne

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Geschrieben von: Yvonne von Hunnius, St. Gallen 12.03.10
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Noch bildet die Schweiz im Falle der erneuerbaren Energien einen Sonderfall und der Innovationsdruck ist gering. Doch Wissenschaft, Wirtschaft und Politik erkennen langsam die Dynamik des Marktes und loten die Vorteile für die Schweizer Wirtschaft aus. Das zeigte das erste Forum Erneuerbare Energien in St. Gallen.

In der Schweiz gilt mancherorts Atomenergie als Erneuerbare Energie. Doch diese Definition könnte bald der Vergangenheit angehören. Spätestens dann, wenn die Sonne Atomenergie abgelöst hat und die Preise für fossile Brennstoffe in unbezahlbare Höhen geklettert sind. Noch stammen jedoch in strenger Rechnung nur 2 Prozent des Schweizer Stroms aus erneuerbaren Energien. Noch scheint der Alpenstaat in einem alten System zu wirtschaften. Der Vizedirektor des Bundesamtes für Energie (BFE), Michael Kaufmann, sagte am Rande der Konferenz „Erfolgreich wachsen mit Sonne, Wind und Co.“ der Universität St. Gallen (HSG): „Viele Meinungsträger in der Schweiz bewegen sich noch in der alten Welt, in der Energie zu einem geringen Preis und Grosstechnologie stets zur Verfügung stehen.“ Doch langsam begriffen Wirtschaftsvertreter, dass man längst von einer neuen Welt umgeben sei, die viele Chancen für Wachstum und Beschäftigung biete. Der technische Fortschritt, politische Rahmenbedingungen und nicht zuletzt das Management der Energie können diesen Prozess beschleunigen.

Staat kann nur anschieben

Treiber sind wohl eher innovationshungrige Unternehmen als nationale oder internationale Politik. Das sagt Umweltökonom Rolf Wüstenhagen. Der Initiator der Konferenz des HSG-Lehrstuhls Good Energies für Management Erneuerbarer Energien stellt die These auf, dass Politik in diesem Zusammenhang lediglich grossen symbolischen Wert besitze. Ihr Erfolg messe sich jedoch letztlich daran, ob sie die „Revolution von unten“ fördere oder bremse.
Das Anschubinstrument der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) ist ein grosser Schritt, den Energiewechsel zu vollziehen. Die Verantwortlichen des Bundesamts für Energie wie Hans Ulrich Schärer ziehen eine positive Bilanz der ersten Erfahrungen und arbeiten an Systemverbesserungen. Die KEV soll weiterwirken und Innovationen ankurbeln.

Intelligente Netze brauchen Investitionen

Innovation ist insbesondere in der Strominfrastruktur gefragt. Denn für die dezentrale Energieversorgung durch viele erneuerbare Energiequellen, die starken Kapazitätsschwankungen ausgesetzt sind, braucht es letztlich intelligente Netze. Internationale Unternehmen wie Cisco und Landis+Gyr arbeiten mit hunderten Forschern fieberhaft an der Umsetzung der sogenannten „Smart Grids“. Diese sollen kommunizieren und Energie bis zu einem gewissen Grad speichern können. Doch diese Milliardeninvestition lohnt nur, wenn auch ein Markt besteht. Ein Schweizer Experte sagt dazu: „Wir haben keine Kapazitätsschwankungen, die Einspeiserate ist gering, die momentane Elektromobilität können wir gut versorgen und das Ersparnis für die Kunden liegt bei zehn Prozent. Weshalb also intelligente Netze für die Schweiz?“

Futterneid zeichnet Marktreife aus

Ob solcher Ansichten wundern sich ausländische Branchenkenner zuweilen, bewegen sie sich in der Schweizer Energieszene. Der Präsident des Forschungsinstituts für Mikrosensorik und Photovoltaik in Erfurt, Hans-Joachim Freitag, sagt: „Wenn ich den deutschen Futterneid zwischen Vertretern der Solar-, Wind- und Wasserkraft ansehe, dann kommt es mir in der Schweiz immer sehr friedlich vor.“ Schweizer Konsensorientiertheit? Umweltökonom Wüstenhagen interpretiert den Futterneid mitunter anders: „Dass es hier anders ist, kann am Schweizer Kolorit liegen. Doch die deutsche Dynamik spricht wohl eher für eine gewisse Marktreife.“ Und die ist hierzulande nicht anzutreffen. Noch nicht.

Vorreiter können nur gewinnen

Leuchtturmprojekte aus der Schweizer Wirtschaft weisen den Weg: Der Grossverteiler Coop hat ein ausgefeiltes Programm vorgestellt, wie bis 2032 die CO2-Neutralität des Unternehmens erreicht werden soll. Und ein grosser Teil wird durch Erneuerbare gestemmt. Coop-Nachhaltigkeitsverantwortliche Sibyl Anwander Phan-Hui stellt die grosse Bedeutung der Energieeffizienz und der alternativen Energieversorgung beispielsweise durch Abwärme heraus. „Hierdurch können wir die Hälfte des CO2 einsparen, die andere Hälfte muss kompensiert werden“, sagt Phan-Hui. Und das Ziel nicht zu erreichen, kommt für das Unternehmen mit Renommee nicht in Frage.
Auch andere Unternehmen werden an solchen Projekten wohl nicht vorbeikommen, glaubt man Marco Ziegler, Partner bei McKinsey & Company, der einen Bericht über die Chancen für die Schweiz im Bereich der Energieeffizienz und Erneuerbaren Energien erstellt hat: „Unternehmen, die hier aktiv werden, könnten bis 2020 mehr als 25.000 neue Arbeitsplätze in der Schweiz generieren.“

 

Bild: Rolf Wüstenhagen auf dem Forum für Erneuerbare Energien. (Yvonne von Hunnius)

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