Schweizer bringen Licht nach Kenia

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Geschrieben von: Yvonne von Hunnius 05.03.10
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Petrollampen sind teure CO2-Sünder. Dank des Schweizer Projektes Solafrica.ch  werden sie in Kenia nun durch Solarlampen ausgetauscht. Der erste Prix Nature-Gewinner Andres Wirz baut mit Kenianern eine Produktions- und Reparaturwerkstätte auf, in der bald auch Lampen für die Schweiz hergestellt werden.

Yvonne von Hunnius: Herzlichen Glückwunsch zum ersten Schweizer Nachhaltigkeitspreis Prix Nature – wissen Sie schon, wofür die 10.000 Franken verwendet werden?

Andres Wirz: Danke. Mit dem Geld habe ich nicht gerechnet, als ich direkt aus Kenia zur Preisverleihung nach Basel geflogen bin. Und momentan bin ich schon wieder bei meinem Studium in Schweden. Wir vom Verein Solafrica.ch werden das Geld sinnvoll und auf nachhaltige Weise in unser Projekt investieren.

Yvonne von Hunnius: Für einen CO2-Bekämpfer kommen da recht viele Flugmeilen für Sie zusammen…

Andres Wirz: Nur nach Afrika. In Kenia und auf Europareisen spare ich CO2. Nach Schweden bin ich mit dem Zug gefahren, schliesslich studiere ich hier nachhaltige Entwicklung und nachhaltiges Energiewesen.  

Yvonne von Hunnius: Wie genau funktioniert das Projekt der Solarlampen?

Andres Wirz: Wir wollen nachhaltig in Kenia Solarwissen aufbauen, für das Land Solarlampen bereitstellen und einen Geschäftszweig aufbauen, der neue Arbeitsplätze schafft. Momentan sind dort Petrollampen verbreitet, die nicht nur viel CO2 emittieren, sondern auch teuer, gesundheitsgefährdend sind und ein Brandrisiko darstellen.
Wir liefern die Einzelteile der kleinen Solarlampen an unsere Partner von KCYP, dem „Kibera community youth programme”, einer kenianischen Organisation, die sich in Kibera bei Nairobi auf Solarprojekte spezialisiert hat. Dort bauen Kenianer sie zusammen – stellen das Holzgehäuse mit Palmholz lokal her. Die Lampen werden dort preiswert verkauft, doch unser Ziel ist auch, den Schweizer Markt zu beliefern. Pro Stück würden wir hier rund 80 Franken verlangen. Nicht viel Geld in der Schweiz, doch durch solche Einnahmen könnten wir dann den Verkauf der Lampen in Kenia quersubventionieren. Wir wollen 2011 ungefähr 3.000 Lampen produzieren.

Yvonne von Hunnius: Und wenn beispielsweise Coop Interesse zeigt, auch 300.0000?

Andres Wirz: Wir würden uns sehr freuen, wenn ein grosses Unternehmen Interesse zeigt. Wir könnten auch grössere Mengen produzieren und sind flexibel. Die Produktion wird schon bald in neue Räume umziehen müssen, weil der Platz nicht mehr reicht. Vor Ort habe ich im letzten Sommer und diesen Februar Jugendliche intensiv darin geschult, wie die Lampen hergestellt und repariert werden.
Das Holz der Kokospalmen ist sehr schön und macht die Lampe auch für den hiesigen Markt attraktiv. Das Kokospalmholz  stammt natürlich aus einer FSC zertifizierten Plantage.

Yvonne von Hunnius: Wie steht es mit dem Interesse vor Ort, am Projekt teilzunehmen?

Andres Wirz: Es ist sehr gross. Wir haben die Teilnahmemöglichkeit an einem Workshop bewusst nicht breit gestreut, sonst hätten wir hunderte Anmeldungen ablehnen müssen. Kibera ist mit rund einer Million Einwohnern einer der grössten Slums in Afrika und liegt südlich von Kenias Hauptstadt Nairobi. Die Zukunftsperspektiven der Slumbewohner sind sehr schlecht. Alle Projektbeteiligten sind deshalb hochmotiviert und im harten Kern des Teams sind sogar zwei Frauen vertreten.

Yvonne von Hunnius: Wie lange brauchen denn die Solarlampen in der Schweiz und in Kenia, bis sie aufgeladen sind?

Andres Wirz: In Afrika können die Batterien locker in einem halben Tag geladen werden. Hier in der Schweiz könnte das bei schlechter Witterung schon vier Tage dauern. Bei Sonnenschein reicht aber auch hier ein Tag. Doch einmal aufgeladen, geben die kleinen LED-Lämpchen bis zu fünf Stunden Licht ab.

Yvonne von Hunnius: Sie sind ausgebildeter Schreiner und studieren Holzingenieurwesen in Biel beziehungsweise im schwedischen Växjö – wie passt Solartechnik und Holz zusammen?

Andres Wirz: Sonnenenergie und Holz sind beide natürliche Energieformen. Und eigentlich ist unsere Lampe mit Holz das beste Beispiel dafür, wie beide Formen sinnvoll miteinander kombiniert  werden können.
Holz ist mein Beruf. Solartechnik war mein Hobby, seit ich mit 16 dem JugendSolarProjekt von Greenpeace beigetreten bin. Hier habe ich auch Markus Gisler von Megasol getroffen, der die Solarlampen entworfen hat und haben dann die Arbeit gemeinsam weitergeführt.

Yvonne von Hunnius: Inwieweit steht Greenpeace Pate bei Solafrica?

Andres Wirz: Die Idee hat sich aus dem JugendSolarProjekt entwickelt. Den  Solarlampen-Bausatz verwendet Greenpeace schon seit zwei Jahren für diverse Workshops in der Schweiz. Jungen Menschen lässt sich die Funktionsweise der Solartechnik in idealer Weise mittels der Bausätze veranschaulichen. Den Kontakt zu unserer Partnerorganisation hat Greenpeace hergestellt und sie unterstützen uns auch in Angelegenheiten des Fundraisings. Auch das SECO und die DEZA haben uns bisher unter die Arme gegriffen. Für die erfolgreiche Weiterführung des Projekts sind wir auf Geldgeber und Sponsoren angewiesen.


Zur Person:
Andres Wirz ist Mitbegründer des Vereins Solafrica.ch und verantwortlich für den Aufbau und die technische Betreuung des Solarlampenprojektes im kenianischen Slum Kibera. Der 25 Jährige lebte als Sohn eines DEZA- Koordinators von 1988-92 in Nepal. Er absolvierte in der Schweiz eine Lehre als Schreiner und begann 2008 seine Ausbildung zum Holzingenieur an der Fachhochschule für Architektur, Holz und Bau in Biel. Er ist seit 2001 ein Aktivmitglied der Kerngruppe des JugendSolarProjektes (JSP) von Greenpeace Schweiz.

 

Bild: Prix Nature/Natur Gala

 

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