Desertec hat Durst

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Geschrieben von: Judith Zimmermann, Berlin 11.12.09
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Zu den grossen Energieprojekten der Zukunft gehört Desertec: Zwölf mehrheitlich deutsche Unternehmen wollen in der Sahara Strom produzieren. Doch es gibt noch viele offene Fragen, von der Wasserversorgung bis zur Einbeziehung der Standortortländer.

Die Idee ist verlockend: Strom aus der Wüste könnte die Energieprobleme der Menschheit lösen. „Die Wüsten der Erde empfangen in sechs Stunden mehr Energie von der Sonne, als die Menschheit in einem Jahr verbraucht”, sagt Gerhard Knies, Aufsichtsratsvorsitzender der Desertec Stiftung. Desertec ist inzwischen über die blosse Idee hinausgewachsen. Im Juli stellten sich zwölf Grossunternehmen hinter das Vorhaben, im Oktober wurde die Desertec Industrial Initiative GmbH gegründet. Auch international zieht das Konzept Kreise: In den letzten Monaten bildeten sich Partnerinitiativen in Australien, Grossbritannien, Indien und Ägypten.

Knapper Platz am Wasser

Allerdings melden sich auch Kritiker zu Wort. Eines der grössten technischen Probleme, das zu lösen ist: Die meisten heutigen Technologien setzen für die Energiegewinnung Wasser voraus. Und das ist in der Wüste mehr als knapp. Timon Wehnert vom Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung in Berlin sieht momentan nur die Möglichkeit, die Kraftwerke in Meeresnähe zu errichten. Doch dort ist der Platz knapp: Für diese Stellplätze sind schon Windkraftwerke geplant. Für die Standorte am Meer spricht, dass dort Trinkwasser gleichsam als Nebenprodukt gewonnen werden könnte. Denn überschüssigen Energie könnte Entsalzungsanlagen betreiben. Bei der steigenden Trinkwasserknappheit im Nahen Osten und Nordafrika wäre dies ein Anreiz für die Staaten, am Desertec-Projekt teilzunehmen.
Ein weiteres Problem: die Weiterleitung des Stroms. Dafür müsste ein grosser Teil der Infrastruktur aus dem Boden gestampft werden.

Netze sollen Staaten gehören

Doch auch das Verhältnis der Länder, in denen Strom produziert wird, und denen, die ihn verbrauchen, muss geklärt werden. „Desertec ist ein Mittel des friedenssichernden Zusammenschlusses der Länder der EU und Nordafrikas und ein Schritt in die von allen gewünschte Richtung weg vom Atomstrom und hin zu sauberen Energien”, sagte der Marokkaner Abdelaziz Bennouna, Mitglied der Desertec Stiftung, an einer Podiumsveranstaltung Ende November in Berlin. Desertec könne nicht nur Energie produzieren, sondern auch neue Arbeitsplätze schaffen. Dennoch besteht in Nordafrika die Sorge, Desertec könnte ein Instrument des Neokolonialismus werden. Eine wichtige Frage ist dabei, wem die Stromnetze gehören sollen. Aus der Sicht von Desertec-Vorstandsmitglied Gerhard Timm ist es dabei klar, dass „die Netze dabei nicht in die Hand der Global Player, sondern in die der jeweiligen Regierung gehören”. Allenfalls sollte es ein Kontrollorgan geben, welches über Verfügung über die Netze und über die Finanzen wacht.
Schliesslich wird darüber verhandelt werden müssen, wer den ersten Zugriff auf den Strom hat. Obwohl die Gründungsunternehmen meist deutscher Herkunft sind, sehen die Pläne vor, die Produktionsländer als erstes zu versorgen.

Ein interkontinentales Stromnetz

Zu den Gründungsunternehmen gehören die Deutsche Bank, E.ON, RWE, ABB und Siemens. Ihr Konzept sieht vor, ein Netz solarthermischer Kraftwerke im Mittelmeerraum aufzubauen. Es sollen dabei auch Windenergie, Wasserkraft, Geothermie und Biomasse genutzt werden. Den wichtigsten Anteil aber soll die Solarenergie leisten, Photovoltaik und konzentrierte Sonnenkraft. Desertec will in den nächsten drei Jahren konkrete Investitionspläne vorlegen. Der erste Strom könnte bereits in zehn Jahren fliessen. Die vollständige Umsetzung des Projekts dürfte allerdings Jahrzehnte brauchen und 400 Milliarden Euro (600 Milliarden Franken) brauchen. Mitte des Jahrhunderts könnte dann bis zu einem Viertel des europäischen Stroms aus der Wüste kommen.

Bild: Solarkraftanlage Andasol in Süd-Spanien (Desertec).

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