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Die pelzigen Pollentaxis

Geschrieben von: Roland Schuler, Pro Natura 14.01.10
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Pro Natura hat die Langhornbiene zum Tier des Jahres 2010 gewählt. Die «pelzigen Pollentaxis» zählen zu den rund 580 Wildbienenarten in der Schweiz und stehen für die unglaubliche Vielfalt der wertvollen Wildbienen. Das Tier des Jahres 2010 macht auch auf die Millionen von «unsichtbaren» Insekten aufmerksam, die unsere bensgrundlagen – die Biodiversität – aufrecht erhalten.

Mit ihrem besonderen Pelz und den langen Fühlern fällt das Tier des Jahres 2010 auf unter den Wildbienen. Besonders ist auch die spezielle Liebe der Langhornbienen zur Hummel-Ragwurz, eine Orchideen-Art: Die Langhornbienen sorgen für die Bestäubung dieser Orchideen-Art. Die Pflanze imitiert dabei den Geruch und die Form eines Langhornbienen-Weibchens und drückt beim vermeintlich amourösen Besuch dem Bienen-Männchen ihre Pollen auf den Kopf. Mit diesem Paket fliegt das Männchen als «Pollentaxi» weiter und bestäubt ungewollt eine nächste Hummel-Ragwurz. Diese hochspezialisierte Abhängigkeit ist ein eindrückliches Beispiel für die fragilen Wechselwirkungen der Biodiversität. Dieses Verständnis will Pro Natura mit der Wahl der Langhornbiene und mit ihrer Kampagne «Biodiversität – jede Art zählt!» der Bevölkerung vermitteln.

Für Millionen von «unsichtbaren» Arbeiterinnen

Die Wahl der Langhornbiene zum Tier des Jahres 2010 betont die Bedeutung der Millionen «unsichtbaren» Insekten für die Biodiversität – die Lebensgrundlage für uns alle. 45 Prozent aller Wildbienen stehen in der Schweiz auf der Roten Liste der gefährdeten und bedrohten Arten. Die Bestäubung von Pflanzen ist eine unbezahlbare Dienstleistung aller Wildbienen. Verschwinden diese fleissigen Summer, verarmt die Vielfalt der Pflanzen und mit ihr die Nahrungsgrundlage für Mensch und Tier.

Steckbrief der Langhornbiene

Die Langhornbienen (z.B. Eucera nigrescens) fallen auf unter den Wildbienen, auch wenn sie nur 13-16 Millimeter lang sind: Ihre Fühler («Hörner») sind so lang wie ihr Körper und sie haben einen pelzigen Rücken. Sie fliegen etwa von Mitte März bis Anfang August. Für die Nahrungssuche sind Langhornbienen auf die Pflanzenfamilie der Schmetterlingsblütler angewiesen. Das sind Pflanzen wie der Wundklee, die Wiesenplatterbse oder die Zaunwicke. Daher findet man das Tier des Jahres 2010 vor allem auf artenreichen Trockenwiesen, in Hochstamm-Obstgärten oder in Lehmgruben. Die Langhornbienen kommen in der ganzen Schweiz (ausser im östlichen Graubünden) vor, meist unterhalb von 700 m.ü.M. In der Schweiz leben rund 580 Wildbienenarten. Weltweit sind sogar 16'000 Arten nachgewiesen. Knapp die Hälfte aller Wildbienenarten in der Schweiz sind auf der Roten Liste der gefährdeten oder bedrohten Arten. Langhornbiene (Eucera) ist ein Gattungsname und somit Sammelbegriff für mehrere Eucera-Arten. Je nach Literatur ist die Rede von 4 bis 9 Eucera-Arten in der Schweiz. Im Gegensatz zu ihren Verwandten, der bekannten Honigbienen, leben praktisch alle Wildbienen einzelgängerisch. Honigbienen sind in Staaten organisiert.
Ein ausführliches Dossier zum Tier des Jahres finden Sie unter www.pronatura.ch/tier-des-jahres.

Biodiversität – was ist das?

Biodiversität, das ist die Vielfalt des Lebens in all seinen Formen: Von der Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten über die Vielfalt der Lebensräume oder Ökosysteme bis zur genetischen Vielfalt. Mit dem Schutz der Arten und Ökosysteme und dem Schutz der genetischen Vielfalt sichern wir unsere eigenen Lebensgrundlagen – zum Beispiel für die Ernährung oder für die Medizin. Das Jahr 2010 wurde von der UNO zum Internationalen Jahr der Biodiversität ausgerufen.

Die Lebensräume der Wildbienen sind bedroht

Die Wildbienen brauchen geeignete Lebensräume für die Nahrungssuche und die Fortpflanzung: Die summenden Insekten leben auf Trockenwiesen und -weiden, Brachen, in Kiesgruben oder in Obstgärten. Besonders wichtig für das Überleben der Wildbienen in der Schweiz sind Lebensräume mit lockerer Vegetation. Denn rund die Hälfte aller Arten – so auch die Langhornbienen – bauen ihre Nester in den Boden. Solche Lebensräume sind in unserer aufgeräumten und überbauten Landschaft am Verschwinden – auch die intensive Landwirtschaft mit Monokulturen und Totalherbiziden raubt den Bienen Nahrung und Nistplätze. Wildbienenschutz ist daher in erster Linie Biotopschutz, aber auch Landschaftsschutz. Für beides macht sich Pro Natura nicht nur in diesem Jahr stark.


Weitere Informationen:
Pro Natura
Roland Schuler, Medienverantwortlicher Deutschschweiz
Telefon: 061 317 92 24
Mibil: 079 826 69 47,  
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt, Du musst JavaScript aktivieren, damit Du sie sehen kannst.

Wolfgang Bischoff, Projektleiter Schutzgebiete und Biodiversität
Telefon:  061 317 91 37
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Bild: Langhornbiene - Tier des Jahres 2010 (Pro Natur/Nicolas J. Vereecken)

 

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