Kunden fordern Klimaschutz

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Geschrieben von: Steffen Klatt, Kopenhagen 28.12.09
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Peter Botschek, CeficDie Chemieindustrie befürwortet Klimaschutz, vorausgesetzt, dass damit nicht ihre Wettbewerbsfähigkeit eingeschränkt wird, sagt Peter Botschek. Die Chemie ist ein grosser Verbraucher von Öl und Gas. Doch der Verbrauch konnte trotz steigenden Umsätzen stabil gehalten werden.

Steffen Klatt: Die Chemieindustrie ist ein grosser Verbraucher von Öl. Was tut die Industrie, um diese Abhängigkeit zu verringern?

Peter Botscheck: Eine der grossen Leistungen der chemischen Industrie ist es, in den letzten zehn Jahren dramatisch die Energieeffizienz gesteigert zu haben. Das kann man daran erkennen, dass der Ausstoss seit den 90er Jahren um 60 Prozent gestiegen ist, während der Energieverbrauch gleichgeblieben ist. Gleichzeitig sind die Emissionen von Treibhausgasen um 20 Prozent gesunken. Die Effizienz ist also gesteigert worden. Diese Steigerung wurde weniger aus  Klimaschutzgründen und mehr aus ökonomischen Gründen gesteigert. In Europa haben wir in Bezug auf Energiepreise in einer unbequemen Situation. Wir sind umgeben von Industrie, aber die Preise sind hoch. Das war der Treiber für die europäische Chemieindustrie, die Effizienz so weit wie möglich zu steigern.

Steffen Klatt: Wie konnten die Treibhausgasemissionen sinken, während der Energieverbrauch gleich geblieben ist?

Peter Botscheck: Das ist zum grossen Teil darauf zurückzuführen, dass wir mehr und mehr mit der Kraft-Wärme-Kopplung arbeiten. Wir eliminieren zudem andere potente Treibhausgase wie die Fluorgase.

Steffen Klatt: Die Chemieindustrie braucht fossile Energieträger auch als Rohstoffe. Wie sieht es da mit der Effizienz aus?

Peter Botscheck: Es ist tatsächlich so, dass die Chemie, so wie wir sie heute kennen, ohne fossile Rohmaterialien wie Erdgas und Öl nicht denkbar ist. Auch die modernsten Materialien, die wir heute benutzen, basieren auf Kohlenstoffketten, die wir aus diesen natürlichen Vorkommen extrahieren. Das wird auch in absehbarer Zukunft so bleiben. Das sagen auch die Internationale Energieagentur und andere internationale Agenturen: Bis jetzt haben wir noch nicht den Quantensprung geschafft, der es uns erlaubt, unsere Rohmaterialien aus nachwachsenden Rohstoffen zu gewinnen.

Steffen Klatt: Ist also die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen noch grösser als die von fossilen Energieträgern?

Peter Botscheck: Das ist zweifellos so. Jedenfalls im Moment. Es wird aber fieberhaft nach Lösungen gearbeitet. Es gibt vielversprechende Ansätze, etwa dass man Rohstoffe aus Kartoffeln oder aus anderen Pflanzen gewinnen kann. Das steckt aber noch in den Kinderschuhen. Dafür würden aber auch grosse Flächen gebraucht, die dann für die Nahrungsmittelproduktion wegfallen würden.

Steffen Klatt: Die Chemie produziert Vorprodukte für  eine ganze Reihe von Wirtschaftszweigen. Leistet sie  auf diesem Weg einen Beitrag zum Klimaschutz?

Peter Botscheck: Absolut. Die Wirtschaft bewegt sich immer mehr in die Richtung, dass sie massgeschneiderte Lösungen entwickelt, die der Verbraucher verlangt. Wenn der Verbraucher Materialien verlangt, die effizient mit Treibhausgasen umgehen, und nach der Emissionsbelastung der Materialien fragt, dann muss sich die Industrie darauf einstellen. Sie muss nachweisen, wie sie diese Materialien herstellt, und dass sie das klimafreundlich tut.

Steffen Klatt: Welche Lösungen und  Produkte liefert die Chemieindustrie, mit denen das Klima geschützt werden kann?

Peter Botscheck: Eine ganze Reihe. Schon jetzt werden viele Lösungen angeboten. Dabei geht es nicht nur um neue Erfindungen. Wenn ich etwa an leichte Materialien denke, an Isolationsmaterial, Grundstoffe für die Herstellung von Solaranlagen: All das gibt es schon. Oft ist es nicht ein technisches Problem, sondern der Gesetzgebung und der Umsetzung dieser Gesetzgebung: Wie wird ein Umfeld geschaffen, in dem der Hauseigentümer es für lohnenswert ansieht, sein Haus mit den neuesten Isolationsmaterialien zu isolieren.

Steffen Klatt: Ein grosses Chemieunternehmen, die belgische Solvay, ist Sponsor von Solarimpulse, dem Solarflugzeug von Bertrand Piccard. Gibt es andere ähnliche Projekte?

Peter Botscheck: Das ist ein glänzendes Beispiel, wie die Chemieindustrie sich einbringen kann in innovative Technologien und dies auch sichtbar machen kann anhand eines sehr inspirierenden Projektes. Ich wünsche mir, dass noch mehr Chemieunternehmen vergleichbare Projekte unterstützt. Auch in der Mobilität auf der Strasse und auf dem Wasser gibt es sicher lohnende Forschungsprojekte, die man sichtbar unterstützen könnte. Damit könnte man zeigen, wie vielfältig die Lösungen sind, welche die Chemieindustrie anbieten kann.

Steffen Klatt: Wo steht Cefic im Klimaschutz? Würde Ihr Verband die EU unterstützen, wenn sie bei der Einschränkung des CO2-Ausstosses weitergehen wollte als bisher angekündigt?

Peter Botscheck: Grundsätzlich sind wir der Klimapolitik gegenüber sehr positiv eingestellt, sofern sie das Machbare im Auge hat und Perspektiven gibt. Es würde aber gefährlich werden, wenn wir in Europa eine Politik einschlügen, die zu einseitig voranginge. Es wäre gefährlich, wenn die Unternehmen in Europa einseitig mit Kosten belastet würden, die andere Länder nicht betreffen. Das würde unsere Wettbewerbsfähigkeit dramatisch verschlechtern. Das würde auch den Beitrag schmälern, den die Chemieindustrie in Europa leisten könnte. Das ist ein Spannungsfeld. Wir sehen den Ehrgeiz des Europäischen Parlaments und der Europäischen Kommission, grosse Schritte zu machen, zur Not auch allein. Das ist ein grosses Risiko für Investitionen und Arbeitsplätze in Europa.

Steffen Klatt: Würden Sie akzeptieren, wenn die EU ihre Treibhausgasemissionen um 30 Prozent bis 2020 reduzierte, ohne dass die USA Verpflichtungen in vergleichbarer Grössenordnung übernähme?

Peter Botscheck: Das wäre schwer zu akzeptieren. Natürlich sind wir keine Guerillaorganisation, die eine solche Politik untergraben würde. Allerdings würden wir schon hoffen, dass einer solchen Verpflichtung der EU auch eine Folgeabschätzung zugrunde gelegt würde: Wie kann es erreicht werden? Welche Mittel stehen zur Verfügung? Wie wird das finanziert? Denn im Grunde genommen, hat die Europäische Union schon heute ein Instrument an der Hand, der Industrie Massnahmen aufzuerlegen. Sie kann die Emissionsrechte zwangsweise verringern und zu einem Kauf zu zwingen. Allerdings gibt es da ein grosses Risiko in Bezug auf Investitionen und Arbeitsplätze in Europa.

Steffen Klatt: Friends of the Earth haben Cefic als Kandidaten für den Preis der zornigen Meerjungfrau für den schlimmsten Lobbyisten gegen eine wirksame Klimapolitik gehandelt. Hätten Sie diesen Preis akzeptiert?

Peter Botscheck: Wir hätten diesen Preis stolz akzeptiert, weil wir darin eine Anerkennung unserer Arbeit sehen. Das zeigt, dass unsere Bemühungen zur Beeinflussung und Gestaltung von Politik auch von anderen gesehen werden. Wir werden als eine effiziente Organisation angesehen.

Steffen Klatt: Das hiesse aber auch, dass Sie als Klimasünder angesehen werden.

Peter Botscheck: Wir würden natürlich nicht dem zustimmen, was in der Preisverleihung behauptet wird, nämlich dass wir die politischen Ziele der Europäischen Union untergraben und dass wir für unsere Unternehmen eine Freifahrt in Sachen Klimaschutz verschaffen wollten. Im Gegenteil: Wir versuchen, das Machbare im Klimaschutz zu erreichen und darüber hinaus die Wettbewerbsfähigkeit und die Klimafreundlichkeit unseres Sektors zu fördern.

Steffen Klatt: Sie sind also kein Klimasünder?

Peter Botscheck: Wir sehen uns nicht als Klimasünder.

 


Zur Person:

Peter Botscheck ist als Direktor von Cefic, dem Verband der europäischen Chemieindustrie, für Energie, Gesundheit, Sicherheit und Umweltschutz verantwortlich.

 


 

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