Am Klimagipfel geht es um viel Geld. Schon jetzt hat die internationale Klimapolitik einen Hunderte Milliarden Dollar schweren Markt entstehen lassen. Dieser Markt ist zu einem grossen Teil immer noch von den politischen Rahmenbedingungen geprägt.
Philippe de Casabianca ist überzeugt: Schon mit den bisher bekannten Technologien liessen sich völlig neue Produkte entwickeln, mit denen das Klimaproblem der Menschheit gelöst werden könnte. Der Franzose verweist auf Solarimpulse, das vom Schweizer Bertrand Piccard entwickelte Solarflugzeug. Solarenergie braucht GeldDe Casabianca nimmt für Cefic, die Vereinigung der europäischen Chemieindustrie, am Klimagipfel teil. Solarimpulse wird unter anderem vom belgischen Chemieriesen Solvay (und der Deutschen Bank) finanziert. Das mit Sonnenenergie betriebene Flugzeug ist im November das erste Mal ein paar Dutzend Meter geflogen. Ein Massenartikel wird es nicht so bald: Für seine Entwicklung sind 2 Milliarden Franken(1,3 Milliarden Euro) budgetiert. Aber de Casabianca denkt auch an massenfähige Produkte: Er träumt davon, dass eines Tages ein blosser Anstrich mit intelligenter Farbe genügt, um auf Gebäuden Sonnenenergie zu ernten. „Leitungen verlegt, Stecker in die Steckdose, und schwups, fliesst der Strom.“ Die Farbe käme natürlich aus den in der Cefic zusammengeschlossenen Chemieunternehmen. Adel El Gammel träumt in die gleiche Richtung, nur nicht so weit. „Photovoltaik wird in zwei Jahren in Italien wettbewerbsfähig sein“, sagt der Generalsekretär von Epia, der europäischen Solarenergievereinigung. „Und dann folgen die Länder weiter im Norden.“ In Dänemark könnte seine Industrie vielleicht in zehn Jahren Strom liefern, der nicht mehr kostet als Strom aus herkömmlichen Quellen. Das Problem: Bis dahin braucht es staatliche Subventionen. Diese werden einerseits aus den nationalen Budgets gezahlt. Diese hängen aber andererseits davon ab, wie stark die Staaten ihren Kohlendioxidausstoss verringern müssen. Und das soll eigentlich in Kopenhagen entschieden werden. Werben für AgrotreibstoffeAuch das Geschäft von Markos Jank hängt von den Ergebnissen des Klimagipfels ab, noch mehr aber von der öffentlichen Meinung. Er vertritt die brasilianische Zuckerindustrie am Gipfel. Zuhause brummt der Markt. Agrotreibstoffe sind mit einem Anteil von 17 Prozent bereits der zweitgrösste Energieträger nach Öl im Land. Bereits können 37 Prozent aller Autos im grössten Land Südamerikas mit Ethanol aus Zuckerrohr fahren. Von den Neuwagen sind es bereits 90 Prozent. Doch Brasilien könnte viel mehr erzeugen: Derzeit wird auf 0,9 Prozent der Fläche des Landes Zuckerrohr angebaut. Auf 7,5 Prozent des Landes wäre es erlaubt. Doch die Ausfuhr wird unter anderem gehemmt durch die Angst vor allem in Europa, mit dem Zuckerrohr könnte der Regenwald zerstört und der Anbau von Nahrungsmitteln verdrängt werden. Jank weist das zurück: Es gebe genug Fläche in Brasilien, eine Konkurrenz zu Nahrungsmitteln gebe es nicht. Jank sieht für seine Branche die Zeit grosser Geschäfte anbrechen. Eine vom Klimagipfel verordnete Verringerung und damit Verteuerung des CO2-Ausstosses würde helfen. Verwandte Themen| { Klimawandel als Chance nutzen, 07.12.09 } | | { Mit erneuerbaren Energien gewinnen, 03.12.09 } | | { Klimaschutz darf nicht schaden, 27.11.09 } | | { Klimaschutz spaltet US-Wirtschaft , 29.10.09 } | | { Klimaschützer kontra Lobbyisten , 30.09.09 } | | { Solarbranche spürt den Frühling, 23.09.09 } | | { Bald wird Sonne getankt!, 24.07.09 } | | { Spanien bei Wüstenstrom schneller, 13.07.09 } | | { Klimagipfel der Wirtschaftsführer, 27.05.09 } | | { Solarbranche wartet auf die Banken, 27.05.09 } | | { Strombranche vor Hürden, 19.05.09 } | | { Grünes Wissen sichert Stellen, 28.04.09 } | | { Agrosprit verschärft Hunger, 10.02.09 } | | { Klimaabkommen hat Vorrang, 28.01.09 } | | { Erneuerbare in der Welt durchsetzen, 23.01.09 } |
Diplomaten machen MarktEin anderer Markt dagegen ist völlig von den Klimadiplomaten abhängig: der Kohlendioxidmarkt. Er dürfte in diesem Jahr allein in der EU ein Volumen von über 100 Milliarden Euro erreicht haben. Doch wenn nach dem Auslaufen des Kyoto-Protokolls Ende 2012 kein globales Klimaabkommen mehr greifen würde, dürfte dieser Markt verschwinden. Auch sonst ist der Markt abhängig von den Diplomaten: Jedes Jahr bei der Klimakonferenz werden die Rahmenbedingungen für einen Teil dieses Marktes neu angepasst, nämlich für den sogenannten Clean Development Mechanism. Mit ihm können Industrieländer in Entwicklungsländern Verschmutzungsrechte erwerben, indem sie Klimaschutzmassnahmen finanzieren. Auch dieses Jahr haben die Teilnehmerländer des Kyotoprotokolls wieder über die Rahmenbedingungen dieses Mechanismus debattiert. Kein Wunder, dass die Vertreter von Unternehmen wie Myclimate und South Pole Carbon, die auf diesem Markt tätig sind, ebenfalls am Klimagipfel vertreten sind. Ein Bier mit Klimadiplomaten gehört dazu. Auch andere sagen dem Kohlendioxidmarkt eine grosse Zukunft voraus. Der potentielle Bedarf betrage Billionen Dollar, sagt Sylvie Lemmet von der UN-Umweltbehörde. Ein Hindernis für diesen Markt: Er ist noch zu wenig bekannt. Gerade kleine Banken wüssten nichts mit ihm anzufangen, sagt Lasse Ringius von der Weltbank. Der Klimagipfel mit seinen Tausenden Vertretern auch nicht-staatlicher Organisationen ist ein guter Ort, das zu ändern. Nicht alle in Kopenhagen haben Freude an allen Interessenvertretern: Cefic ist gerade am „Preis der zornigen Meerjungfrau“ vorbeigeschlittert. Dieser wird an diejenigen Lobbyisten verliehen, die sich aus der Sicht der Umweltschutzorganisation Friends of the Earth am staerksten gegen den Klimaschutz einsetzen. Preisträger ist die US-Saatgutfirma Monsanto. Bild: Weltklimagipfel Kopenhagen (Yvonne von Hunnuis).
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