Geld für geizige Gebäude

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Geschrieben von: Michael Walther, Bern 05.03.10
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Der Bund fördert die energetische Sanierung von Gebäuden künftig mit 200 Millionen Franken pro Jahr. Heute hat er das Gebäudeprogramm rückwirkend auf Anfang des Jahres in Kraft gesetzt. Gerechnet wird mit 10000 Sanierungen pro Jahr. Seit Januar sind bereits 5200 Gesuche eingegangen. Ab April wird gezahlt.

Ein loses Stück Styropor von der alten Isolation schaukelt in der zügigen Bise hoch oben auf dem Baugerüst des Wohnblocks im Berner Gäbelbachquartier. Aus dem imposanten Kamin steigt weisser Dunst der Zentralheizung in den Himmel. Bald schon soll diese Heizung weniger arbeiten und mit weniger Öl auskommen. Denn der Block wird seit einem Jahr so saniert, dass danach weniger Wärme aus den Wohnungen entweicht. Man wolle dafür sorgen, „dass das Gebäude für die nächsten paar dutzend Jahre fit ist und dass die Nebenkosten langfristig sinken“, sagt André Töngi, Bereichsleiter Immobilien der Genossenschaft FAMBAU, der dieser Bau gehört.

Langfristige Beiträge zugesichert

Zehn Autominuten weiter östlich beschliesst der Bundesrat zur selben Zeit, dass die öffentliche Hand solche Sanierungen ab sofort und auf lange Zeit mit grosszügigen Beiträgen unterstützt. 200 Millionen Franken stellt der Bund jährlich für energetische Sanierungen zur Verfügung und das für die nächsten zehn Jahren. Finanziert wird das Programm über die Teilzweckbindung der CO2-Abgabe. 80 bis 100 zusätzliche Millionen werden von den Kantonen beigesteuert.

Geld auch für kleinere Eingriffe

Auf dem Gerüst des Wohnblocks im Gäbelbachquartier zeigt Architekt Daniel Teuscher, was mit Hilfe dieses Geldes machbar ist: Die Gebäudehülle mit der alten und zu durchlässigen Isolation wird bis auf die Innenwand der Wohnung abgetragen und neu aufgebaut. Die Wand wird dadurch sichtbar dicker. Auch die Fenster werden ersetzt, mitsamt dem Rahmen, der die Wärme zu wenig dämmte. Alles in allem eine teure Sanierung. Das neue Gebäudeprogramm erlaubt aber auch bescheidenere Eingriffe: Geld gibt es auch, wenn nur einzelne Elemente saniert werden, für eine neu isolierte Wand zum Beispiel, oder für den Ersatz der Fenster; natürlich immer unter der Bedingung, dass danach der Isolationswert den Vorgaben des Programms entspricht.

Fachleute beiziehen

Dennoch: „Basteln lohnt sich nicht“, mahnt Walter Kubik, Leiter der Energiefachstelle des Kantons Bern. Schon bei der Planung sei es wichtig, Fachleute beizuziehen. Rund 1000 Experten für die Sanierungsberatung wurden von den Kantonen ausgebildet, unter anderem mit Geld aus dem ersten Stabilisierungspaket des Bundes. Diese Experten können Gebäudeenergieausweise (GEAK) ausstellen, welche aufzeigen, welche Sanierungsmassnahmen sich besonders lohnen. Die Förderbeiträge betragen 70 Franken für Fenster und 40 Franken für Aussenbauteile. Bezahlt wird pro sanierten Quadratmeter. Für ein Einfamilienhaus ergibt sich daraus insgesamt ein Förderbeitrag zwischen 10000 und 20000 Franken, wenn die ganze Aussenhülle saniert wird. Das lohnt sich für Hauseigentümer auch deshalb, weil in den meisten Kantonen die Ausgaben für energetische Massnahmen an Liegenschaften des Privatvermögens von den Einkommenssteuern abgezogen werden können.

Investitionen von über einer Milliarde

Die Fördergelder für die Gebäudehülle kommen vom Bund. Je nach Kanton gibt es von diesem zusätzliche Unterstützung, wenn die Sanierung nach Minergie-Standard durchgeführt wird und wenn für den nach der Sanierung verbleibenden Energiebedarf erneuerbare Energien eingesetzt werden. Auf dem Dach des Wohnblocks im Gäbelbachquartier wurden dafür Sonnenkollektoren installiert. Je nach Kanton werden auch Holzheizungen, Wärmepumpen oder Photovoltaik-Anlagen gefördert. Einen guten Überblick für die Möglichkeiten am jeweiligen Wohnort bietet dafür die Internetseite www.energiefranken.ch.

Zusammen sind diese Massnahmen des Gebäudeprogramms ein wichtiger Pfeiler der Klimapolitik des Bundes, denn rund 40 Prozent des CO2-Ausstosses geht in der Schweiz auf Heizungen zurück. Das neue Programm soll 10'000 Gebäudesanierungen pro Jahr auslösen. Bis 2020 sollen damit 2,2 Tonnen CO2 eingespart werden. Aber auch für das Wirtschaftsklima ist das Gebäudeprogramm vielversprechend: Über eine Milliarde Franken Investitionsvolumen pro Jahr soll das Programm bewirken. Der Bundesrat zweifelt nicht daran, dass die Fördergelder ausgeschöpft werden. Die Anzahl Gesuche, die seit Anfang Jahr eingegangen sind, gibt ihm recht: Es sind bereits 5'200. Erste Fördergelder werden im April ausbezahlt.

Bild: zvg