Einst pflegte fast jede Bauernfrau ihre eigene Bohnen- oder Kartoffelsorte. Diese hat sie von ihrer Mutter bekommen und gab sie wiederum an ihre Tochter weiter. So entstanden über Generationen tausende perfekt an die Region angepasste Sorten. In den letzten Jahrzehnten ging aber das Wissen rund um die Samenvermehrung immer mehr verloren, Saatgut wurde fortan im Laden gekauft. So kam es, dass von Genf bis Rorschach die gleichen paar Sorten in den Gärten wachsen – Biodiversität ist das nicht. 2010 – Internationales Jahr der BiodiversitätWelche Vielfalt früher in unseren Gärten geherrscht hat, zeigt ein Blick in die Online-Sortendatenbank von ProSpecieRara. Rechtzeitig zum UNO-Jahr der Biodiversität hat die Stiftung die Datenbank stark ausgebaut. Fast 1700 Sorten Gemüse, Ackerpflanzen, Kartoffeln, Getreide, Obst, Beeren, Reben und Zierpflanzen sind nun dort beschrieben und meistens auch bebildert. Dies sind alles Sorten, die ProSpecieRara in den letzen 28 Jahren zusammengetragen hat, Sorten, die traditionell in der Schweiz angebaut wurden. Rare Sorten für jedermann zugänglichDank einem grossen Netzwerk von Sortenbetreuerinnen und Sortenbetreuern, kann das Saatgut dieser fast vergessenen Sorten heute wieder allen zugänglich gemacht werden. Einige Sorten, wie z.B. die Tomate „Baselbieter Röteli“ oder das „Küttiger Rüebli“ können bereits wieder bei Saatgutfirmen oder Coop gekauft werden, andere sind noch den Gönnerinnen und Gönnern von ProSpecieRara vorenthalten. Diese können über die Publikation „Sortenfinder“ direkt bei den Sortenbetreuerinnen gratis Saatgut von über 500 verschiedenen Gemüsesorten beziehen. Wer die Setzlingsanzucht den Profis überlassen will kauft die Setzlinge an einem der ProSpecieRara-Setzlingsmärkte. Der grösste findet am 1. und 2. Mai auf Schloss Wildegg im Aargau statt. Jährlich pilgern rund 10'000 Hobbygärtner zum Schloss und decken sich dort mit den raren Setzlingen ein. Für die einst fast vergessenen Sorten bedeutet dies die beste Lebensversicherung, denn in je mehr Gärten sie angepflanzt werden, desto eher bleiben sie langfristig erhalten – ganz nach dem Motto „Erhaltung durch Nutzung“. Staunende GesichterÜberraschte Gäste sind den Gärtnern spätestens dann gewiss, wenn rot-weiss geringelte Randen, gelber Krautstiel und blaue Bohnen – als Resultat der Biodiversität im eigenen Garten – das Menü bereichern. Zumal die Sorten nicht nur optisch sondern auch geschmacklich zu überzeugen wissen. ProSpecieRara-Setzlingsmärkte 19. März: Saatkartoffelmarkt in San Pietro/TI
ProSpecieRara
Frontseite: Roter Tessinermais (ProSpecieRara). Textseite: So vielfältig können Tomaten sein – auch im eigenen Garten (ProSpecieRara). |