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Geschrieben von: Gabriel Rath, London 24.02.10
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British Airways will Kartoffelschalen und andere Abfälle zu Flugzeugtreibstoff machen. Im Osten Londons soll eine Anlage zur Herstellung von Biotreibstoff entstehen. Allerdings kann damit nur ein Bruchteil des Treibstoffverbrauchs der Fluggesellschaft gedeckt werden. Mit 300 Millionen Dollar will BA auch nur ein Zehntel dessen investieren, was Konkurrent Virgin in die Hand nimmt.

Lebensmittelabfälle und Haushaltsmüll sollen der Fluglinie British Airways (BA) künftig helfen, ihre Schadstoffemissionen zu reduzieren und dabei auch noch Kosten zu sparen. Im Osten Londons will die Fluggesellschaft gemeinsam mit der amerikanischen Solena Group eine Anlage zur Herstellung von Biotreibstoff errichten, in der ab 2014 jährlich aus 500.000 Tonnen Abfall rund 60 Millionen Liter Biotreibstoff hergestellt werden. Die CO2-Einsparungen übertreffen nach Angaben der Fluglinie den Kohlendioxidausstoss der BA-Flotte am benachbarten London City Airport um das Doppelte.

Nur ein halbes Prozent des Jahresverbrauchs

Was eindrucksvoll klingt und von allen Beteiligten inklusive des Londoner Bürgermeisters Boris Johnson in den höchsten Tönen gelobt wurde, entpuppt sich bei näherer Betrachtung bestenfalls „als erster Schritt“ (so der Analyst Howard Wheeldon von BGC Partners). Der Vergleich mit City Airport, Londons kleinstem kommerziellen Flughafen, war von den PR-Leuten wohl mit Bedacht gewählt, denn in der Realität entspricht die erwartete Menge an Biotreibstoff nicht mehr als 0,5 Prozent des derzeitigen Jahresverbrauchs der BA-Flotte.

Zudem hinkt die Luftlinie gegenüber der Konkurrenz weit hinter her: Rivale Virgin verkündete bereits 2008 Investitionen von drei Milliarden Dollar in Biotreibstoff und führte schon im selben Jahr einen Probeflug damit durch. Demgegenüber schweigt BA zwar über die Kosten der Anlage in Ostlondon. Laut Solena liegen sie aber unter 300 Millionen Dollar, also nicht einmal bei zehn Prozent der Investitionen von Virgin.

Zweifel an der Umsetzbarkeit

Zweifel bestehen auch an der Umsetzbarkeit des Projekts ab dem Zieldatum 2014: Nach Angaben des zuständigen britischen Verteidigungsministeriums liegt für den geplanten reinen Biotreibstoff bisher keine Genehmigung vor. Der Sprit soll im Fischer-Tropsch-Verfahren hergestellt werden, bei dem Gase aus Abfallstoffen in BioSynGas verwandelt werden. Zusätzlich sollen während des Prozesses in der Anlage 20 MW Strom entstehen.

BA verweist zwar darauf, dass derartiger Treibstoff in den USA bereits genehmigt ist. Experten bezweifeln aber, dass sich Pläne verwirklichen lassen, ausschliesslich damit zu fliegen. Bisher werden Biotreibstoffe - nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen - herkömmlichem Kerosin nur beigemischt. Flugzeugsprit muss wegen der Belastungen einen höheren Wirkungsgrad haben als etwa Autotreibstoff.

Ein Fragezeichen steht auch hinter den tatsächlichen Kosten des grünen Treibstoffs. Zwar fallen allein in London schätzungsweise im Jahr drei Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an, die Kommunen jubeln bereits über künftige Entlastung durch die BA-Anlage. Kenneth Richter von der Umweltgruppe Friends of the Earth aber meint beispielsweise: „Was passiert, wenn die Ressource knapp oder zu teuer werden sollte? Viele Dinge, die wir als Müll bezeichnen, können wertvolle Rohstoffe für andere Prozesse darstellen.“

Rekordverlust und Streikdrohung

British Airways jedenfalls verspricht sich von der Anlage einen Schritt in Richtung „zukunftsfähige Alternative zu Kerosin“, wie Firmenboss Willie Walsh betonte. Was das Unternehmen derzeit aber fast noch dringender braucht, sind gute Nachrichten für seine Investoren: Nach einem Rekordverlust von über 400 Millionen Pfund im letzten abgelaufenen Geschäftsjahr ringt die Firmenleitung mit den Gewerkschaften seit Monaten um einen Sparplan. Dabei gibt es weiter keine Einigung: Montagabend stimmten die Flugbegleiter mit grosser Mehrheit für einen Streik, wollen aber zugleich die Gespräche fortsetzen.

Bis die Bio-Anlage in Betrieb ist, wird es die heutige British Airways daher möglicherweise nicht einmal mehr geben. Vielleicht ist das der einzige Weg, das Ziel zu erreichen, die CO2-Emissionen bis 2050 um 50 Prozent zu verringern.

 

Bild: British Airways will mit Biotreibstoffen fliegen (Boeing).

 

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