Vaduz - Der liechtensteinische Regierungschef Klaus Tschütscher ist dem Patronatskomitee von Swisscleantech beigetreten. Die von ihm präsidierte Life Klimastiftung Liechtenstein ist Mitglied des Wirtschaftsverbandes nachhaltig orientierter Unternehmen aus der Schweiz und Liechtenstein. Mit dieser Kooperation wollen beide gemeinnützigen Organisationen neue Impulse setzen.
Günther Fritz: Herr Regierungschef, vor welchem Hintergrund ist die Life Klimastiftung Liechtenstein Mitglied und Partner des neuen Wirtschaftsverbandes Swisscleantech geworden? Klaus Tschütscher: Der Klimawandel ist eine der grössten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Klimaschutz geht uns alle an und es gilt jetzt zu handeln. Gefragt sind neue Strategien, kreative Ideen und Innovationen. Netzwerke und das Zusammenwirken von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sind hierfür unabdingbar, und zwar über die Landesgrenzen hinaus. Das gilt ganz besonders für die komplexen Bereiche der Klima-, Energie- und Wirtschaftspolitik. Aus diesem Grund haben wir uns für die Partnerschaft mit Swisscleantech entschieden. Darüber hinaus sind die Liechtensteiner und die Schweizer Wirtschaft traditionell eng miteinander verbunden. Diese Beziehungen gilt es zu pflegen und zu nützen. Günther Fritz: Worin bestehen die gemeinsamen Interessen und Zielsetzungen der Life Klimastiftung und der Swisscleantech Association? Was erwarten Sie konkret von dieser Kooperation? Klaus Tschütscher: Mit der Partnerschaft unterstreichen die beiden gemeinnützigen Organisationen die Wichtigkeit eines gemeinsamen und koordinierten Vorgehens für ein besseres Klima und eine nachhaltige Wirtschaft. Mit der Lancierung des neuen Wirtschaftsverbandes und der Partnerschaft demonstrieren Swisscleantech und die Life Klimastiftung Liechtenstein den Willen und die Bereitschaft, ihrer Verantwortung nachzukommen. Wir sind überzeugt, dass mit der Kooperation auch neue Impulse gesetzt werden können. Günther Fritz: Welche Voraussetzungen müssen liechtensteinische Unternehmen erfüllen, um sich dem neuen Verband Swisscleantech anschliessen zu dürfen? Welche Vorteile kann ein Unternehmen daraus ziehen? Klaus Tschütscher: Swisscleantech steht allen Unternehmen offen, die sich im Sinne von «Cleantech» einsetzen. Cleantech umfasst dabei branchenübergreifend alle Produkte, Dienstleistungen und Prozesse, die einen entscheidenden Beitrag zu einer nachhaltigen Wirtschaft leisten. Dieser Beitrag besteht zum Beispiel in einer gesteigerten Ressourceneffizienz, einem geringeren Bedarf an natürlicher Fläche, einem verringerten Ausstoss von Schadstoffen, der Verminderung anderer negativer Umwelteinflüsse sowie in der Bewusstseinsbildung. Liechtensteinische Unternehmen, die Mitglied von Swisscleantech werden möchten, müssen sich lediglich in einer Beitrittserklärung zu einem nachhaltigen Wirtschaften bekennen. Verwandte Themen| { Die grünen Milliarden spriessen, 08.12.09 } | | { Klimawandel als Chance nutzen, 07.12.09 } | | { Mit erneuerbaren Energien gewinnen, 03.12.09 } | | { Wirtschaft krisenfester machen, 25.11.09 } | | { Wirtschaft will Nachhaltigkeit, 02.11.09 } | | { Regierung umwirbt Finanzmarkt, 12.10.09 } | | { Finanzplatz muss sich neu erfinden, 16.09.09 } | | { Saubere Offensive aus der Schweiz, 25.08.09 } | | { Chance für den Finanzmarkt, 29.07.09 } | | { Liechtenstein will Chancen nutzen, 15.06.09 } | | { Haldenstein bewegt, 29.04.09 } | | { Erneuerbares Liechtenstein, 09.04.09 } |
Günther Fritz: Welche Impulse für eine nachhaltige und glaubwürdige Förderung des Klimaschutzes hat die Anfang 2009 ins Leben gerufene Life Klimastiftung bisher geben können? Klaus Tschütscher: Die Life Klimastiftung versteht sich als Netzwerkpartner, der die verschiedenen interessierten Parteien an einen Tisch bringt. Die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, wie beispielsweise der Swisscleantech, hilft uns dabei, länder- und sektorübergreifende Partnerschaften aufzubauen und zu vertiefen. Gleichzeitig betreibt die Stiftung intensives «capacity building» im Bereich Nachhaltigkeit. Dazu hat die Stiftung in ihrem ersten Jahr mehrere Anlässe und Workshops durchgeführt, welche auf grosse Ressonanz gestossen sind und uns zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Dass ein Wirtschaftsverband wie die Swisscleantech die Life Klimastiftung Liechtenstein als Partner einbezieht, macht deutlich, dass die Stiftung auch über die Landesgrenzen hinweg wahrgenommen wird. Günther Fritz: Welche Rolle kommt in der neu gebildeten Partnerschaft der Life Klimastiftung Liechtenstein zu? Gibt es in Vaduz nun sozusagen eine Zweigstelle der Swisscleantech? Klaus Tschütscher: Ganz richtig. Die Life Klimastiftung ist Ansprechpartner für alle interessierten Unternehmen in Liechtenstein. Dies wurde bewusst so gewählt, um eine eigene Kontaktstelle im Land zu haben und zudem noch näher bei den Swisscleantech-Mitgliedern zu sein. Günther Fritz: Weshalb nehmen Sie persönlich Einsitz im Patronatskomitee von Swisscleantech und worin besteht Ihre diesbezügliche Aufgabe? Klaus Tschütscher: Klimaschutz fängt bei jedem selbst an. Wir müssen uns der Herausforderung stellen und Verantwortung für unsere Umwelt und unser Wirtschaften übernehmen. Aus diesem Grund engagiere ich mich auch persönlich – das gilt für die Life Klimastiftung Liechtenstein und gilt ebenso für den Einsitz in das Patronatskomitee in der Swisscleantech Association. Günther Fritz: In Kopenhagen werden noch bis zum 18. Dezember die Nachverhandlungen zum Kyoto-Protokoll geführt. Welche grundsätzliche Position vertritt Liechtenstein an der Klimakonferenz und welchen Beitrag zum Klimaschutz kann ein Kleinstaat wie Liechtenstein global gesehen überhaupt leisten? Klaus Tschütscher: Der Klimaschutz beginnt doch im Kleinen. Jeder kann dazu mit einfachen Mitteln einen Beitrag leisten. Dies ist schlussendlich auch ein Ziel der Regierung sowie auch der Life Klimastiftung Liechtenstein. Unser Land hat seine offizielle Position bereits Anfang Juni beim Klimasekretariat der Vereinten Nationen eingereicht und dabei eine Reduktion von Treibhausgasen um mindestens 20 Prozent bis zum Jahr 2020 und um 50 Prozent bis zum Jahr 2050 angekündigt. Wir möchten in Kopenhagen zeigen, dass jeder Beitrag, auch wenn er noch so klein, die Erreichung der Ziele im Klimaschutz unterstützt und Liechtenstein dazu auch gewillt ist. Günther Fritz: Welche Möglichkeiten gemäss Emissionshandelsgesetz werden in Liechtenstein bisher genutzt und inwieweit öffnen sich hier interessante Marktnischen für Liechtensteins Finanzintermediäre? Klaus Tschütscher: Liechtenstein hat ein sehr modernes, schlankes und EU-kompatibles Emissionshandelssystem, welches zugleich mit sehr attraktiven Konditionen aufwartet. Dies ist auch im Ausland nicht unbemerkt geblieben und sicher ein weiterer Mosaikstein in den Anstrengungen zur Steigerung unserer Standortattraktivität. Zudem verfügt Liechtenstein über einen innovativen Finanz- und Industriesektor sowie über gute Rahmenbedingungen. Diese Kombination eröffnet uns Chancen, die es noch vermehrt zu nutzen gilt. Nachhaltigkeit kann zu einem wichtigen Wirtschaftspfeiler für Liechtenstein werden. Allgemein wird dem Cleantech-Bereich ein bedeutendes Marktpotenzial prognostiziert. Günther Fritz: In einem Brief an die Eidgenössischen Parlamentarierinnen und Parlamentarier forderten die Swisscleantech-Gründungsmitglieder die Politik auf, eine liberale und gleichzeitig nachhaltige Wirtschaftspolitik zu verfolgen. Ist eine solche Wirtschaftspolitik überhaupt machbar? Klaus Tschütscher: Klimaschutz muss ein Gemeinschaftsprojekt von Staat und Wirtschaft sein. Eine liberale Wirtschaftspolitik gibt den Rahmen vor und ermöglicht es, dass sich Unternehmen effizient und mit Renditeaussichten am Klimaschutz beteiligen können. Damit ist der Effekt viel grösser, als wenn der Staat nur durch Verbote oder Subventionen in den Markt eingreift. Günther Fritz: Wo steht Liechtenstein im Wachstumsmarkt Cleantech heute und wie sieht Ihre Vision für das Jahr 2020 aus? Klaus Tschütscher: Mehrere liechtensteinische Unternehmen haben das Potenzial im Cleantech-Bereich frühzeitig erkannt und bereits Fuss gefasst. Im bin überzeugt, dass Nachhaltigkeit in Zukunft zur Selbstverständlichkeit jedes wirtschaftlichen Handelns gehört, um überhaupt wettbewerbsfähig zu bleiben, und dass Liechtensteins Unternehmen Spitzenpositionen im Cleantech-Bereich einnehmen werden. Wer heute in den Klimaschutz investiert, der wird morgen auf den Weltmärkten zu den Gewinnern zählen. Die Märkte dieser Welt warten nicht auf Liechtenstein. Aber wir können die Märkte von unseren Produkten und Dienstleistungen überzeugen und damit Vorreiter und Vorbild bei nachhaltigen Technologien und Dienstleistungen werden. Zur Person: Klaus Tschütscher ist seit Frühjahr 2009 Regierungschef des Fürstentums Liechtenstein. Zuvor war der Politiker der Vaterländischen Union Wirtschaftsminister. Der 1967 geborene Tschütscher hat an der Universität St. Gallen studiert und war später Leiter des Rechtsdienstes der Liechtensteinischen Steuerverwaltung.
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