Bauherren in der Pflicht

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Geschrieben von: Nathalie Schoch, Basel 12.01.10
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Doris Leuthard, SwissbauBasel - Die Swissbau 2010 setzt auf nachhaltiges Bauen und Energieeffizienz. Unter dem Motto „An der Zukunft der Schweiz bauen“ präsentieren die Aussteller Innovationen und Forschungsergebnisse. Doch Technik allein reicht nicht. Es braucht auch ein Umdenken der Bauherren.

Doris Leuthard wirbt für nachhaltiges Bauen.  „Wer heute in Energieeffizienz investiert, wird morgen gewinnen“, sagte die Bundespräsidentin gestern an der Eröffnung der diesjährigen Swissbau.  Energie werde teurer und knapper. Daher brauche es neue Technologien, um die Abhängigkeit von Erdöl zu verringern. „Gerade als rohstoffarmes Land müssen wir unabhängig werden“, so Leuthard.

Bauherren in der Pflicht

Die Bauwirtschaft kann dazu einen grossen Anteil leisten: Weit mehr als ein Drittel der Energie wird in Gebäuden verbraucht. „Bauunternehmer stehen in der Pflicht, dabei muss die Qualität im Vordergrund stehen“, sagte die Bundespräsidentin. Allerdings sei die Schweiz vom Idealzustand noch weit entfernt. Niemand wolle verzichten, geschweige denn sparen.

Drei Sonderschauen zur Nachhaltigkeit

Global Building
Anhand von sechs Themeninseln erfahren die Besucher alles, worauf es beim nachhaltigen Bauen ankommt, und zwar von Projektentwicklung und Planung, Bau, Betrieb, Unterhalt und Sanierung bis zu Rückbau und Recycling. Halle 1.Z, täglich.

Woodstock
Der Prototyp eines dreistöckigen energieeffizienten Hauses steht direkt auf dem Messeplatz. Was die Technik an Neustem zu bieten hat, setzt Woodstock eins zu eins um. 

EnergieSchweiz
Baufachleute und Planer erfahren alles Wichtige über das Aus- und Weiterbildungsangebot im Energiebereich. Hauseigentümer können sich neutral beraten lassen, wie sie ihr Haus energieeffizient sanieren können. Halle 1.Z, täglich.

So sieht es auch der  Aargauer Regierungsrat Peter Beyeler, Präsident der Konferenz der kantonalen Energiedirektoren. Die Technik sei längst bekannt, jetzt gelte es, endlich zu handeln. Für eine Küche gebe man gut und gerne 50.000 Franken aus, sagte Beyeler. Doch viele Bauherren investierten ungern in Energieeffizienz. An Informationen mangle es dabei nicht, sagte Christian Hunziker. Der Unternehmer aus Winterthur ist mit seiner Gebäudetechnikfirma Hunziker ein mehrfach ausgezeichnet worden. Aber leider werde das Thema noch viel zu oft unter dem grünen Deckmantel abgetan. „Das ist falsch, denn das Thema betrifft uns alle“, so Hunziker.

Ausbildung mitentscheidend

Die technischen Innnovationen sind längst bereit. Ein Umdenken brauche es hingegen in den Köpfen der Bauherren. Sie müssten beginnen, bei Renditeüberlegungen nicht nur Investitionen, sondern auch die Lebenszykluskosten zu berücksichtigen. „Nebst dem Umdenken in der Gesellschaft ist es auch wichtig, die Baufachleute entsprechend auszubilden“, findet Hunziker. Hier bestehe dringender Handlungsbedarf. Laut dem Bundesamt für Energie gibt es aber bereits solche Massnahmen. Im Rahmen des Programms „energiewissen.ch“ des Bundesamtes für Energie bieten seit 2007 Fachhochschulen in der ganzen Schweiz einen „Master of Advanced Studies in nachhaltigem Bauen“ an.

Die energetische Erneuerung des Gebäudeparks ist allerdings langwierig. Denn zurzeit werden jährlich nur gerade 1,7 Prozent des landesweiten Gebäudebestandes durch Neubau, Umbau oder Sanierung verändert. „Es ist wie beim Zahnarzt: Wenn man die Kontrollen hinausschiebt, wird es immer teurer. Und so verhält es sich auch im nachhaltigen Bauen“, sagt Robert Keller, Präsident von Bauen Schweiz, der Dachorganisation der Schweizer Bauwirtschaft.

Oft wird die Verantwortung hin und her geschoben. Von der Politik zur Wirtschaft, von der Wirtschaft zurück zur Politik, bis sie zum Schluss beim Bauherren liegt. „Es nützt nichts, wenn wir Schuldige suchen, wir müssen handeln“, so Beyeler. Es gebe noch viel zu tun.

Nachhaltiger Komfort möglich

Die diesjährige Swissbau will zeigen, wie nachhaltiges Bauen aussehen kann. Drei Sonderschauen bringen das Thema auf den Punkt, Global Building, Woodstock und EnergieSchweiz. Einer der Höhepunkte ist die Raumzelle „Self“. Von aussen sieht es aus wie ein Schiffscontainer, drinnen wie ein hoch moderner Wohnwagen.  Self ist aber vor allem eine energie- und wasserunabhängige Raumzelle zum Wohnen und Arbeiten für zwei Personen, komplett mit Schlafraum, Nasszelle und Küche ausgestattet, die die Forschungsinstitute Empa und Eawag für neue Gebäudekonzepte und Energietechnologien erproben. Es soll den Beweis erbringen, dass Wohnen ohne Komforteinschränkung möglich ist, auch wenn man lediglich auf natürliche Energiequellen zurückgreift.

Auch die Monte Rosa-Hütte in Zermatt, die auf 2883 Metern über Meer liegt, macht an der Messe von sich reden. Das Projekt der ETH Zürich ist weltweit einzigartig und versorgt sich zu 90 Prozent aus natürlichen Energiequellen. Der Bau war eine logistische Meisterleistung. Früher ein typisch bergsteigerisches Steinhüttchen thront es jetzt hochmütig als moderner, unförmiger Glaskomplex auf dem Gletscher. Und wo man früher ins separate WC-Häuschen hinabsteigen musste, geniesst man heute Dusche und Toilettensitzungen im grünen Luxushotel. 

Noch bis zum 16. Januar trifft sich in Basel die Bau- und Immobilienwirtschaft.  Weit über 100‘000 Besucher werden erwartet. Rund 1200 Aussteller aus 21 Ländern stellen ihre Produkte und Neuheiten zur Schau.

 

Bild: Bundespräsidentin Doris Leuthard eröffnet die Swissbau 2010 (MCH Messe Schweiz (Basel) AG).


 

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