Die Schweiz hat eine riesige Chance. Sie hat die Möglichkeit, Vorreiterin eines nachhaltigen und effizienten Wirtschaftens zu werden. Dazu sollte sie ihre Klimaziele möglichst hoch setzen. Eine Verringerung des Kohlendioxidausstosses um 40 Prozent bis 2020 ist machbar, davon bis zu 25 Prozent in der Schweiz selbst.
Heute verbindet ein Chinese die Schweiz mit Schokolade, Bergen und Banken. In Zukunft soll ihm spontan Cleantech in den Sinn kommen, wenn er an die Schweiz denkt. Unser Land soll weltweit als Leader im nachhaltigen Wirtschaften wahrgenommen werden. Schweizer Eco-Innovation kann weltweit zu Emissionsreduktionen wie auch effizienterer Ressourcennutzung führen. Cleantech soll zum zentralen Faktor der schweizerischen Wirtschaftsstrategie werden. Das ist meine Vision. Und unsere Chance. Die Zukunft der Welt ist eine ökologisch und sozial balancierte. Unsere Wirtschaft kann nur weiterwachsen, wenn wir sauber wirtschaften. Wir müssen global Ressourcen schonen und nachhaltig produzieren – im Einklang mit der Umwelt. Dabei drängt sich die Schweiz als Vorbild geradezu auf. Sie führt schon heute viele Nachhaltigkeits-Ranglisten an. Sie ist zum Beispiel Weltmeisterin in der Nutzung des öffentlichen Verkehrs, beim Bio-Konsum, der Wasserkraft oder beim Recycling. Um die Schweiz als Vorreiterin in Sachen Nachhaltigkeit zu positionieren, gründete die Stiftung FFGS Ende 2009 den Wirtschaftsverband swisscleantech, den ich heute präsidiere. Das Patronatskomitee wird geleitet von Flugpionier Bertrand Piccard. Bereits über hundert Unternehmen haben sich uns angeschlossen, darunter ABB, Ringier, Tritec, SIG, Egon Zehnder und Switcher. Verwandte Themen| { Politik lässt Markt im Stich, 16.02.10 } | | { Von Merkel lernen, 11.02.10 } | | { Reformen jetzt umsetzen, 29.01.10 } | | { Nicht einschlafen, 25.01.10 } | | { Soros wittert grüne Chance, 18.01.10 } | | { Durchbruch nach hektischer Nacht, 19.12.09 } | | { Wirtschaft krisenfester machen, 25.11.09 } | | { Sauberer Druck auf Bern, 19.11.09 } | | { Für eine grüne Wirtschaft, 18.11.09 } | | { Klimamarkt braucht klare Signale, 11.11.09 } | | { Wirtschaft will Nachhaltigkeit, 02.11.09 } | | { Klimaschutz spaltet US-Wirtschaft , 29.10.09 } | | { Impulse kommen aus der Wirtschaft, 08.05.09 } | | { Energie muss teurer werden, 15.04.09 } | | { Erneuerbare verkannt, 26.03.09 } |
Cleantech heisst ja nicht nur, dass man Solarpannels oder Windräder herstellt, sondern es ist ein Qualitätsmerkmal, das für alle Industrien zukunftsweisend ist. Auch ein Metzger kann „cleantech“ sein, wenn er seinen Betrieb nachhaltig führt, das richtige Bio-Fleisch einkauft, in einem Minergie Haus arbeitet, sparsame Kühlgeräte einsetzt, etc. Was unsere Mitglieder verbindet, ist die Einsicht, dass es nur einen Planeten gibt. Und dass es der Markt alleine nicht richten kann. Es braucht eine neue Partnerschaft zwischen Wirtschaft und Staat, auf nationaler und internationaler Ebene - weg vom Neoliberalismus. Eine Marktökonomie, die sowohl nachhaltig wie auch liberal ist. Umwelt und soziale Kosten müssen konsequent dort erhoben wo sie anfallen - zum Beispiel CO2 beim Benzin. Im Wirtschaftschargon: die externen Kosten internalisieren, falsche Subventionen abbauen, in zukunftsträchtigen Bereiche forschen. Zuvor aber braucht es ein klares Ziel, nämlich das der nachhaltigen Entwicklung, und klare Rahmenbedingungen die das Ereichen dieses Ziels sicherstellen - zum Wohle zukünftiger Generationen aller Einwohner dieses Planeten. Nun steht es doch wirklich mehr als in den Sternen. Der Klimawandel ist Realität, inkl. die dadurch verursachten ökonomischen Kosten. Auch „Klimawandel exklusive“ braucht es einen Paradigma-Wechsel in Sachen Wachstum und Verbrauch. Mehr und mehr Menschen, die mehr und mehr Konsum nachstreben, haben nun mal einen dramatischen Effekt auf unseren Rohstoff und Energiebedarf. Neben CO2 gewinnen jetzt bereits Themen wie Wasser, Biodiversität oder Bodenerosion an Beachtung. Es ist simpel: Können wir mehr Wohlstand nicht von mehr Ressourcenkonsum und Emissionen entkoppeln, sieht es in vielerlei Hinsicht schlecht um unsere Zukunft aus. Ganz zu schweigen von der aller anderen Lebewesen. Aber schlecht muss es nicht aussehen - denn es gibt Cleantech! Es wird viel Veränderung und Anstrengung brauchen, aber schaffen können wir es. Gerade Länder wie die Schweiz zeigen, dass es funktioniert. Dass wir durch sauberes Wirtschaften auch weiter wachsen können. Dass Kosten über Lebenszyklen erhoben werden müssen, und Produkte entweder wiederverwendbar oder biologisch aubbaubar. Dass genügend Lebensmittel allen zur Verfügung gestellt werden können, oder dass Immigrationsprobleme am besten mit Ausbildung, Faire Kompensation und vielleicht Landwirtschaft im Heimatland bekämpft wird. In der Schweiz erreichen Recycling Quoten bereits über 80 Prozent, Bio hat Aufwind, und Fair Trade wird mit einer Prämie belohnt. Banken werden grün, Motoren blau und effizienter, und sogar Öl-Chefs sprechen von CO2 Steuern. Es geht doch - und muss jetzt noch breitflächig umgesetzt werden. Geht es ganz ohne 'Zurückschrauben'? Nein, das tut es nicht. Aber sind winterliche Erdbeeren aus weit her und mit dem Flugzeug verfrachtet wirklich nötig? Muss mein Nachbar mit 17 seine Freundin nach Barcelona zum Wochenend-Schoppen ausführen? Sind Austern und Hummer am Bahnhof Winterthur wirklich nötig? Ich denke nein. Auch scheint interessanter Weise wissenschaftlich ziemlich klar zu stehen, dass wir in vielen Westlichen Ländern in der Tat mehr konsumieren als was uns eigentlich am glücklichsten machen würde. Wie dem auch sei. Eine Anpassung a la Cleantech wird unseres Erachtens auf alle Fälle sanfter sein als jede Alternative. Es ist richtig, dass für Teile der Bevölkerung jegliche Anpassung kurzfristig zu einem Problem werden könnte. Dies kann jedoch mit den richtigen Lenkungsabgaben und den dadurch gewonnenen Auffangmitteln stark abgeschwächt werden. Ja, renovierte Wohnungen werden teurer vermietet - sie bieten aber auch mehr Wohnkomfort, brauchen keine oder wenig fossile Energie, und gewinnen an Wert im Laufe der Zeit. Mittel- und langfristig zahlt sich die saubere Lösung immer aus, und zwar zum Wohle aller. Leider ist noch nicht allen klar, dass die Schweiz eine Cleantech-Strategie einschlagen sollte. Dass sie diese Strategie mit einem ambitiösen Klimaziel untermauern und anpreisen sollte. Und dass sie das Erreichen dieses Zieles durch inländische Rahmenbedingungen sicherstellen sollte (um diese dann auch aktiv in die internationale Klimapolitik einzubringen). swisscleantech setzt sich für diese Strategie ein. Wir sind für ein Schweizer CO2-Reduktionsziel von 40 Prozent bis 2020 im Vergleich zu 2040 - von denen mindestens 20 Prozent, wenn nicht 25 Prozent im Inland getätigt werden soll. Das ist erreichbar, und bestes Marketing. Übrigens: Zurzeit arbeiten wir an einer Studie, die die ökonomischen Vorteile einer grünen Vorreiterrolle der Schweiz aufzeigt. Schon jetzt ist klar: Eine nachhaltigere Wirtschaftswelt ist möglich. Und die Schweiz soll vorangehen! Nick Beglinger, 40, ist Präsident von swisscleantech (www.swisscleantech.ch). Bild: Nick Beglinger (Mitte) bei der Vorstellung des neuen Wirtschaftsverbandes swisscleantech am 7. Dezember 2009 in Bern. Links Thomas Vellacott, WWF, rechts Christian Wenger vom Schweizerischen Verband für Unternehmensfinanzierung (Yvonne von Hunnius).
|