Kampf um Windmühlen

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Geschrieben von: John Dyer, Boston 29.12.09
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Cape Wind, MassachusettsBoston - Der Windpark vor Kap Cod an der Küste von Massachusetts ist umstritten. Zum einen soll er Vorreiter anderer Anlagen in den USA werden. Zum anderen gibt es Widerstand, weil reiche Küstenbewohner –die Kennedys – nicht auf Windräder schauen möchten.  

Vor der malerischen Küste von Kap Cod in  Massachusetts soll ein gewaltiger Windpark entstehen. Das Projekt ist umstritten, nicht nur, weil es vor einem der schönsten Küstenabschnitte und beliebten Wassersportreviere entstehen soll, sondern auch, weil es in den USA noch immer Gegner eines Umsteigens auf erneuerbare Energien gibt. Denn dieses Projekt könnte zu einem Modell für zukünftige Projekte der sauberen Energiegewinnung in Amerika werden.

Minister kündigt rasche Entscheidung an

US-Innenminister Ken Salazar kündigte eine Entscheidung über die Baugenehmigung für die allernächste Zukunft an. Der Windpark soll 130 Turbinen-Türme im Nantucket Sound mit einer Höhe von 110 Metern haben. Das eine Milliarde Dollar teure Projekt soll so viel Strom produzieren, dass damit 400.000 Haushalte versorgt werden können. Davon jedenfalls gehen die Betreiber Cape Wind Associates of Boston aus. Die Genehmigung gilt inzwischen als wahrscheinlich, weil sich auch der Vorsitzende des Ausschusses für Energie Unabhängigkeit und globale Erwärmung im US-Repräsentantenhaus, Edward Markey, dafür ausgesprochen hat. Markey ist Präsident Obamas verlängerter Arm im Kongress, wenn es um die Durchsetzung von Klimaschutzzielen geht. Markey hat in einem öffentlichen Brief an Innenminister Salazar erklärt, ein Ja der Regierung hätte die Position der USA beim Weltklimagipfel in Kopenhagen gestärkt. „Die Genehmigung dieses Windparks als erstes kommerzielles Offshore-Projekt rechtzeitig zur UN-Konferenz hätte einen starken Eindruck auf die internationalen  Teilnehmer hinsichtlich der Rolle der USA gemacht “, schrieb Markey.

Kennedys wollen nicht auf Windmühlen blicken

Der demokratische Abgeordnete aus dem Bundesstaat Massachusetts, allerdings nicht aus dem Distrikt von Kap Cod, hatte das Projekt zunächst nicht unterstützt, weil der kürzlich verstorbene Senator Edward Kennedy zu seinen Lebzeiten dagegen gewesen ist. Der berühmte Familiensitz der Kennedys würde genau auf diesen Windpark blicken. Zumindest, wenn die ursprünglichen Pläne aus dem Jahre 2001 verwirklicht werden. Das Argument von Senator Kennedy gegen das Projekt war, dass durch die Beeinträchtigung der Küstenlinie in dieser Ferienregion dem Fremdenverkehr und damit dem ganzen Bezirk mehr Schaden als Nutzen gebracht werde.

„Wenn der Entscheidung der wirtschaftliche Nutzen und nicht irgendwelche politischen Erwägungen zugrunde liegt, dann wird das Projekt durchgehen“, sagt Audra Parker von einer lokalen Aktionsgruppe, die das Projekt bekämpft. Mit dem Tod von Kennedy haben die Projektgegner ihren mächtigsten Verbündeten verloren. Barbara Hill von der Gruppe Clean Power Now, die sich für den Windpark einsetzt, meint, dass der Abgeordnete Markey wie auch Senator John Kerry aus Massachusetts  im Grunde für die Verwirklichung dieses Projekts gewesen seien, das aber mit Rücksicht auf Kennedy zurückgestellt hätten.

Indianer halten Projekt auf

Der Präsident der Firma Cape Wind, Jim Gordon, meinte, Markeys Brief zeige, dass man in Washington immer mehr auf die Unterstützung der grünen Technologien setze. Er sei dem Kongressabgeordneten Markey dankbar, dass dieser das Potential von Offshore-Anlagen zur Produktion von saubererer Energie anerkenne und damit den USA helfe, dem Klimawandel zu begegnen, Jobs zu schaffen und Energieimport-unabhängiger zu werden. Auch bei einer Genehmigung durch den Minister könnten weitere bürokratische Hürden die Verwirklichung des Vorhabens behindern. So haben zwei Stämme der Wampanoag-Indianer vor kurzem durchgesetzt, dass die Bucht von Nantucket in das Nationalregister historischer Landschaften aufgenommen wird. Das kann den Bau des Windparks verzögern, wenn auch nicht völlig aufhalten.

Die Befürworter des Wind-Projektes sind verärgert. „Ich respektiere die Wampanoags, aber diese Entscheidung ist lächerlich“, sagte der Gouverneur von Massachusetts, Deval Patrick. „Wir müssen uns ernsthaft um alternative Energie bemühen, wo sie Sinn macht.“ Und dieses Projekt mache sowohl aus Umweltschutzgründen als auch aus raumplanerischer Sicht Sinn.

Energie im Ozean gewinnen

Das Windprojekt am Kap wird von vielen als ein Modell für ähnliche Anlagen angesehen, die auch in größerer Entfernung von der Küstenlinie gebaut werden könnten, wo sie auf weniger Widerstand stoßen würden. „Unserer wahre Möglichkeit der Ozean-Energie liegt im Tiefwasser-Projekten“, sagt Professor Habib Dagher von der Universität Maine. Er hat vor kurzem vom Energieministerium ein Darlehen von acht Millionen Dollar erhalten, um damit schwimmende Turbinen zu bauen. Diese können viele Meilen vor der Küste schwimmen, werden kaum mehr stören und dennoch Energie produzieren.

 

Bild: www.capewind.org

 

 

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