Er hätte den Klimagipfel retten können, aber er tat es nicht. Barack Obama kam mit leeren Händen nach Kopenhagen. Bleibt es dabei, droht er zu einer tragischen Figur zu werden. Den Preis bezahlen die anderen: diejenigen, die unter dem Klimawandel leiden, und diejenigen, die ihn wirksam bekämpfen wollen.
Er kam, sprach und ging. Barack Obama forderte zwar den Klimagipfel auf, von Worten zu Taten überzugehen. Man solle jetzt handeln, statt das Problem weiter auf eine lange Bank zu schieben. Aber Obama beliess es bei Worten. Und sie waren diesmal, gegen seine Gewohnheit, nicht einmal beeindruckend. Die Rede, die er in Kopenhagen hielt, war blass. Sein Vorredner, der Brasilianer Lula da Silva, hatte viel kämpferischer, viel engagierter gewirkt. Aber das hatte Obama gar nicht gehört. Er hatte nicht wie Staats- und Regierungschefs etwa aus China, Russland, Deutschland im Saal Platz genommen. Sondern er kam wie ein Chef mal kurz vorbei, um seinen Untergebenen Anweisungen zu geben. Doch diese Zeit ist abgelaufen. Die USA sind nicht mehr die einzig verbliebene Supermacht, die der Welt nach Gutdünken ihren Willen oder in diesem Fall ihren Unwillen aufdrücken kann. Sie sind zumindest in der Klimapolitik nur noch eine Mittelmacht, auf gleicher Höhe wie Europa, Japan, aber auch China, Brasilien, Sudan als Sprecher der Entwicklungsländer und Äthiopien als Sprecher Afrikas. Die USA haben wie die anderen die Kraft mitzugestalten. Dazu freilich müssen sie mehr auf den Tisch legen als das, was sie bisher bieten. Tun sie das nicht, dann bleiben sie das, was sie schon zu Zeiten von George W. Bush waren: eine Bremse. Verwandte Themen| { Endspurt am Gipfel, 18.12.09 } | | { Europa noch immer Vorreiter, 17.12.09 } | | { Clinton bricht das Eis, 17.12.09 } | | { Kein Klimaabkommen ohne Frauen, 17.12.09 } | | { Kopenhagen wartet auf Obama, 16.12.09 } | | { Es ist bereits fünf nach zwölf, 16.12.09 } | | { Blockade in Kopenhagen
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Obama versteckt sich dahinter, dass der US-Senat, dem er selbst angehört hat, noch kein Gesetz zum Klimaschutz verabschiedet hat. Aber auch andere Staaten haben eine Innenpolitik, und auch die Regierungen anderer Länder haben ihre Versprechungen noch nicht sämtlich von ihren Parlamenten absegnen lassen. Brasiliens Lula versprach gestern sogar im Alleingang ohne eine Absprache mit seiner Regierung, dass sein Land den ärmsten Ländern finanziell unter die Arme greifen wird. Der Präsident des einstmals mächtigsten Landes der Welt lässt es an Führungskraft missen. Er droht zu einer tragischen Figur zu werden, die mit dem erhobenen moralischen Zeigefinger durch die Welt reist, aber nichts bewegt. Vor einer Woche hat er – ebenfalls in aller Eile und gleichsam auf der Durchreise – den Friedensnobelpreis entgegen genommen. Am Freitag in Kopenhagen hätte er die Chance gehabt, ihn sich auch zu verdienen. Die Generationen nach ihm hätten es ihm gedankt. Er hat diese Chance vertan. Bleibt es dabei, sollte er die hohe Auszeichnung wieder zurückgeben.
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