Gestalten statt gestaltet werden

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Geschrieben von: Yvonne von Hunnius, Bern 08.12.09
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Der neue Wirtschaftsverband swisscleantech will Nachhaltigkeit und liberalen Geist verbinden. Das sagt Christian Wenger, Vorstandsmitglied der Schweizerischen Gesellschaft für private Equity und Corporate Finance (SECA). Er erwartet erweiterte Gestaltungsmöglichkeiten. 

Yvonne von Hunnius: Weshalb propagieren Sie im neuen Verband swisscleantech besonders die Unterstützung von Jungunternehmern?

Christian Wenger: Junge Unternehmer sind enorm wichtig für unsere Wirtschaft. Man muss bedenken, dass grosse Innovationen meist mit kleinen Ideen begonnen haben. Diese oft hochqualifizierten jungen Menschen glauben unbedingt an ihr Produkt. Dieser Geist tut der Schweiz im gesamten Prozess der Wertschöpfungskette gut. Aus vielen Beratungsgesprächen weiss ich, was ihnen bei uns fehlt.

Yvonne von Hunnius:Und was vermissen sie in der Schweiz am meisten?

Christian Wenger: Sie vermissen ein kraftvolles Cluster in diesem Bereich. Das einzige Cluster, das in der Schweiz wirklich gut funktioniert, ist "Biotech, Life Science und Medtech". Es darf nicht das einzige bleiben. Zum Ersten brauchen sie bessere Rahmenbedingungen, die ihnen Innovation und Gründung erleichtern. Zum Zweiten Kapital, denn leider sind Unternehmungen in diesem Bereich sehr kapitalintensiv. Als Letztes habe ich festgestellt, dass es vielerorts an der Kommerzialisierung hapert. Es herrscht in der Schweiz ein Geist vor, der zwar die technische Seite mit Forschung und Entwicklung als notwendig erachtet, doch es fehlt vielerorts die Hilfe, dies letztlich erfolgreich zu einer Marktfähigkeit zu bringen.

Yvonne von Hunnius:Versagen die Strukturen der KTI und der Hochschulen wie zum Beispiel der ETH?

Christian Wenger: Keineswegs. Diese Institutionen leisten gute Arbeit. Doch diese muss ergänzt und ausgebaut werden. Es herrscht ein grosser Standardisierungsmangel gerade im juristischen Bereich. Im Rahmen des Verbandes SECA haben wir uns vorgenommen, dies zu bearbeiten.

Yvonne von Hunnius:Sie meinen Ihre Aktivität in der Schweizerischen Gesellschaft für private Equity und Corporate Finance. Wozu braucht man denn dann noch swisscleantech?

Christian Wenger: Swisscleantech braucht man unbedingt. Wir schauen auf das Problem mit einer Wirtschaftsoptik, der Verband swisscleantech mit einer sehr gesellschaftskonzentrierten Optik. Diese bezieht auch die politische Entscheidungsbildung stark mit ein. Das ergänzt sich und deshalb freue ich mich sehr auf die Kooperation. Mit „joint forces“ wollen wir die Rahmenbedingungen für diesen Bereich standardisieren und zugleich erleichtern. Nicht nur im Bereich der Jungunternehmer. Generell gehört dazu auch ein stimmiges Regelwerk von Fördermassnahmen.

Yvonne von Hunnius:Welche Modelle hat der Verband im Blick, denkt man neue Fördermassnahmen an?

Christian Wenger: Wir werden keine Förderstruktur befürworten, bei der schlicht Geld verschenkt wird. Wir analysieren im Augenblick beispielsweise die effizienten Konzepte der Kreditanstalt für Wiederaufbau in Deutschland oder der Innovationsförderung der Europäischen Union. Interessant ist auch die Herangehensweise des GIC, der Investitionsagentur der Regierung in Singapur, die gezielt spannende Unternehmen ansiedelt.

Yvonne von Hunnius:Sie sind auch selbst Unternehmer – weshalb soll es für einen Unternehmer sinnvoll sein, dem neuen Verband beizutreten?

Christian Wenger: Zum einen besteht der Reiz natürlich in der grundsätzlichen Auseinandersetzung mit dem Thema des nachhaltigen Wirtschaftens. Die Mitglieder sollen konkrete Impulse mitnehmen – mitunter durch den gegenseitigen Austausch. Ich hoffe stark, dass eine interaktive Plattform entsteht. Doch wichtig ist natürlich auch die Verkettung mit der Politik. Anliegen können so direkt angebracht werden und landen in Bern – und umgekehrt.

Yvonne von Hunnius:Kann auch ein kleines Unternehmen, wie das eines Fahrradhändlers, von einer Mitgliedschaft profitieren?

Christian Wenger: Wenn Nachhaltigkeit ihm ein Thema ist, selbstverständlich. Schon jetzt sind grosse Konzerne, kleinere Unternehmen und Verbände Mitglieder. Es soll die ganze Bandbreite der interessierten Wirtschaftstreibenden abgebildet werden. Und ihnen zu einer Stimme verholfen werden.

Yvonne von Hunnius:Sicher ist der Verband nicht zufällig genau zu Beginn der Klimakonferenz in Kopenhagen lanciert worden. Inwieweit denken Sie, dass solche Verbände konkret zu einem effizienten Management der aktuellen Probleme einen Beitrag leisten könnten?

Christian Wenger: Verbände, die Wirtschaft und Politik umfassen, sind wichtig hierfür. Der ganze Bereich wurde viel zu lange nur reaktiv betrachtet und mir geht es darum, eher zu gestalten, als gestaltet zu werden. Somit ist swisscleantech eine Weiterentwicklung des grünliberalen Gedankens. Grün wurde allzu lange in der Wirtschaft und auch bei etablierten Verbänden mit einem Feindbild verbunden, das keine Berechtigung mehr hat. Wir sitzen alle im gleichen Boot und die Zeit wird knapp.

 

Zur Person:

Christian Wenger ist Partner der Kanzlei Wenger & Vieli und spezialisiert auf Handels- und Wirtschaftsrecht mit Schwerpunkt Private Equity, Venture Capital und Mergers & Acquisitions. Er amtet als Präsident und Mitglied in verschiedenen Verwaltungsräten von schweizerischen wie auch internationalen Unternehmen. Christian Wenger gehört seit 2002 dem Vorstand der SECA (Schweizerische Gesellschaft für private Equity und Corporate Finance) an und führt dort als Mitglied des Ausschusses das Chapter Venture Capital und Seed an. In dieser Funktion engagiert er sich auf einer pro-bono Basis in verschiedenen eidgenössischen und kantonalen Projekten zur Förderung des Jungunternehmertums und des Technologiestandortes Schweiz. Im Jahre 2003 gründete er CTI Invest, einer mit der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) verbundenen Investorenplattform (Verein), die er seit der Gründung präsidiert.

 

Bild: Yvonne von Hunnius

 

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