Klimawandel geht an die Börse

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Geschrieben von: Christian Mihatsch, Bangkok 03.02.10
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Investoren hassen Risiken, die sie nicht kennen. Indem die US-Börsenaufsicht Firmen nun zwingt ihre Klimarisiken offenzulegen, ermöglicht sie es den Investoren solchen Risiken aus dem Weg zu gehen. Klimaschädliches Geschäftsgebahren führt so zu Kursverlusten und Missmut bei den Aktionären.

Zur Zeit gibt es wenige Lichtblicke in der internationalen Klimapolitik. Den Klimaverhandlungen droht das gleiche Schicksal wie der Doha-Runde der Welthandelsorganisation – jahrelange, ergebnislose Diskussionen. Und ob das US-Klimagesetz verabschiedet werden kann, ist fraglich, da die Demokraten ihre 60 Sitz Mehrheit im US-Senat verloren haben. Doch nun kommt neue Bewegung ins Spiel. Die US-Börsenaufsicht SEC meldet sich zu Wort.

Nach den Eisbären leiden Investoren

Der Klimawandel ist nicht nur eine Gefahr für Eisbären, sondern auch ein Risiko für börsenkotierte Unternehmen, hat die SEC nun beschlossen. Firmen müssen daher offenlegen, welche Risiken ihnen aus dem Klimawandel erwachsen. Die SEC nennt dabei ausdrücklich mehrere Risiken.

Da sind zum einen die physische Auswirkungen des Klimawandels. So müssen die Ölförderanlagen im Golf von Mexiko bei Hurikanen abgeschaltet werden. Nimmt die Stärke oder Häufigkeit diese Stürme zu, entstehen den Ölfirmen zusätzliche Verluste.

Zum andern zeigen Gesetze und andere staatliche Regulierungen Wirkung. Kommt etwa das US-Klimagesetz durch, dürfte in Zukunft deutlich weniger Kohle verbrannt werden als heute. Dies trifft Minenunternehmen, Kraftwerkbetreiber, aber auch Anlagenbauer. Auch internationale Verträge bergen Risiken. Wird etwa ein wirksamer Schutz der Regenwälder beschlossen, betrifft dies unter anderem die Holzindustrie, Agrokonzerne und Biospritproduzenten. Aber auch bestehende Verträge können gefährlich werden: Derzeit versucht Mikronesien, gerichtlich die Erneuerung eines tschechischen Kohlekraftwerks zu verhindern.

Tschechien beugt sich Mikronesien

Der tschechische Stromkonzern CEZ will ein Kohlekraftwerk erneuern. Daraufhin hat Mikronesien eine grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung verlangt. Denn der Kohlemeiler heizt den Klimawandel an, was zum Untergang Mikronesiens führen könnte. Nun hat der tschechische Umweltminister der Forderung Mikronesiens stattgegeben. Zum ersten Mal wird dieses Rechtsmittel somit nicht zwischen benachbarten Staaten angewandt, sondern über eine Distanz von 12 000 Kilometern. Das Kohlekraftwerk Prunerov könnte so zu einem Präzedenzfall für andere Kohlemeiler werden. Denn gemäss einer neuen EU-Regelung kann jedes Land der Welt gegen den Bau oder die Erneuerung von Industrieanlagen Beschwerde einlegen, die CO2 ausstossen. mic

Schliesslich gibt es auch indirekte Auswirkungen von Entwicklungen in der Geschäftswelt. Während der Klimawandel für die Hersteller von Videokonferenzsystemen ein Konjunkturprogramm ist, riskieren Fluggesellschaften, weniger Business Class Tickets zu verkaufen.

Kohlendioxidemissionen müssen offengelegt werden

Die soeben beschlossene Offenlegungspflicht dürfte für rege Betriebsamkeit in börsenkotierten US-Unternehmen führen. Sie müssen nun systematisch prüfen, welchen Risiken ihr Unternehmen ausgesetzt ist, und diese dann veröffentlichen. Und die Initianten der neuen SEC-Verordnung sorgen dann dafür, dass sich das Risikoprofil im Aktienkurs niederschlägt. Allein die Investoren, die dem „Ceres Investor Network on Climate Change“ angehören, einem Netzwerk von Investoren, verwalten 8000 Milliarden Dollar. Wenn ein Stromkonzern da offenlegen muss, dass er bedauerlicherweise gezwungen sein könnte, alle seine Kohlekraftwerke stillzulegen, düfte das durchaus kursrelevant sein. Hinzu kommt die Forderung der US-Umweltbehörde EPA verlangt, dass Unternehmen ihren Treibhausgasausstoss publizieren. Damit wird die Messung der Emissionen Teil der normalen Buchhaltung und Schritt für Schritt optimiert.

Wenn der Gesetzgeber also nicht in der Lage ist, den CO2-Ausstoss der Wirtschaft zu reduzieren, dann sind es vielleicht die Aktionäre.

 

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