Wer zu spät kommt...

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Geschrieben von: Steffen Klatt, Kopenhagen 19.12.09
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Diese Klimakonferenz ist hart am Abgrund vorbeigeschlittert. Am Samstagmorgen, nach mehr als 24 Stunden Verhandlungen, gab es einen kurzen Augenblick, in dem Verhandlungsleiter Lars Lökke Rasmussen die Nerven zu verlieren schien. Ein Wort des überforderten dänischen Ministerpräsidenten und der Gipfel wäre beendet gewesen. Damit wäre die mit Erwartungen überfrachtete globale Klimapolitik zusammengebrochen.

Der Gipfel hat mit einem Ergebnis geendet, und das allein ist kaum zu überschätzen. Denn alle jene Staaten und Staatengruppen, die wie Europa eine wirksame Klimapolitik eingeführt haben, können nun weiter gehen. Ein Fiasko in Kopenhagen hätte alles bereits Erreichte zu untergraben.

Zudem verpflichten sich erstmals alle wichtigen Verschmutzer, ihren Kohlendioxidausstoss zu verringern. Sowohl die USA als auch die grossen Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien folgen nun dem Beispiel Europas, wenn auch mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Die Welt hat damit den Weg fort vom fossilen Zeitalter eingeschlagen – auch wenn sie auf diesem Weg erst einige Tippelschritte vorangekommen ist.

Schliesslich haben die Industrieländer in ihrer Gesamtheit das Prinzip anerkannt, dass sie die ärmsten Länder der Welt im Kampf gegen den Klimawandel und bei der Anpassung an dessen Folgen unterstützen müssen. Ab 2010 wird gezahlt. Das mag aus der Sicht des reichen, aber überschuldeten Westens zunächst eine Last sein. Sie bindet aber die Interessen von Industrie- und Entwicklungsländer aufs spürbarste zusammen. Wenn der erste Dollar, Euro oder Franken geflossen, wenn dafür das erste Stück westlicher Technologie gekauft worden ist, dann möchten beide Seiten es nicht mehr missen. Und wenn das der Fall ist, wird die Bewältigung des Klimawandels keine Verhandlungssache mehr sein, sondern wirtschaftlicher Alltag.

Damit wird auch der einzige Nachteil der Einigung von Kopenhagen entfallen: Am Kompromiss beteiligen sich nicht alle Länder. Künftig aber werden diejenigen, die abseits stehen, gute Geschäfte verpassen. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Auch in der Klimapolitik.



 

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