Mit der Bahn nach Mekka

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Geschrieben von: Jonas Pepper, Dubai 09.12.09
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Mekka, BahnDie Golfstaaten sind nicht nur die grössten Ölförderer der Welt. Sie sind pro Einwohner auch die grössten Verbraucher. Denn ihr Transportwesen ist völlig auf Autos und Lastwagen aufgebaut. Das soll sich jetzt ändern. Der Golf entdeckt die Bahn. Die Deutsche Bahn ist als Partner beim Aufbau eines Bahnnetzes in Katar mit dabei.

Das kleine Katar geht voran. Das kleine Königreich am Golf, halb so gross wie das deutsche Bundesland Hessen, will eines der dichtesten Eisenbahnnetze ausserhalb Europas bauen. Der grösste Lieferant von Flüssiggas in der Welt rechnet dabei mit Kosten von 17 Milliarden Euro (26 Milliarden Franken).

Arbeitsplätze in Deutschland gesichert

Das Königreich setzt auf Hilfe aus Europa: Die Deutsche Bahn will Katar helfen, das Netz in drei Phasen bis 2026 zu bauen. Die deutsche Staatsbahn und der Staatsfonds Qatari Diar Real Estate Investment haben dazu Ende November ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, an dem der katarische Fonds 51 Prozent hält. Die Qatar Railways Development CO. wird für die Planung und den Bau des Netzes von Eisenbahn, Metro und Stadtbahn. Sie wird auch für die Ausbildung der einheimischen Fachkräfte zuständig sein.

Erste Metro am Golf

Im September ist die erste Metro am Golf eröffnet worden. Die Hochbahn im Emirat Dubai, betrieben von der staatlichen Strassenbehörde, hat allein vom 9. September bis zum 11. November 3,5 Millionen Passagiere befördert. Allein in der geschäftigsten Station, Mall of the Emirates, wurden über 600.000 Passagiere gezählt. Geplant sind zwei Linien in Dubai. Eine von ihnen soll bis ins benachbarte Abu Dhabi weitergeführt werden. Inzwischen wird mit Kosten von 7,6 Milliarden Dollar (5 Milliarden Euro/7,6 Milliarden Franken) gerechnet. Ursprünglich waren 4, 2 Milliarden Dollar vorgesehen.

Das Netz soll sowohl die grossen Städte im Land miteinander verbinden wie auch mit den Nachbarländern. So wird eine Eisenbahnbrücke nach Bahrein gebaut, den Inselstaat vor der Küste Katars. Auf dieser 180 Kilometer langen Strecke sollen die Spitzengeschwindigkeiten 350 Kilometer pro Stunde erreichen. Auf der 100 Kilometer langen Strecke nach Saudi Arabien sind 200 Kilometer pro Stunde vorgesehen. Das Metro- und Stadtbahnnetz in und um die Hauptstadt soll vier Linien, 98 Stationen und 300 Kilometer Länge umfassen.

Das freut die deutschen Partner. „In der gegenwärtigen schwierigen Lage helfen solche Projekte, Arbeitsplätze in Deutschland zu erhalten“, sagte Deutsche Bahn-Chef Rüdiger Grube bei der Vorstellung des Projekts. Grube hofft, dass das Vorzeigeprojekt in Katar zu Folgeaufträgen anderswo in der Region führt.

Bahn für Pilger

Das wäre eine Goldgrube. Denn überall auf der arabischen Halbinsel sind Bahnprojekte in Vorbereitung oder Planung. Eines der prestigereichsten wird zwischen dem Flughafen Jeddah und den Heiligen Stätten Mekka und Medina gebaut. Damit sollen 3 Millionen Passagiere transportiert werden – eine spürbare Entlastung für den Pilgerverkehr, der jedes Jahr über Saudi Arabien hereinbricht. Das grösste der Golfkönigreiche sieht dafür fast 4 Milliarden Euro vor. Das ist viel. Doch es ist nur ein Bruchteil der 260 Milliarden Euro, die es in den nächsten fünf Jahren in den Ausbau der Infrastruktur und der Ölproduktion investieren will.

 

Bisher betreiben die saudischen Staatsbahnen bereits Frachtgüterlinien mit einer Länge von 1018 Kilometer. Diese sollen nun mit dem Hafen Jeddah am Roten Meer und mit Jordanien im Norden und Jemen im Süden verbinden. Das kommt dem armen Nachbarn im Süden gelegen: Auch Jemen will erstmals eine Eisenbahnstrecke bauen. Sie soll das Land an die reicheren Nachbarn anbinden. Auch die anderen reichen Nachbarn spielen mit: Die sechs Staaten des Golfkooperationsrates – ausser Saudi Arabien und Katar auch Bahrein, Kuwait, Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate – haben im November beschlossen, ein grenzüberschreitendes Bahnnetz zu errichten. Insgesamt werden die Kosten auf 40 Milliarden Euro geschätzt.

Erste Ausschreibungen im Frühjahr

Allein das Netz in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) soll eine Länge von 1400 Kilometern erreichen. Zwei Routen sollen in den Oman führen und das Land am Golf an den Indischen Ozean anbinden. „Die Investitionen werden über einen Zeitraum von fünf bis sieben Jahren verteilt“, sagt Hussain Jasem Al Nowais, Chef der Eisenbahngesellschaft der VAE. Die ersten Ausschreibungen sind für das erste Vierteljahr 2010 vorgesehen. Die Linien sind vor allem für den Gütertransport vorgesehen. Die staatliche Ölgesellschaft des ölreichen  Emirats Abu Dhabi, Adnoc, will damit die Öl- und Gasfelder des Landes besser erschliessen und die petrochemische Industrie besser an die Aussenwelt anschliessen.
Die Staaten der arabischen Halbinsel haben die Bahn entdeckt. Nun werden sie in Rekordgeschwindigkeit gebaut. Der ungebremste Verbrauch von Öl, bisher Statussymbol, wird nun als Verschwendung angesehen: Warum verbrauche, wenn man es verkaufen kann?

 

Bild: Ali Mansouri/wikimedia

 

 

 

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