Wasser kennt keine Grenzen

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Geschrieben von: Annegret Mathari, Genf 07.01.10
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Zuviel oder zu wenig Wasser kann bei grenzübergreifenden Gewässern zum Anlass von Konflikten werden. Um dies zu verhindern, plädiert die Wirtschaftskommission der UNO (UN-ECE) in einer Studie für eine Zusammenarbeit der Anrainerstaaten.

Zu viel oder zu wenig Wasser ist bei den meisten extremen Klimaereignissen im Spiel. Und Wasser kennt wie der Klimawandel keine Grenzen. Die Länder müssten sich daher anpassen und dabei zusammenarbeiten, fordert die Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen (UN-ECE) in ihrer in Genf veröffentlichten Publikation „Guidance on Water and Adaption to Climate Change“. Vor allem Dämme, Reservoirs oder Deiche können bedeutende Auswirkungen auf Anrainerstaaten haben. Was tun, wenn ein Land am Oberlauf eines Flusses einseitig einen Damm baut, um während Trockenzeiten Wasser für seine Bevölkerung zu gewährleisten, damit aber das Wasser am Unterlauf stark reduziert? Der UN-ECE-Führer will solche Situationen vermeiden. Grundlage dafür ist die UN-ECE-Wasserkonvention über den Schutz und Gebrauch von grenzübergreifenden Wasserläufen und internationalen Seen, die bislang von der EU-Kommission und von 35 Staaten, darunter die Schweiz und Deutschland, unterzeichnet worden ist. Die Konvention verlangt, dass die Mitgliedstaaten das grenzübergreifende Gewässer „vernünftig und gerecht“ nutzen und dabei die Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigen. Die Gefahr schwindender Wasserressourcen kann das Konfliktrisiko erhöhen, warnt die UN-ECE. Eine Zusammenarbeit auch bei der Anpassung an den Klimawandel könne dagegen Lösungen ermöglichen, indem etwa das geografische Gebiet für geplante Massnahmen erweitert werde. Der Bericht wendet sich vor allem an Politiker und an Personen, die sich in den Ministerien mit Wassermanagement befassen.

Verschmutzung und Versiegelung

Die Wasserversorgung und –nutzung kann durch verschiedene Faktoren beeinträchtigt werden: Eine wachsende Urbanisierung führt oft zu Verschmutzung, zu Versiegelung von Landflächen und zu einem Verlust von Wäldern und Feuchtgebieten, hält der Bericht fest. Die Landwirtschaft etwa kann einen hohen Wasserverbrauch durch veraltete Bewässerungssysteme verursachen und beeinträchtigt oft Oberflächen- und Grundwasser. Künftig wird sich auch der Klimawandel zunehmend auf Flüsse und Seen auswirken. Der Führer bietet einen Rahmen, um Schritt für Schritt eine Strategie zur Anpassung an den Klimawandel zu entwickeln. Er empfiehlt unter anderem, den institutionellen Prozess zu definieren, durch den Massnahmen geplant und umgesetzt werden sollen: Es soll bestimmt werden, bei welchen Behörden die Entscheidungen liegen auf der grenzübergreifenden, nationalen und lokalen Ebene. Festgelegt werden soll weiter, wo sich die Verknüpfung zwischen diesen Ebenen befindet. Bedürfnisse und Prioritäten sollen durch die Einbeziehung der betroffenen Gemeinden oder Gemeinschaften festgelegt werden.

 

Vorhersagen und Renaturierung

Im Einzugsgebiet von Rhein und Donau etwa ist die Zusammenarbeit der Anrainerstaaten bereits vorangeschritten und kann für die mehr als 150 grenzübergreifenden Flüsse und 50 Seen in der UN-ECE-Region als Beispiel dienen. Nach den schweren Überschwemmungen im Rheingebiet 1993 und 1995 entwickelte die Internationale Kommission für den Schutz des Rheins (ICPR) einen Aktionsplan für eine Periode bis 2020. Eine 2008 geschaffene Expertengruppe soll nach einer Bestandesaufnahme Anpassungsmassnahmen für das ganze Einzugsgebiet formulieren. Das Ziel ist, mögliche Auswirkungen des Klimawandels für den Rhein vorherzusagen, darunter Dauer von Hoch- beziehungsweise Tiefwasserstand oder von Wassertemperaturen. In den vergangenen drei bis vier Jahrzehnten kam es bereits zu Änderungen bei diesen Parametern, wie eine Erhebung ergab. Nun werden Synergien gesucht, um sowohl vor Überschwemmungen zu schützen, als auch das Ökosystem zu erhalten sowie die Wasserqualität zu verbessern. Thema sind weiter die Trinkwasserversorgung sowie die Schifffahrt bei tiefem Wasserstand. Die Umsetzung der Massnahmen sowie deren Finanzierung liegen in der Verantwortung der Staaten im Einzugsgebiet.

Eindeichungen fordern Menschenleben

Auch die Anrainerländer der Donau haben sich 1998 in einer Internationalen Kommission zum Schutz der Donau (ICPDR) zusammengeschlossen und bis 2009 einen Plan für das Wasser-Management erarbeitet. Die Nutzung grosser Teile der eingedeichten Uferstreifen unter anderem für die Landwirtschaft hatte zu verstärkten Überschwemmungen geführt. Bei den Hochwassern 2005 und 2006 kamen Dutzende Menschen ums Leben und Tausende wurden vertrieben. Die Schäden in Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Moldawien beliefen sich 2005 auf 625 Millionen Dollar. Es wird erwartet, dass der Klimawandel künftig zu häufigeren und schwereren grossen Überschwemmungen beiträgt. Bereits im Jahr 2000 hatten Bulgarien, Rumänien, Moldawien und die Ukraine auf Initiative des WWF beschlossen, über 2200 Quadratkilometer eingedeichte Uferstreifen zu renaturieren, die zu einem Gebiet von insgesamt 9000 Quadratkilometern des grünen Korridors an der unteren Donau zählen. Damit sollen die Hochwasser gemildert, die Artenvielfalt gefördert sowie die Wasserqualität und auch die Existenzgrundlagen verbessert werden. Bis 2008 waren mit rund 470 Quadratkilometern 14 Prozent des geplanten Gebiets renaturiert worden. Einige Vorteile sind bereits sichtbar: Allein der renaturierte 21 Quadratkilometer grosse Polder der rumänischen Donau-Insel Babina - also das hinter dem Deich liegende Marschland - kann 35 Millionen Kubikmeter Hochwasser aufnehmen, wie die Autoren hervorheben. Die Studie führt insgesamt rund 40 Fallbeispiele für grenzübergreifendes Wassermanagement an. Die UN-ECE umfasst 56 Länder an, darunter auch die USA, Kanada und Israel sowie Staaten Zentralasiens. Die UNO-Organisation besteht seit 1947 und ist eine der fünf regionalen Kommissionen der Vereinten Nationen.

 

Bild:

Frontseite: Eine Demonstration in Brüssel im Dezember 2008 gegen den Verkauf von Wasser an Unternehmen (Caroline Ausserer).

Textseite: Der Ilısu-Staudamm ist ein Teil des türkischen Südostanatolien-Projekts. Dieses Wasserkraftwerk soll den Tigris kurz vor der Grenze zu Syrien und Irak im überwiegend kurdisch bewohnten Südosten des Landes aufstauen (Stop Ilisu - Rettet Hasankeyf!).

 

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