Auch Katar gibt sich grün

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Geschrieben von: Jonas Pepper, Dubai 11.03.10
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Die Ökostadt Masdar, die bei Abu Dhabi errichtet wird, zeigt Bremsspuren. Im Nachbaremirat Katar hat der grüne Aufschwung erst begonnen. Mit einer Solarfabrik, energieeffizienten Gebäuden und dem Ausbau der Bahn geht es auf die Überholspur. Erneuerbare Energien und Energieeffizienz werden in der Region ein immer wichtigeres Thema.

Katar setzt auf deutsche Hilfe. Das Emirat am Golf will zusammen mit der Bonner Solarworld eine Fabrik errichten, kristallines Silizium herstellt, das Rohmaterial für Solarmodule. Geplant ist eine Investition von 500 Millionen Dollar (370 Millionen Euro/540 Millionen Franken). Solarworld soll an dem Unternehmen 29 Prozent halten. Die Fabrik soll im dritten Quartal 2012 eröffnet werden. Solarworld deutete an, dass weitere Fabriken folgen könnten, bis hin zur Produktion von Solarmodulen selbst.

Anreize für erneuerbare Energien fehlen noch

Wenn die beiden Partner dies tun, würden sie in direkte Konkurrenz zum Nachbarn Abu Dhabi treten. Deren staatliche Masdar PV produziert bereits Solarmodule – allerdings im thüringischen Ichtershausen. Eine geplante zweite Fabrik in Taweelah zwischen Abu Dhabi und Dubai liegt inzwischen auf Eis. „Wir haben die Produktion noch nicht begonnen, weil der Markt noch nicht entstanden ist“, sagte Masdar PV-Chef Rainer Gegenwart im Januar. Und diesen Markt gibt es noch nicht, weil die Regierungen am Golf sich noch nicht zur Förderung von Sonnenstrom durchgerungen haben. Ohne eine solche Förderung aber haben Energieproduzenten und Immobilienbesitzer keinen Anreiz, Solaranlagen zu installieren. Strom aus Erdgas, wie für die Region üblich, ist allemal billiger.

Katar könnte Vorreiter werden

Die Zurückhaltung der Regierungen könnte sich aber bald ändern. Laut dem Weltenergierat brauchen die Golfstaaten in den nächsten zehn Jahren eine zusätzliche Kapazität von 100 Gigawatt. Das verlangt Investitionen von 25 Milliarden Dollar. Der zusätzliche Bedarf dürfte zumindest zu einem kleineren Teil durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Waheeb Al Nasir, Direktor der arabischen Sektion der Internationalen Solarenergiegesellschaft (ISES), rechnet bis 2015 mit einer Kapazität an Sonnen- und Windstrom von 5 GW in der Region. Davon könnten 3,5 GW in Katar entstehen, 1 GW in Bahrain und 400 MW in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Und das könnte erst der Anfang sein. „Arabische Staaten könnten damit beginnen, Sonnenenergie zu exportieren“, schrieb Nicolas Sarkis, Direktor des Arabischen Ölforschungszentrums (APRC) in Paris in der jüngsten Ausgabe des APRC-Magazins. „Die Entwicklung von Solarenergie könnte bald eine Priorität der Energiepolitik in den meisten Ländern des Nahen und Mittleren Ostens und Nordafrikas werden.“
Bisher freilich ist die Photovoltaikanlage in Masdar mit 10 MW die grösste Anlage der Region. Im nächsten Jahr will der saudische Ölproduzent Aramco und die japanische Showa Shell eine ähnliche Anlage errichten. Eine weitere Anlage mit einer doppelt so hohen Kapazität könnte folgen.

Konferenzzentrum nach höchstem US-Standard

Doch es geht nicht nur um erneuerbare Energien. Katar hat auch stolz verkündet, dass sein neues nationales Konferenzzentrum den Goldstandard von LEED erreichen wird, dem amerikanischen Standard für energieeffizientes Bauen. Das Zentrum, das 2011 eröffnet werden soll, wäre damit nach eigener Aussage das erste dieser Grösse und dieser Ausstattung, das die Goldzertifizierung des US Green Building Council erhält. Die Bauherrin habe von Anfang an Wert auf nachhaltiges Bauen gelegt, sagt Paul D’Arcy, Chef des Konferenzzentrums. „Nachhaltigkeit ist heute ein zentrales Thema in der Baubranche. Wir sind entschlossen, beim Wasserverbrauch, der Energieeffizienz und bei der Gebäudequalität hohe Ziele zu erreichen.“ Auf dem Gebäude werden auch Photovoltaikanlagen mit einer Fläche von 3700 Quadratmetern installiert werden. Damit sollen 13 Prozent des Stromverbrauchs gedeckt werden. Nach den LEED-Vorgaben müssen Gebäude mit dem Goldstandard 37 Prozent weniger Energie verbrauchen als herkömmliche Gebäude.

Katar setzt zudem so stark wie kein anderes Land am Golf auf die Bahn. Im vergangenen November teilte es mit, dass es gemeinsam mit der Deutschen Bahn ein nationales Schienennetz für den Güter- und den Personenverkehr aufbauen will.

Westliche Technologie in hartem Test

Noch freilich müssen die aus dem Westen übernommenen Technologien zeigen, dass sie auch den harschen Bedingungen am Golf standhalten. Sehr heisse, trockene Sommer und der Sand der Wüste können an den Anlagen nagen. Das hat auch die Ökostadt Masdar zu spüren bekommen. Deren Fertigstellung ist von ursprünglich 2016 auf nach 2020 verschoben worden. Zwei der wichtigsten Manager haben das Unternehmen auf Ende Februar verlassen. Masdar-Chef Sultan Al Jaber hat eine Überprüfung des gesamten Projekts angeordnet. Insbesondere kommt die finanzielle Machbarkeit auf den Prüfstand. In Masdar sollen einst 50000 Menschen leben und 90000 Menschen arbeiten. Die 6,5 Quadratkilometer grosse Stadt kostet nach ursprünglichen Berechnungen 22 Milliarden Dollar.

 

Bild: Wie überall am Golf wird auch in Katar viel und schlecht gebaut, der Verkehr ist fast völlig auf das Auto ausgerichtet. Beides soll sich ändern (Amjira/www.en.wikipedia.org)

 

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