China spielt am Klimagipfel eine Schlüsselrolle. Das Reich der Mitte will seine CO2-Emissionen drosseln und seine Energiewirtschaft auf erneuerbare Quellen umstellen. Dabei setzt man in Peking vor allem auf Wind. Die Technologie ist nicht die allerneueste, aber so billig, dass sie ein Exportschlager werden kann. Bis 2050 soll ein Drittel der Primärenergie aus erneuerbaren Energieformen kommen.
Rechtzeitig zum Beginn des Weltklimagipfels hat China in Sachen Klimaschutz eine Schippe draufgelegt. Han Wenke, einer der führenden Strategen Pekings und Leiter der Energieabteilung der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission, präsentierte am Wochenende eine „Roadmap”, die das Land zu einem Vorreiter im Bereich erneuerbare Energien macht. Weltweit grösster CO2-Emittent„Bis 2050 soll mehr als ein Drittel der Primärenergie aus erneuerbaren Energieformen kommen”, sagt Han gegenüber der regierungsnahen China Daily. „Das wäre im Einklang mit unserem Ziel, die Struktur des Energieverbrauchs fundamental zu verändern.” Ein dreistufiger Plan liegt der Idee zugrunde. Bis 2020 soll 15 Prozent des Stroms umweltverträglich hergestellt werden, was nach Angaben des Experten einem Äquivalent von 600 Millionen Tonnen Kohle entspräche. 2030 sollen es dann schon 20 Prozent sein, wodurch eine Milliarde Tonnen Kohle weniger verfeuert werden müssten. Kohleverstromung trägt in China noch immer 70 Prozent zum Energiemix bei. Das Land ist nicht zuletzt dadurch der weltweit grösste CO2-Emittent. Ein wachsender internationaler Druck und das zunehmende Bewusstsein der eigenen Bevölkerung, dass Wohlstand nicht mit schmutziger Luft vereinbar ist, hat die chinesische Regierung zum Einlenken gezwungen. Wind und Sonne profitierten deutlich vom rund 400 Milliarden Euro schweren Stimulusprogramm, das Peking vor einem Jahr verabschiedete. Zum einen hilft dies, die Abhängigkeit von importiertem Öl und Gas zu reduzieren, zum anderen schafft es Arbeitsplätze und international starke Unternehmen in einer der Wachstumsbranchen schlechthin. China will bei Windkraft dominieren„China wird zukünftig bei der Entwicklung der Windenergie dominieren”, sagt Lars Andersen, China-Chef des dänischen Weltmarktführers Vestas. Das Global Wind Energy Council stellte kürzlich fest, dass China derzeit der Wachstumsmarkt Nummer eins ist, noch vor den USA. Waren es bis vor kurzem noch die grossen internationalen Spieler Vestas, General Electric und Gamesa, die die Szene beherrschten, so drängen nun die einheimischen Unternehmen nach vorne. Das Rezept ist einfach und hat sich bei den Solarpanel-Produzenten bestens bewährt. „Die Technologie der hiesigen Unternehmen mag zwar noch etwas hinterherhinken, doch sind die Preise bis zu 50 Prozent geringer”, erklärt die South China Morning Post. „Das macht sie international wettbewerbsfähig.” Genug lokales KapitalDazu kommt ein günstiges regulatorisches Umfeld und eine grosszügige Kapitalausstattung durch lokale Investoren. Die China Longyuan Power Group sammelte bei ihrem Börsengang am Freitag in Hongkong 1,5 Milliarden Euro ein. Abnehmer der Papiere waren unter anderem der chinesische Staatsfonds CIC und der Versicherungskonzern China Life. “Wir sind derzeit die Nummer fünf der globalen Windparkbetreiber”, sagt Longyuans Präsident Xie Changjun. „Unser nächstes Ziel ist Platz drei.” Brückenkopf in den USAChinas führende Turbinenhersteller heissen Sinovel Wind, Xinjiang Goldwind Science & Technology and Dongfang Electric. Goldwind gelang gerade der Markteinstieg in den USA mit einem Projekt in Minnesota. Den grössten Coup landete jedoch die Shenyang Power Group, die eine 600 Megawatt-Windfarm in Texas exklusiv mit Windrädern ausstatten wird. Ausschlaggebend war vor allem die Finanzierung durch die Export-Import Bank of China. Lu Jinxiang, Chef des Mutterkonzerns A-Power, sagte dazu: “Das ist erst der Anfang.” Der Aktienkurs des an der Nasdaq und in Frankfurt gehandelten Unternehmens stieg letzten Monat um knapp 40 Prozent. Bild: Nordex
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