Die Jagd auf das schmutzige Gold

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Geschrieben von: Denis Grigorescu, Bukarest 08.02.10
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Im westrumänischen Apuseni-Gebirge sollen in den kommenden Jahren 317 Tonnen Gold abgebaut werden. Die Regierung erhofft sich Einnahmen von 4 Milliarden Euro. Abgebaut werden soll mit Zyanid. Vor zehn Jahren hatte Zyanid alles Leben in der Theiss ausgelöscht.

Die neue rumänische Regierung will Gold sehen. Rosia Montana, eines der am meisten umstrittenen Bergwerkprojekte, wird deshalb in ihre Programm aufgenommen. Beim Bergwerksprojekt in den westrumänischen Apusenibergen sollen 317 Tonnen Gold und 1600 Tonnen Silber gefördert werden. Nach heutigen Preisen wären sie 8 Milliarden Euro (12 Milliarden Franken) wert. Die Regierung, die mit 20 Prozent am Projekt beteiligt ist, erhofft sich insgesamt Einnahmen von 4 Milliarden Euro über einen Zeitraum von 16 Jahren. „Wir wollen das Projekt so schnell wie möglich beginnen“, sagte Wirtschaftsminister Adriean Videanu Ende Dezember.

Verwendung von Zyanid umstritten

Das Projekt ist seit 2007 blockiert. Damals sistierte das Umweltministerium in Bukarest die Überprüfung des Vorhabens. „Die Genehmigung des Umweltministeriums ist die wichtigste Hürde vor der Aufnahme des Betriebs“, sagt Dragos Tanas, Chef des Betreiberunternehmens Rosia Montana Gold Corporation. Das grösste Hindernis für die Genehmigung des Umweltministeriums wiederum ist die Verwendung von Zyanid für die Gewinnung des Goldes. Denn damit hat Rumänien schlechte Erfahrungen gemacht. Vor zehn Jahren hatte sich bei einem Dammbruch im nordwestrumänischen Bergwerk Borsa eine Zyanidwelle in den Theiss ergossen und alles Leben in diesem Nebenfluss der Donau ausgelöscht. Umweltschutzorganisationen wehren sich deshalb auch vor Gericht gegen die Genehmigung des Goldabbaus in Rosia Montana. Der Abbau ist derart umstritten, dass sich auch die beiden wichtigsten Kandidaten bei den Präsidentenwahlen Anfang Dezember, der alte und neue Amtsinhaber Traian Basescu und der Sozialdemokrat Mircea Geoana, nicht für ihn ausgesprochen haben – obwohl 80 Prozent der Rumänen für das Bergwerk sind.

Konzession unter Verschluss

Umstritten ist auch die Geheimhaltung, die das Vorhaben umgibt. Die Konzession für den Goldabbau wurde bereits 1989, also zum Ende der Ceausescu-Diktatur, an das Staatsunternehmen Minvest Deva vergeben. Später ging sie an die Rosia Montana Gold Corporation über. Deren Aktionäre änderten mehrfach. Hauptaktionär ist die kanadische Gabriel Resources. Deren Abmachungen mit der rumänischen Regierung werden ebenso geheim gehalten wie die Abbaukonzession. Das Parlament in Bukarest forderte 2007, die Unterlagen offenzulegen. Eine entsprechende Aufforderung der rumänischen Bergbaubehörde wurde vom kanadischen Unternehmen abgewiesen.

Goldabbau seit der Steinzeit

Umweltschützer führen die landschaftlichen Schönheiten des Apusenigebirges gegen den Abbau ins Feld. Sie fürchten auch, dass wertvolle archäologische Stätten gefährdet sein könnten. Bereits im Steinzeitalter war in den Bergen Gold abgebaut worden. Als die Römer unter Kaiser Trajan besetzten, errichteten sie die Bergbaustadt Alburnus Maior. Archäologen haben Minen, Friedhöfe und Überreste von Gebäuden gefunden. Im Mittelalter wurde die Goldförderung von deutschen Einwanderern wieder aufgenommen, die vom ungarischen König ins Land gerufen worden waren. Nach den Zerstörungen der Türkenkriege förderten die Habsburger den Bergbau in Siebenbürgen. Nach der kommunistischen Machtübernahme wurden die Bergwerke 1948 verstaatlicht. Allerdings wurde nur minderwertiges Gold abgebaut. Die Förderung musste subventioniert werden und wurde 2006 geschlossen. Doch mit höheren Goldpreisen und neuen Abbaumethoden soll der Bergbau in den Apusenibergen wieder profitabel werden – wenn das Umweltministerium zustimmt.

 

Bilder:  Apuseni-Gebirge (Denis Grigorescu).

 

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