Biomasse soll Öl ersetzen

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Geschrieben von: John Dyer, Boston 09.02.10
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Die amerikanische Regierung will die Produktion von mehr Bio-Kraftstoffen wie Ethanol verstärkt fördern. Ausserdem soll die Technologie der „sauberen Kohle” vorangetrieben werden. Der Ethanol -Anteil am Benzin steigt auf 15 Prozent.

Präsident Barack Obama hofft die Abhängigkeit der USA von ausländischem Öl dadurch zu reduzieren, dass mehr Amerikaner zur Nutzung von Bio-Treibstoffen veranlasst werden, vom Ethanol bis zur „sauberen Kohle.“ Bei einer Sitzung seines Kabinetts mit den Gouverneuren der wichtigsten Energieproduzierenden Bundesstaaten sagte Obama: „Wir dürfen keine Philosophie des entweder Oder haben, sondern eine des Sowohl als Auch, eine, die die traditionellen Energien als noch wichtige für einige Zeit betrachtet. Wir müssen nur Technologien anwenden, um sie sauberer und effizienter zu machen.“  

Obama will alle Seiten beruhigen

Präsident Obama wollte damit offensichtlich wieder einmal die linken Umweltschützer in seiner Anhängerschaft ebenso zufrieden stellen wie die Konservativen, die die neuen „grünen“ Technologien skeptisch sehen. Die Umweltschutzbehörde EPA werde de bestehenden regeln lockern, um einen größeren Anteil von Ethanol im amerikanischen Energie-Mix zu erlauben, kündigte der Präsident an. 2007 hatte der US-Kongress ein Gesetz verabschiedet, laut dem die USA bis 2022 ein Volumen von 36 Milliarden Gallonen Bio-Treibstoff produzieren dürfen. Es gilt jedoch als unwahrscheinlich, dass dieses Ziel erreicht werden kann. Derzeit produzieren die USA 12 Milliarden Gallonen Bio-Treibstoff pro Jahr, bei fast völliger Auslastung der Produktionskapazitäten. Eine US-Gallone sind rund 3, 8 Liter.

Landwirtschaft ist hoch erfreut

Die Mitteilung wurde als ein Sieg der Landwirtschaft gewertet, die mehr Mais anbauen können, um Ethanol zu produzieren. Obama verwies allerdings auf andere Grundstoffe dafür wie Biomasse und insbesondere das Switchgrass.

Das American Farm Bureau in Washington, der grösste Landwirtschaftsverband der USA, begrüsste die neue Regelung als Schritt zur Nutzung der nationalen erneuerbaren Energien, um unabhängiger vom Energieimport zu werden.

Umweltschützer äusserten dagegen Besorgnis, dass dies zu einer Ausdehnung von Ackerland auf Kosten der Wälder führen könne. Tim Searchinger von der Princeton Universität, ein früherer Umweltaktivist, machte drauf aufmerksam, dass die Treibhausgas-Bilanz bei der übertriebenen Nutzung von Biotreibstoffen auch negativ ausfallen könne.

EPA-Direktorin Lisa Jackson stellte klar, dass es bei den geplanten Veränderungen nicht darum gehe, den Farmern zu helfen. Sie widersprach Searchinger. Es gehe nicht darum, eine bestimmte Industrie oder eine bestimmte Form der erneuerbaren Energien vorzuziehen. „Nach dem, was wir heute wissen, gibt es keinen Grund, diese Treibstoffe auszuklammern“, sagte Jackson.

Technische Fragen sind noch offen

Die EPA wird von den Raffinerien verlangen, in den kommenden Jahren dem Benzin 15 Prozent Ethanol beizumischen. Derzeit sind es fünf Prozent. Offen ist, ob sich das aufgrund der Struktur von Produktion und Belieferung in den USA überhaupt so machen lassen wird. Auch ist nicht klar, ob die Autos mit dieser neuen Mischung problemlos fahren können. Bei der EPA heißt es dazu, man wolle die höhere Beimischung, um einen Anreiz für neue Technologien zu geben. 

Die Ölindustrie zeigte sich wenig erneut über die Nachricht. Vor allem, weil die EPA die neue Regelung rückwirkend ab Anfang 2010 einführen will. Deshalb müsse man sich beeilen, um überhaupt das geforderte Jahresziel erreichen zu können. „Die Raffinieren und letztlich die Verbraucher werden für die Unfähigkeit der EPA bestraft, ihre Regelungen rechtzeitig herauszubringen“, erklärte das American Petroleum Institute.
EPA-Chefin Jackson hielt dem entgegen, die Umwelt werde ebenso profitieren wie der US-Fiskus, wenn jährlich fast 42 Milliarden Dollar weniger für Öl-Käufe im Ausland ausgegeben werden müssten. Das entspricht der Menge an Kraftstoff, die 27 Millionen Autos pro Jahr verbrauchen.

Obama setzt auf „saubere Kohle“

Präsident Obama kündigte weiterhin die Einsetzung eines Arbeitskreises an, der neue Technologien studieren soll, um Kohlendioxid in Kohlekraftwerken aufzufangen und zu lagern. Energieminister Steven Chu, ein Nobelpreisträger, geht davon aus, dass diese Technik in zehn Jahren zur Verfügung stehen werde. Obama will bis 2016 auch zehn so genannte „saubere“ Kohlekraftwerke bauen lassen. Auch hier sind die Umweltschützer skeptisch. „Wir stehen mit voller Überzeugung hinter Präsident Obamas Gesamtvision, aber es gibt auch Felder, wo wir nicht übereinstimmen“, sagte Carl Pope, Direktor des Umweltschutzverbandes Sierra Club. „Wir glauben nicht, dass es so etwas wie saubere Kohle wirklich gibt.“

 

Bild: Weisses Haus

 

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