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Steffen Klatt: Die Biodiversität ist das Thema der diesjährigen NATUR. Warum? Daniel Wiener: Es ist naheliegend, weil 2010 das Uno-Jahr der Biodiversität ist. Wir wollen nutzen, dass so viele Menschen den NATUR Kongress besuchen, namentlich Fachleute und Entscheidungsträger aus Organisationen, Unternehmen und Vertretern der öffentlichen Hand. In diesem Jahr werden wichtige Entscheidungen gefällt, vor allem im Zusammenhang mit der Biodiversitätsstrategie der Schweiz. Steffen Klatt: Die Schweiz ist ein grünes Land, die Natur ist fast überall präsent. Wo ist das Problem? Daniel Wiener:Das Problem liegt vor allem in der Zersiedelung. Das führt dazu, dass die Homogenisierung zumindest der besiedelten Gebiete so weit fortgeschritten ist, dass viele Biotope fehlen oder nicht mehr vernetzt sind. In der Landwirtschaft sind die Biohöfe isoliert. Das hemmt die Artenvielfalt im ländlichen Raum. Strassen und Bahnlinien zerstückeln die Landschaft zusätzlich. Es braucht daher eine Strategie, die sicherstellt, dass die Schweiz ihre bisher hohe Artenvielfalt und damit auch ihren eigenen Reiz erhöht. Biodiversität braucht es aus ethischen Gründen, weil wir Respekt haben sollten vor den anderen Arten. Biodiversität braucht es aber auch aus wirtschaftlichen Gründen, weil die Natur eine wichtige Ressource darstellt und die Grundlage der Evolution bildet. Steffen Klatt: Was kann NATUR für die Biodiversität tun? Daniel Wiener:Es ist bereits die fünfte NATUR. Sie besteht wieder aus einem Kongress, einem Festival und einer Messe. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die NATUR als Gesamtveranstaltung sehr starke Impulse setzt für die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Gruppen der Gesellschaft. Das ist die wichtigste Wirkung der NATUR. Die Beteiligten lernen etwas, haben Freude am Thema, können sich vernetzen. Wir betonen aber auch den Festcharakter. Deshalb haben wir dieses Jahr neu auch die NATUR Gala ins Leben gerufen. Dazu liegen bereits weit über 600 Anmeldungen vor. Steffen Klatt: Wer kommt an die NATUR? Daniel Wiener:An die NATUR Messe kommen etwa 40000 Menschen aus allen Schichten aus der ganzen Schweiz. Unser Schulprogramm mobilisiert allein über 2000 Schülerinnen und Schüler. Wir sehen auch, dass die Besucher sehr lange an der Messe bleiben. Man kann einen ganzen Nachmittag bei uns verweilen und sich dabei bestens unterhalten, ernähren, weiterbilden, Menschen treffen, aber auch Tiere. Das NATUR Festival besteht aus Sonderschauen, die in die Messe integriert sind. Der NATUR-Kongress zieht vor allem Fachleute an, aber auch interessierte Nicht-Profis. Steffen Klatt: Wie hat sich NATUR in diesen fünf Jahren entwickelt? Daniel Wiener:Alle Elemente der NATUR waren von Anfang an ein Erfolg. Wir hatten sowohl an der Messe als auch am Kongress sofort eine sehr grosse Resonanz. Wir hatten immer rund 40000 Besucher an der Messe und 700 bis 800 Teilnehmer am Kongress. Aber sowohl die Messefläche als auch die Qualität der Veranstaltungen hat in diesen Jahren zugenommen. Als wir NATUR lanciert haben, war Nachhaltigkeit ein Randthema in der Gesellschaft. Wir wollten es wieder auf die Agenda setzen. Jetzt sind die NATUR-Themen in den Mittelpunkt gerückt. Damit ändert sich auch die Funktion der NATUR. Früher kamen die Teilnehmer, um sich zu informieren. Heute geht es mehr darum, was man zusammen tun kann. Es geht um Handlungsmöglichkeiten. Steffen Klatt: Die NATUR ist also zu einer Möglichkeit geworden, Einfluss zu nehmen in der Gesellschaft. Daniel Wiener:Genau. Es ist eine Mischung aus Information, Kommunikation und gemeinsamem Handeln. Dazu gehört aber, wie gesagt, auch der Festcharakter. Steffen Klatt: Was ist von der fünften NATUR-Ausgabe zu erwarten? Daniel Wiener:Wir möchten mit dem NATUR Kongress das Bewusstsein dafür stärken, dass die Biodiversität auf drei Säulen ruht: Artenvielfalt, genetische Vielfalt und die Vielfalt der Lebensräume. Es reicht also nicht, Blumen oder Vögel zu zählen. Wir wollen mit Hilfe von NATUR eine stärkere Kooperation zwischen den verschiedenen Akteuren sicherstellen. Ein Beispiel: Es kann nicht sein, dass der Biolandbau stagniert. Da müssen wir Biobauern zusammenbringen mit Detailhändlern, Behördenvertretern und Medienleuten, um diese grosse Bewegung weiter zu fördern. Steffen Klatt: Wird es an der NATUR konkrete Forderungen an die Politik geben? Daniel Wiener:Umweltorganisation werden in einem Manifest darlegen, wie die Biodiversitätsstrategie der Schweiz aussehen sollte. Bereits im Plenum werden die Chefs der zuständigen Bundesämter in einer Art Elefantenrunde unmittelbar zu diesen Forderungen Stellung nehmen.
Daniel Wiener ist Initiant und Organisator von NATUR-Der 5. NATUR-Kongress findet am 12. Februar im Musical Theater Basel statt, in unmittelbarer Nähe des NATUR Messegeländes. Die NATUR Gala – das Schweizer Jahresfest der Nachhaltigkeit – ist am gleichen Abend, ebenfalls im Musical Theater Basel. An diesem Anlass vergibt eine prominente Jury erstmals den „Prix NATURE – den Schweizer Nachhaltigkeitspreis“. Die NATUR Messe mit integriertem NATUR Festival dauert vom 11. bis 14. Februar. Weitere Informationen: www.natur.ch Daniel Wiener ist Geschäftsleitungsmitglied von ecos. Das Basler Unternehmen unterstützt seit 25 Jahren Unternehmen, öffentliche Hände und Verbände interdisziplinär bei der strategischen Planung und Umsetzung ihrer nachhaltigen Entwicklung. Darüber hinaus ist Daniel Wiener an zahlreichen Initiativen im Bereich Umweltschutz und Klimapolitik beteiligt. Weitere Informationen: www.ecos.ch
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