Für innovative Immobilienbesitzer schafft das Jahr 2010 viele Anreize. Vor allem wenn es darum geht, in Energieeffizienz und erneuerbare Energien zu investieren. Denn der grosse Geldtopf soll für alle reichen.
Am 4. Januar starteten der Bund und die Kantone das Gebäudeprogramm. Es dauert zehn Jahre und unterstützt in der Schweiz die energetische Sanierung von Gebäuden und den Einsatz erneuerbarer Energien. Dafür werden jährlich 280 bis 300 Millionen Franken locker gemacht. Doch sonderlich beeilen muss sich der Bauherr für die Gesuchsstellung nicht, denn der Bundesrat muss die rechtlichen Grundlagen erst noch verabschieden. Energieverbrauch reduzierenWer in Energieeffizienz investiert, für den zahlt sich der Profit gleich dreifach aus: Man profitiert von Fördergeld, langfristig tiefen Energiekosten und erhöht den Marktwert seiner Liegenschaft. Dass man zudem einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leistet, ist ein schöner Nebeneffekt. In der Schweiz fallen 40 Prozent des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen im Gebäudebereich an. Wer seine Liegenschaft intelligent und effizient saniert, kann den Wärmebedarf und den damit verbundenen CO2-Ausstoss um bis zur Hälfte reduzieren, schreibt die Nationale Dienstleistungszentrale des Gebäudeprogramms in ihrer Medienmitteilung. Verwandte Themen| { In nachhaltige Gebäude investieren, 12.11.09 } | | { Grüne Immobilien sind mehr wert, 05.10.09 } | | { Nicht nur für Gutmenschen, 05.10.09 } | | { Coop bietet Minergiehäuser an, 30.09.09 } | | { Banken belohnen Bauherren, 14.09.09 } | | { Energieautarke Berghütte, 14.07.09 } | | { Der Staat verschenkt grünes Geld, 19.06.09 } | | { Der Königsweg der Sanierung, 08.06.09 } | | { Auf kleinerem Fuss leben, 13.02.09 } | | { Wachsen mit Minergie, 02.02.09 } |
Das Hemmnis GeldTrotz all dieser Vorteile wurde in der Schweiz bis anhin jährlich nur ein Prozent des Gebäudestandes energetisch saniert. Das mag wohl daran liegen, dass energieeffiziente Sanierungen das Portemonnaie belasten. Doch gibt es weitere Hemmnisse: „Eine solche Sanierung ist zeitintensiv, der immaterielle Zusatznutzen wie Wertbeständigkeit ist für viele Investoren zu wenig greifbar“, erklärt Cornelia Büttner, Mediensprecherin der Nationalen Dienstleistungszentrale, Ernst Basler und Partner AG. Dazu komme, gerade für ältere Personen eine Sanierung weniger in Frage, weil sich die Kosten einer Sanierung nicht mehr wirklich amortisieren liessen. Heizkosten sparenUnter Berücksichtigung der Förderbeiträge ist eine klimabewusste Erneuerung jedoch nicht unbedingt teurer. Und genau hier will das Gebäudeprogramm ansetzen. Je nach Gebäudehülle fallen die Höhe der Kosten ebenso wie die CO2-Einsparung sehr unterschiedlich aus. Für ein typisches Schweizer Einfamilienhaus beträgt das CO2-Einsparpotenzial bei bis zu zwei Tonnen pro Jahr. „Damit lassen sich gut 900 Franken Heizkosten einsparen“, so Büttner. Nur für ältere Gebäude Hinter dem Gebäudeprogramm stehen sowohl die Kantone als auch der Bund. Entwickelt wurde es von den Kantonen, vertreten durch die Konferenz kantonaler Energiedirektoren (EnDK), gemeinsam mit dem Bundesamt für Energie (BFE) und dem Bundesamt für Umwelt (BAFU). Die wichtigsten und in allen Kantonen einheitlichen Bedingungen für Fördergelder sind: - die Liegenschaft wurde vor dem Jahr 2000 erstellt - nur beheizte Gebäudeteile - der Beitrag für das Gesuch muss ohne kantonale Zusatzförderung mindestens 1000 Franken betragen - das Gesuch muss vor Baubeginn eingereicht werden - ein Baubeginn vor Erhalt der Förderzusage erfolgt auf eigenes Risiko - keine Unterstützung, wenn man bereits von der Stiftung Klimarappen Fördergeld erhalten hat Gesuchsanträge: www.dasgebaeudeprogramm.ch Das individuelle Einsparpotenzial einer Liegenschaft kann beim Gebäudeenergieausweis der Kantone (GEAK) berechnet werden. Ein grosser Geldtopf macht es möglichFür die Sanierung der Gebäudehülle stellt der Bund jährlich 133 Millionen Franken zur Verfügung. Je nach Kanton entstehen ergänzende Förderprogramme für erneuerbare Energien, Abwärmenutzung und Haustechnik. Hierzu gilt zu beachten, dass jeder Kanton seine eigenen Richtlinien aufstellen kann. Auf jeden Fall stellen die Kantone zusammen 80 bis 100 Millionen Franken dafür bereit. Damit nicht genug: Weitere 67 Millionen Franken kommen aus der Teilzweckbindung der CO2-Abgabe. Während zehn Jahren können somit insgesamt bis zu 300 Millionen Franken jährlich für Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbare Energien eingesetzt werden. Verbesserte BedingungenAber war da nicht noch die Aktion der Stiftung Klimarappen? Das Gebäudeprogramm 2010 löste diese Ende 2009 ab. Das Fazit nach vier Jahren: Mehr als 7000 Projekte mit Fördergeldern von bis zu 175 Millionen Franken konnten gesprochen werden. Dies bedeutet eine CO2-Reduktion von insgesamt 0.2 Millionen Tonnen. Oder greifbarer formuliert: Die Menge entspricht einem Verbrauch von rund 75 Millionen Litern Heizöl oder jährlichen CO2-Emissionen von zirka 28.000 Personen. Beim Klimarappen gab es einen hohen Mindestanteil der Gebäudehülle, also mehrere Bauteile gleichzeitig, die saniert werden mussten, um Fördergeld zu erhalten. Im neuen Gebäudeprogramm wird auch die Sanierung von Einzelbauteilen wie beispielsweise die Fenster oder das Dach gefördert. Weiter werden nicht nur fossil beheizte, sondern alle Gebäude beitragsberechtigt sein. Bewilligung abwartenGesuchsformulare können seit dem 4. Januar auf www.dasgebaeudeprogramm.ch heruntergeladen und eingereicht werden. Bis im März erhalten alle Gesuchsteller eine Eingangsbestätigung mit dem Hinweis, dass die eingegangenen Gesuche geprüft, aber vorerst nicht bewilligt werden können. Die Bewilligung kann erst erfolgen, wenn der Bundesrat die rechtlichen Grundlagen geschaffen hat. Wer also nach Einreichung des Gesuches mit dem Bau beginnt, ohne die Bewilligung abzuwarten, tut dies auf eigenes finanzielles Risiko. Panik sollte auch deswegen nicht ausbrechen, weil die Verantwortlichen davon ausgehen, dass die Fördergelder für alle reichen. Sollten wider Erwarten zu viele Gesuche eintreffen, sei laut Büttner längerfristig auch eine Anpassung der Beitragssätze möglich.
Bild: Minergie-Haus Dornach (Renggli AG).
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