Nachhaltigkeit ist der Motor des Gewinns, sagt Christian Hunziker. Seine Gebäudetechnikfirma in Winterthur macht vor, was das heisst: Energieeffizienz, Senkung des Wasserverbrauchs, Förderung von Frauen und des regionalen Kulturlebens. Damit ist das Unternehmen erfolgreich. Der Umsatz wächst. Hunziker will UVA sein – ums Verrecken anders.
Steffen Klatt: Seit 2002 ist die Hunziker Partner AG kohlendioxidfrei. Was heisst das? Christian Hunziker: Wir haben unseren gesamten CO2-Ausstoss zusammengerechnet und dafür bei Myclimate und vorher noch anderen Anbietern CO2-Kredite gekauft. Wir wollten damit zeigen, dass es möglich ist, kohlendioxidfrei zu sein. Damit haben wir wieder aufgehört, als das CO2-Gesetz gegriffen hat. Steffen Klatt:Das heisst, Sie haben Ihren Kohlendioxidausstoss mit Klimaschutzmassnahmen anderswo kompensiert. Haben Sie auch selber Ihren Kohlendioxidausstoss verringert? Christian Hunziker: Ja, sicher. Wir haben Büromöbel aus Papier… Steffen Klatt:Möbel aus Papier? Christian Hunziker: Genau. Das sieht aus wie eine Holzplatte. Oben und unten ist Pavatex, in der Mitte Altpapier. Es gibt dieses Produkt leider nicht mehr. Wir haben im Bürogebäude ein Blockheizkraftwerk. Wir heizen mit Erdgas und produzieren gleichzeitig Strom. Wir haben eine Regenwassernutzung. Damit sparen wir Wasser. 30 Prozent unserer Fahrzeuge fahren mit Kompogas. Steffen Klatt:Was bringt das? Christian Hunziker: Wir haben trotz steigenden Umsatzes unseren CO2-Ausstoss verringert. Steffen Klatt:Was sagt Ihr Buchhalter dazu? Schlägt sich das in den Geschäftszahlen nieder? Christian Hunziker: Ich bin der Buchhalter. Die CO2-Kredite haben 5000, 6000 Franken gekostet, bei einem Umsatz von jetzt 17 Millionen Franken. Das ist nicht so viel. Steffen Klatt:Öbu, das Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften, erwähnt auf Proofit.ch, dass Sie auf der Jagd nach einsparbarem Benzin Arbeitsstunden eingespart haben. Christian Hunziker: Das ist eine ältere Geschichte. Wir haben unseren Mitarbeitenden die Fahrzeuge abends nach Hause mitgegeben, damit sie ihre Arbeitszeit auf der Baustelle und nicht in der Werkstatt beginnen konnten. Das spart Benzin und Arbeitszeit. Verwandte Themen| { Bauherren in der Pflicht, 12.01.10 } | | { Nachhaltig im eigenen Haus, 08.01.10 } | | { Wachstum dank Klimaschutz, 09.11.09 } | | { Wirtschaft will Nachhaltigkeit, 02.11.09 } | | { Nicht nur für Gutmenschen, 05.10.09 } | | { Nachhaltigkeit exportieren, 06.08.09 } | | { myclimate ehrt Klimaprojekt, 23.06.09 } | | { Der Königsweg der Sanierung, 08.06.09 } | | { Wirtschaft braucht neue Regeln, 24.02.09 } | | { Wachsen mit Minergie, 02.02.09 } | | { Fortschritt nach Schweizer Art, 16.01.09 } |
Steffen Klatt:Sie beschränken Nachhaltigkeit nicht auf Energieeffizienz. Unter anderem achten Sie darauf, Frauen zu beschäftigen. Warum? Christian Hunziker: Weil Frauen anders denken. Dabei achten wir auch darauf, welche Frauen wir anstellen. Normal ist es ja so, dass Männer diejenigen Frauen anstellen, die wie Männer strukturiert sind. Wir versuchen, Frauen einzustellen, die so sind wie Frauen. 52 Prozent der Menschen auf der Welt sind Frauen. Gemäss Umfragen hören viele Männer, die einkaufen, auf Frauen. Das heisst, dass 70 bis 80 Prozent der Kaufentscheidungen von Frauen getroffen werden. Wenn man das vergisst, macht man etwas falsch. Ich weiss aber nicht, ob sich das bei uns in den Zahlen niederschlägt. Steffen Klatt:Halten Sie trotzdem daran fest? Christian Hunziker: Wir sind eine sehr technische Unternehmung. Aber wenn ich mich umschaue, dann haben wir im Vergleich einen sehr hohen Frauenanteil. Ich weiss nicht, ob wir deshalb oder trotzdem Erfolg haben. Aber es gibt eine gute Stimmung im Betrieb. Steffen Klatt:Sie haben ein Kulturprozent. Ahmen Sie damit die Migros nach? Christian Hunziker: Ja. Das habe ich von der Migros abgeschaut. Derzeit ist es ein bisschen weniger, weil die Zeiten härter geworden sind. Es schwankt zwischen 0,3 und 1 Prozent des Umsatzes. Steffen Klatt:Warum machen Sie das? Christian Hunziker: Kennen Sie das Wort UVA? Steffen Klatt:Nein. Christian Hunziker: Ums Verrecken anders. Wir wollen es ein bisschen anders als andere machen. Steffen Klatt:Die Liste derer, die aus Ihrem Kulturprozent unterstützt werden, ist lang. Wie wählen Sie aus? Christian Hunziker: Wir haben kein Konzept und wollen auch keines haben. Wir machen es nach unserem Gutdünken, nach Lust und Laune. Steffen Klatt:Die Hunziker Partner AG ist eine lokal und regionale Unternehmung. Entspricht Ihr Kulturprozent der Unterstützung des örtlichen Fussballklubs durch eine lokale Bauunternehmung? Christian Hunziker: Wir unterstützen eben nicht nur den Fussballklub oder das Sommertheater, sondern den Rockklub oder die Musikfestwochen in Winterthur. Steffen Klatt:Warum versuchen Sie nachhaltig zu sein? Christian Hunziker: Ich glaube, dass Nachhaltigkeit der Motor für Gewinn ist. Steffen Klatt:Inwiefern? Christian Hunziker: Unternehmungen, die gesamtheitlich denken, wissen, dass sie für gute Produkte gute Mitarbeitende und gute Kunden brauchen. Da sind bereits soziale Aspekte drin. Wenn man dann noch daran denkt, die Umwelt so wenig wie möglich zu belasten, dann geht das in die gleiche Richtung. Wenn man von Anfang an daran denkt, nachhaltig zu arbeiten, dann kostet das nicht mehr Geld. Nachhaltigkeit bringt einen besseren Ruf. Und wenn die Gesetze verschärft werden, dann hat man sie schon vorweggenommen. Sowohl im Artikel 2 der Bundesverfassung als auch im Artikel 6 der Verfassung des Kantons Zürich ist die Nachhaltigkeit vorgesehen. Unternehmen müssen ein Spiegel der Gesellschaft sein, um in dieser Gesellschaft Produkte entwickeln und verkaufen zu können. Steffen Klatt:Ist Hunziker erfolgreich? Christian Hunziker: Ja. Zu wenig, aber das hat etwas mit der Branche zu tun. Vor zehn Jahren hatten wir einen Umsatz von 5 bis 6 Millionen Franken Umsatz, jetzt liegt er bei 17 Millionen. Steffen Klatt:Sind Sie wegen oder trotz der Nachhaltigkeit erfolgreich? Christian Hunziker: Wir sind kein nachhaltiges Unternehmen, sondern ein Unternehmen, das nachhaltig arbeitet. Wir bekommen von den Kunden keinen Franken mehr, weil wir nachhaltig sind. Aber unsere Kunden finden es angenehm, dass wir nachhaltig tätig sind. Zur Person: Christian Hunziker ist Geschäftsführer des Gebäudetechnikunternehmens Hunziker Partner AG in Winterthur. Die 1932 von Christian Hunzikers Vater als Sanitärtechnikunternehmen gegründete Firma bekennt sich seit 1992 zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Von den 60 Mitarbeitenden sind 8 Frauen. 2005 wurde Hunziker Partner AG von Pro Patria und dem Arbeitgeberverband Schweiz zum familienfreundlichsten Unternehmen des Landes gewählt. Im vergangenen Jahr wurde das Unternehmen vom deutschen Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie als „exzellente Wissensorganisation“ ausgezeichnet. Christian Hunziker ist unter anderem Mitglied des Vorstands von Öbu, dem Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften.
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