Autohersteller sind elektrisiert

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Geschrieben von: Ulrich Glauber, Bochum 05.02.10
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Die Autohersteller weltweit überbieten sich mit Ankündigungen serienreifer Modelle, die ganz oder teilweise mit Strom betrieben werden. Branchenkenner warnten auf dem diesjährigen CAR-Symposium in Bochum vor einem „Hype der E-Mobilität”.

Ford-Manager Frank Josef Laermann räumte ein, dass die Kraftfahrtzeugindustrie lange geschlafen hat. „Die Branche hat die Elektromobilität bis vor zwei Jahren stiefmütterlich behandelt”, sagte der Entwicklungschef von Ford Europe am Mittwoch bei einer Podiumsdiskussion des Bochumer CAR-Symposiums, das in diesem Jahr einen Rekord von fast tausend Konferenzteilnehmern vermelden konnte. Doch jetzt kommt es darauf an, wer im Wettlauf um die Marktführerschaft serienreifer reiner Elektro-Fahrzeuge die Nase vorn hat - davon zeigte sich in Bochum nicht nur Laermann überzeugt.

E-Offensive auch bei Daimler

So werden Elektroantriebe auch bei Daimler Teil einer förmlichen „Offensive” in Richtung Auto ohne Kohlendioxid-Ausstoss. Daran hat der Entwicklungschef Thomas Weber des Stuttgarter Traditionsherstellers in seinem Vortrag in Bochum keinen Zweifel gelassen. „Die Zeit der Showcars ist vorbei, jetzt müssen wir handeln”, unterstrich das Vorstandsmitglied für Konzernforschung und Mercedes-Benz Cars Entwicklung. Für General Motors und die geplagte deutsche Tochter Opel ist die Perspektive E-Mobilität sogar zum Teil der Hoffnung der Errettung aus allen Nöten geworden. Den Anfang sollen der Chevrolet Volt machen, der in diesem Jahr in den USA zu haben sein wird, und der baugleiche Opel Ampera, der im kommenden Jahr auf dem europäischen Markt eingeführt werden soll.

Skepsis von Experten

Doch bei allem Stolz auf dieses serienmässige Elektroauto, dessen Reichweite von 60 Kilometern durch Aufladen der Batterie mittels Verbrennungsmotor auf 500 Kilometer erweitert werden kann, warnte Opel-Vize Frank Weber auf dem Bochumer Kongress vor übertriebenen Erwartungen. E-Mobilität werde sicher nicht über Nacht eingeführt werden. Für den Opel-Entwicklungschef ist das wichtigste Hindernis immer noch, dass die Batterien weder vom Gewicht, noch von der Kapazität noch vom Preis eine massenhafte Einführung von Elektroautos erwarten lassen.
Einigkeit herrschte in Bochumer jedenfalls, dass die Elektrofahrzeuge auf absehbare Zeit eine Nischentechnologie bleiben werden. Das „sehr ambitionierte” Ziel der deutschen Regierung, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straße zu bringen, ändere daran nichts, so Ford-Manager Laermann. Denn selbst dann würden erst drei Prozent der Fahrzeuge in Deutschland mit Strom betrieben.

Noch viele Fragen offen

Wie viele Fragen es noch zu klären gibt, machte Organisator Ferdinand Dudenhöffer auf einer Medienkonferenz während des Symposions deutlich. Gegenwärtig stürzen sich nach seinem Eindruck zwar viele Stromversorger auf das Thema, weil sie eine völlig neue Einnahmequelle wittern. Die ganze Bandbreite der zu klärenden Fragen zeige allerdings ein Grossprojekt im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen, zu dem sich die Autohersteller mit der Universität (UDE) Duisburg-Essen, der Kölner Rheinenergie AG und die Stadt Köln zusammengetan haben. Mit 25 Ford-Elektrofahrzeugen vom Typ Focus und Transit sollen so unterschiedliche Fragen wie Akzeptanz in der Bevölkerung, veränderte Bedingungen für Geschäfts- und Leasingmodelle im Kraftfahrzeug-Handel als auch die veränderte Anforderungen an die Infrastruktur und Verkehrssicherheitkonzepte untersucht werden, so UDE-Dozent Dudenhöffer.

Auto-Teilen könnte kommen

In Bochum zeigte sich auch, dass sich künftig Branchen für den Strassenverkehr interessieren könnten, die bisher damit noch wenig beschäftigt waren. So denkt offenbar auch der IT-Dienstleister T-Systems über seine künftige Rolle auf diesem Feld nach. Frank Kurth, Head of Delivery Automotive bei T-Systems, machte in Bochum klar, wohin die Reise gehen könnte. Mit der Elektromobilität könnte eine ganz neue Datenvernetzung des Einzelnen verbunden sein. Das reiche von der Frage, wann man das stromgetriebene Auto vor geplanten Fahrten am günstigsten heize oder kühle bis hin zu vollkommen neuen Planungsanforderungen. Denn mit den unterschiedlichen Antriebstechnologien und deren verschiedenen Reichweiten sei durchaus denkbar, dass Autobesitz und Autonutzung auseinanderdriften: Autoteilen und -leihen statt „mein Wagen” in der Garage.

 

Bild: Hier wurde das Elektroauto Chevrolet Volt letztes Jahr in Detroit vorgestellt (John F. Martin für General Motors). 

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