Sonnenlicht am Ende des Tunnels

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Geschrieben von: Steffen Klatt, Abu Dhabi 19.01.10
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Die erneuerbaren Energien sind von der Krise hart getroffen. Vielen Banken ist die Finanzierung grosser Projekte zu heikel. Doch die Krise hat auch positive Aspekte: Sinkende Preise lassen das Ende der Abhängigkeit von staatlicher Förderung in greifbare Nähe rücken.

Bertrand Piccard begeistert die Energiebranche. Der Flugpionier aus Lausanne hat am Montag am World Future Energy Summit in Abu Dhabi sein Solarimpulse-Flugzeug vorgestellt. In zwei Jahren könnte Piccard als erster Mensch die Welt mit einem solargetriebenen Flugzeug die Welt umrunden. Piccards Botschaft an das Treffen der erneuerbaren Energiebranche: „Wir schaffen es.“

Erneuerbare in der Krise

Kein Wunder, dass Piccard damit die Chefs von Unternehmen, die in erneuerbaren Energien tätig sind, begeistern konnte. Denn die Branche braucht solche Visionen. Sie ist noch nicht wettbewerbsfähig geworden. Ohne staatliche Subventionen rechnen sich erneuerbare Energien nicht. In den vergangenen Jahren hatte sie immerhin hohe Wachstumsraten von bis zu 30 Prozent im Jahr aufzuweisen. Aber das ist seit Herbst 2008 vorbei. Das hat zu einem mit einer radikalen Kürzung der spanischen Förderung für Solarenergie zu tun. Das hat aber vor allem damit zu tun, dass Banken als die wichtigsten Geldgeber nicht mehr im gleichen Mass wie zuvor bereit waren, grosse Projekte zu finanzieren. Doch Windparks auf hoher See etwa kosten Hunderte Millionen.

Schon 2013 wettbewerbsfähig?

Ausgerechnet die Krise kommt nun der Branche zugute. Denn die Preise gerade bei der Photovoltaik sind teilweise um über ein Drittel gesunken. Oerlikon Solar, ein führender Anbieter von Produktionsanlagen für Dünnfilm-Photovoltaik, erklärte gestern, dass es die Modulkosten 2009 um 25 Prozent senken konnte. In diesem Jahr will der Schweizer Anbieter die Kosten um weitere 30 Prozent verringern. Bei anderen Anbietern ist es ähnlich.

Die Folge: Die Wettbewerbsfähigkeit auch ohne staatliche Förderung rückt in greifbare Nähe. „Die deutsche Solarindustrie rechnet damit, dass Strom aus Solar schon 2013 billiger sein wird als herkömmlich produzierter Strom“, sagte der deutsche Umweltstaatssekretär Jürgen Becker in Abu Dhabi. Aus Sicht von Adel El Gammal, Generalsekretär der Vereinigung der europäischen Photovoltaikindustrie, kann Photovoltaik schon 2020 in drei Vierteln Europas wettbewerbsfähig sein.

Auch anderswo herrscht Optimismus. „Der Wandel des Energiesektors hat sich beschleunigt“, sagte Wolfgang Dehen , Chef des Energiesektors bei Siemens. Er nannte den Start des Desertec-Projekts, mit dem Sonnenstrom aus der Sahara nach Europa gebracht werden soll, und den raschen Ausbau der Windkraft vor der britischen Küste.

Staat soll weiter helfen

Doch bis es so weit ist, setzt die Industrie weiter auf staatliche Hilfe. Tom Curtis, Co-Chef von Deutsche Bank Climate Advisers, lobte das deutsche Modell der Einspeisevergütung. Damit habe Deutschland seit Anfang der 90er Jahre nicht nur den Anteil der erneuerbaren Energien auf 16 Prozent gehoben, sondern auch Zehntausende Arbeitsplätze geschaffen. Sonnenreiche Länder wie Italien und Griechenland hätten die Entwicklung verschlafen – und die Chance zur Schaffung von Arbeitsplätzen verpasst.

Es müssen nicht immer Subventionen sein, wie Schweden zeigt. Noch in den 80er Jahren seien die Gebäude zu 90 Prozent mit fossilen Energieträgern geheizt worden, sagt Wirtschaftsminister Ola Alteraa. „Jetzt sind es noch zehn Prozent.“ Das Mittel: eine CO2-Abgabe. „Der Staat muss den Preis richtig setzen, den Rest erledigt die Wirtschaft.“

Vorbilder nötig

Zumindest grosse Unternehmen mit tiefen Taschen haben sich ohnehin nicht von der Krise abschrecken lassen. Die amerikanische General Electric hat seit 2002 über eine Milliarde Dollar in Windenergie investiert, der Ölmulti BP seit 2005 4 Milliarden Dollar in verschiedene Formen der erneuerbaren Energien. Die deutschen Stromriesen Eon und RWE, deren Schwerpunkt immer noch auf Kohlestrom liegt, investieren ebenfalls massiv in Windkraft. RWE geht auch in die Energieeffizienz und bietet Stromverbrauchern an, bei er Senkung ihres eigenen Verbrauchs zu helfen. Laut Norbert Verweyen, Chef der RWE Effizienz GmbH, will das Unternehmen künftig auch ein Instrument anbieten, den Stromverbrauch besser zu verwalten.
Damit Verbraucher und Investoren die neuen Möglichkeiten nutzen, braucht es Vorbilder. Walter Steinmann, Chef des Bundesamtes für Energie in Bern, nannte in Abu Dhabi ein anderes Schweizer Beispiel, die Monte Rosa Hütte auf dem Gornergrat bei Zermatt. Auf 2883 Metern über dem Meer kann die Berghütte auf 95 Prozent der nötigen Energie selber erzeugen. Was heute Ausnahme ist, dürfte in wenigen Jahrzehnten die Regel sei. Oder wie es die Generaldirektorin der neuen Internationalen Agentur für erneuerbaren Energien sagt: „Aus Häusern werden Kraftwerke.“

 

Bild: China drängt als neue Grossmacht auf den Markt für erneuerbare Energien. Auch am World Future Energy Summit waren zahlreiche Unternehmen aus dem Reich der Mitte vertreten, besonders Hersteller von Photovoltaikelementen. (Steffen Klatt)

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