Stromträume auf chinesisch

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Geschrieben von: Georg Ackermann, Singapur 10.03.10
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BYDChina leidet unter Abgasen. Abgasfreie Autos haben Zukunft im Reich der Mitte. An der Hand von BYD wird Daimler demnächst in China auftreten und Elekroautos für eine gemeinsame Marke produzieren. Der Batteriehersteller aus Shenzen ist der wohlmöglich derzeit attraktivste Partner, den die Stuttgarter bekommen konnten.

Daimler will den chinesischen Markt unter Strom setzen. Der Stuttgarter Hersteller von Nobelkarossen hat dazu ein Kooperationsabkommen mit BYD aus China abgeschlossen. 1995 vom heute 43-jährigen Wang Chuanfu gegründet, entwickelte sich das Unternehmen bis zur Jahrtausendwende zu Chinas grösstem Akkuhersteller, mit Nokia, Motorola und Samsung als Kunden. 2003 übernimmt Wangs Firma die Qinchuan Machinery Development und steigt in den aufstrebenden Fahrzeugbau ein. Nach den beiden Gemeinschaftsunternehmen, die Shanghai Automobile (SAIC) mit General Motors und Volkswagen betreibt, ist BYD derzeit die Nummer drei auf dem weltweit grössten Automarkt. Informationen des Industrieministeriums zufolge wurden in China im vergangenen Jahr 13,64 Millionen Fahrzeuge verkauft. Bis 2012 soll diese Zahl bis auf über 17 Millionen steigen.

Sehnsucht nach sauberer Luft 

BYD wird in diesem Jahr voraussichtlich 800 000 Fahrzeuge produzieren. In erster Linie herkömmliche, Benzin schluckende Fahrzeuge, versteht sich. Dabei stehen Chinas Städte vor einem wachsenden Abgasproblem. Zunehmender Wohlstand verlangt aber auch saubere Luft und so werden die Stimmen des lokalen Protestes immer lauter. Chinas Regierung ist sich der Gefahren bewusst und hat die Förderung nachhaltiger Energien ganz gross auf die Fahnen geschrieben. “China ist dabei, zum weltweit führenden Anbieter für kohlenstoffarme Technologien und Dienstleistungen zu werden”, sagt Wu Changhua, China-Direktor der Lobby-Organisation “The Climate Group”.

BYD-Technologie begehrt

Die Lithiumion-Batterien BYDs gehören zu den begehrten Technologien. Sie können mehr Energie speichern als andere Autobatterien, sind daher aber auch teurer. Genutzt werden könnte dieser Typ auch zur Speicherung von Solar- und Windenergie. Investorlegende Warren Buffet hat das Potential bereits vor zwei Jahren erkannt und ist mit 10 Prozent eingestiegen. Die Aktien BYDs verfünffachten sich seitdem und aus Wang Chuanfu wird der reichste Mann Chinas, mit einem geschätzten Vermögen von 5,1 Milliarden Dollar. Das Akronym BYD wurde einfach in “Bring your dollars” umgedeutet.

Ein Aufstieg wie im Traum: Geboren in armen Verhältnissen in der ländlichen Anhui-Provinz, wird Wang von seinen Brüdern und Schwestern grossgezogen, weil seine Eltern schon früh verstarben. Nach Chemie-Studium und Masterabschluss am NE-Metall-Forschungsinstitut in Peking übernimmt Wang zuerst eine Beamten-Stelle bei einer regierungsnahen Forschungseinrichtung. 1995 verlässt er den sicheren Job, um BYD zu gründen.

Daimler-Chef sieht grössten Elektromarkt

“BYD führt die Meute zur nächsten Generation des Automobilbaus, zum Einsatz sauberer Technologien”, prophezeit Rupert Hoogewerf, verantwortlich für die “Hurun Rich List” der reichsten Chinesen. Auch Dieter Zetsche hat eine ähnlich positive Meinung. “Daimlers Know-how beim Bau elektrischer Fahrzeuge und BYDs exzellente Batterietechnologie und e-Drive-Systeme passen ausgezeichnet zusammen”, erklärt der Daimler-Chef.
“Elektrische Fahrzeuge sind im Stadtverkehr besonders geeignet. Wegen seiner grossen Anzahl von Metropolen hat China das Potenzial, zum grössten Markt für emissionsfreie Fahrzeuge zu werden”, so Zetsche. Für die nähere Zukunft sind laut Frost & Sullivan die Aussichten in China dagegen eher bescheiden. Demnach dürften die Verkaufszahlen für Autos mit Hybridantrieb 2010 bei 11 000 Einheiten liegen und 2012 bei rund 30 000. Raum für Wachstum besteht somit noch genügend. Und auch für Träume.

 

Bild: Der e6 von BYD (Auto-Salon Genf).

 

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