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Ulrich Glauber: Sie haben im Wettbewerb „Büro und Umwelt“ im vergangenen September den Preis für Unternehmen bis 20 Mitarbeiter entgegengenommen. Was bedeutet für ihre Agentur ökologisches Verhalten im Büro? Heiko Rittweger: Wir richten uns nach dem Grundsatz, dass nachhaltiges Wirtschaften sinnvoll und zukunftsfähig ist. Das versuchen wir, soweit wie möglich, in den Büroalltag zu integrieren. Wir schauen aber auch, welches Innovationspotenzial in der Nachhaltigkeit liegt. Von diesen beiden Gesichtspunkten aus ergibt sich für uns als Werbeagentur ein gesundes Selbstverständnis, aber auch ein Marktpotenzial. Ulrich Glauber:Sie benutzen den Begriff „klimaneutrales Büro“. Was ist darunter konkret zu verstehen? Heiko Rittweger: Wir haben eine Studie zur Klimaneutralität erstellt. Diese Untersuchung folgt einer Dreiergliederung. Wir haben erstens geschaut, welche Emissionen in der Agentur verursacht werden, haben uns dann in einem zweiten Schritt umgesehen, woher wir klimaneutrale Dienstleistungen beziehen können, und uns dann drittens überlegt, wie wir den Rest unvermeidlicher Emissionen durch Finanzierung von CO2-Einsparung an anderen Orten kompensieren können. So haben wir sichergestellt, dass durch das direkte Agenturgeschäft keine Emissionen entstehen oder dass sie ausgeglichen werden. Ulrich Glauber: In welchem Bereich des Büros kann man nach Ihrer Erfahrung am meisten für die Umwelt tun? Heiko Rittweger: Ich würde gerne noch etwas vorschalten. Wenn man sich mit dem Thema Klimaneutralität und der Prozessanalyse befasst, entwickelt man ein völlig neues Verständnis, wie man die eigenen Arbeitsabläufe auf ihre Nachhaltigkeit hin befragt. Das war für uns die wesentlichste Erfahrung im eigenen Unternehmen, und wir teilen sie auch immer wieder mit unseren Kunden. Dazu gehört übrigens auch die Erkenntnis, dass es ganz unabhängig vom Umweltnutzen ein hohes finanzielles Einsparpotenzial gibt. Man muss dazu halt mal Dinge hinterfragen, die oft einfach nur aus Gewohnheit geschehen. Um ein Beispiel zu geben: Man kann durchaus darüber nachdenken, ob man alle zwei Jahre den Computer rausschmeisst, um möglichst immer den neuesten zu haben, oder ob man solche Zeiträume strecken kann, um schonender mit den Ressourcen umzugehen. Ulrich Glauber: Gibt es noch mehr solcher Beispiele? Ulrich Glauber: Welche Rolle spielt denn die Beschaffung – zum Beispiel von Papier - bei den Bestrebungen nach Klimaneutralität? Heiko Rittweger: Ein Hauptziel von uns ist natürlich, dass wir auf das „papierlose Büro“ hinarbeiten. Das scheitert zum Teil an ganz banalen Vorschriften. Das Finanzamt erkennt beispielsweise bestimmte elektronische Dokumente nicht an. Wir haben übrigens im Wettbewerb „Büro und Umwelt 2009“ als Preis 100.000 Blatt Recycling-Papier geschenkt bekommen, die wir nicht wirklich gebrauchen konnten. Wir haben dieses Papier deshalb dem Gewerblich-Kaufmännischen Berufsbildungszentrum an unserem Standort im thüringischen Suhl geschenkt. Das war mit einer Stunde Unterricht zum Thema Nachhaltigkeit verbunden. Dabei konnten wir einige Vorurteile über Aussehen und Qualität von Recyclingpapier beseitigen. Es war ein hochinteressantes Projekt. Eine jüngere Generation merkt langsam, dass es um ihre Zukunft geht, und zeigt das auch in einer sehr offenen und unkomplizierten Weise. Ulrich Glauber: Was kann man denn nach Ihrer Erfahrung im Bereich Mobilität tun? Heiko Rittweger: Für die Verringerung des Kohlendioxid-Ausstosses ist wohl das wichtigste, dass man möglichst viel mit der Bahn, statt mit dem Auto fährt. Das bringt ja auch einen Riesengewinn an Arbeitszeit. Zudem kann man – je nach regionalen Gegebenheiten – Pendler motivieren, für den Weg zur Arbeit Fahrgemeinschaften zu bilden. Das wirksamste Element ist jedoch die Videokonferenz. Natürlich ist es eine völlig neue Arbeitsweise, aber die Vorteile liegen klar auf der Hand. Ulrich Glauber: Am Internetauftritt Ihrer Firma bieten Sie an, Kunden auch bei CO2-neutralen Internetseiten zu unterstützen. Was ist denn darunter zu verstehen? Geht es um das Prinzip „Tue Gutes und sprich darüber!“? Heiko Rittweger: Ja, es geht um die Imagefrage. Wir haben viele Kunden, die im Biobereich tätig sind und in deren Wertschöpfungskette Nachhaltigkeit ein ganz wesentliches Element darstellt. Da muss man Glaubwürdigkeit ausstrahlen. Man kann natürlich nicht sagen, unser Unternehmen ist besonders nachhaltig, und diesen Aspekt bei der Vorstellung in der Öffentlichkeit, zu der ganz entscheiden die Website gehört, außen vor lassen. Dazu gehört dann selbstverständlich, dass man Provider wählt, die mit Ökostrom arbeiten oder man den Stromverbrauch für das Hosting mit in die Kompensation einbezieht. Wir können nicht darauf abzielen, mehr online zu machen, ohne beim Mehraufwand an Elektrizität auch diesen Aspekt zu beachten. Je mehr Kunden solche nachhaltigen Produkte nachfragen, desto schneller werden die Anbieter Nachhaltigkeit auch zu ihrem Hauptkriterium machen. Ulrich Glauber:Was würden Sie denn dem Selbständigen empfehlen, der in seinem Büro in der eigenen Wohnung ganz allein mit dem Notebook kämpft? Heiko Rittweger: Das erste wäre der Umstieg auf Ökostrom. Dann sollten – vielleicht mit Ausnahme des Anrufbeantworters – alle Geräte, die längere Zeit nicht gebraucht werden, ganz ausgeschaltet werden. Bei uns schaltet der letzte Mitarbeiter, der abends geht, mit dem Licht auch einen Hauptschalter für die anderen Geräte aus. Vor dem Kauf neuer Geräte sollte man – wie gesagt - überlegen, ob man Sie wirklich braucht. Wenn Neuanschaffungen wirklich nötig sind, kann man „grüne“ Produkte wählen, auch wenn sie wegen der Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien und der Verwendung wiederverwertbarer Materialen etwas teurer sind. Das holt man immer wieder rein, wenn man die Nutzungsdauer optimiert. Wichtig ist auch die Vermeidung überflüssigen Materialverbrauchs - vor allem beim Papier. Wo immer es geht, sollte man Dokumente gar nicht erst ausdrucken. Wo es sich gar nicht vermeiden lässt, sollte man natürlich Recyclingpapier benutzen.
Zur Person: Heiko Rittweger (40), hat im Jahr 1991 die Werbeagentur RITTWEGER und TEAM gegründet. Zum Kundenkreis zählen vorrangig Unternehmen der Öko- und Gesundheitsbranche wie auch Institutionen, die sich der Förderung des nachhaltigen Wirtschaftens verschrieben haben. Im Jahr 2009 hat die Agentur mit ihren zehn Mitarbeitern eine der vier Auszeichnungen im Wettbewerb „Büro und Umwelt“ des Bundesdeutschen Arbeitskreises für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M.) gewonnen, der gerade wieder für das laufende Jahre gestartet worden ist.
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